Geistesblitze der Ökonomie (III): Tobins Steuer ist populärer denn je

ThemaÖkonomen

Geistesblitze der Ökonomie (III): Tobins Steuer ist populärer denn je

Bild vergrößern

Nobelpreisträger James Tobin sah seine Idee, durch die Attac von der falschen Seite bejubelt. Er war nie ein Gegner von Globalisierung und freiem Handel

von Elke Pickartz

James Tobin glaubte bis zu seinem Tod 2002 nicht daran, dass seine Börsensteuer je realisiert werden würde. Doch plötzlich ist sein Denkmodell in aller Munde.

Als James Tobin seine Idee erstmals formuliert, schreibt man das Jahr 1972 – und das Echo in Fachwelt und Öffentlichkeit ist gering. Was er vorschlage, sei „wie ein Stein in einen tiefen Brunnen gefallen“, wird sich der US-Ökonom und Nobelpreisträger später beschweren. Bis zu seinem Tod 2002 glaubt er nicht ernsthaft daran, dass die von ihm entwickelte „Tobin Tax“, eine Steuer auf Devisentransaktionen, jemals realisiert wird. Doch mehrere Währungskrisen und eine Weltfinanzkrise später ist Tobins Grundgedanke, den Finanzmärkten „Sand ins Getriebe zu streuen“, in Politik und Öffentlichkeit so populär und salonfähig wie nie zuvor.

Elf EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, wollen 2014 im Alleingang eine Finanztransaktionssteuer einführen. Im Februar hat die EU-Kommission einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. Auf den Handel mit Aktien und Anleihen soll ein Steuersatz von 0,1 Prozent und auf Derivate von 0,01 Prozent erhoben werden. Profiteure sind die Finanzminister – die neue Steuer soll ihnen bis zu 35 Milliarden Euro in die Kasse spülen.

Anzeige

Aktuelle Analysen zur Finanztransaktionssteuer

Tobin indes wollte die Steuer weltweit und einheitlich einführen, national erheben und die Einnahmen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) oder die Weltbank abführen. Er schlug vor, alle globalen Währungsgeschäfte am Devisenkassamarkt zu besteuern. Dies umfasst alle Transaktionen an den Finanzmärkten, die den Tausch einer Währung in eine andere implizierten – von klassischen Währungsgeschäften bis hin zu Aktiendeals. Die Steuer sollte – wie in der EU geplant – prozentual zum Volumen der Transaktion erhoben werden, allerdings mit einem höheren Prozentsatz von 0,5 Prozent.

Tobins Ziel war es, die Spekulation auf Währungsschwankungen einzudämmen, um destabilisierende Effekte auf die Realwirtschaft zu vermeiden. Der Ökonom hatte vor allem kurzfristig agierende Finanzinvestoren im Blick, die das in ein Land investierte Finanzkapital im Zweifel schnell abziehen und damit ökonomische Turbulenzen provozieren können. Mit seiner Steuer wollte Tobin die Kapitalflucht eindämmen und den Volkswirtschaften größeren wirtschaftspolitischen Spielraum geben.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%