Geistesblitze der Ökonomie (V): Ohne Technik gibt es keinen Wohlstand

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Geistesblitze der Ökonomie (V): Ohne Technik gibt es keinen Wohlstand

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China versucht weiterhin sein vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum anzukurbeln, aber dass es nicht ewig so weiter gehen konnte, hat Solow schon lange erklärt

von Jürgen Klöckner

Wie werden Volkswirtschaften reich? Der US-Ökonom Robert Solow legte in den Fünfzigerjahren den Grundstein der modernen Wachstumstheorie. Bis heute wirft sein Modell Fragen auf.

Bis heute rätseln Ökonomen über die Frage, was genau das Wachstum von Volkswirtschaften erklärt. Lange Zeit nahm man an, einzig mehr Beschäftigung und mehr Kapital würden den Wohlstand mehren. Der amerikanische Ökonom Robert Merton Solow, heute 88 Jahre alt, machte einen dritten Faktor aus: Er identifizierte den technischen Fortschritt als langfristig wichtigsten Wachstumstreiber. Ökonomen nennen ihn einfach "A".

Nicht Arbeitermassen und Kapitalfülle alleine entscheiden demnach über den Fortschritt einer Volkswirtschaft, sondern Innovation, Forschung und Kreativität – kurzum also alles, was den technischen Fortschritt ermöglicht – kommen als weitere Quellen der Wohlstandsmehrung hinzu. Das ist die zentrale Erkenntnis des nach ihm benannte Wachstumsmodells, für das Solow 1987 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.

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Der Boom inspirierte viele Wissenschaftler

Die moderne Makroökonomik fußt zum großen Teil auf diesem Modell. "Davor war sie bestenfalls Konjunkturforschung", sagt Jürgen von Hagen, Professor am Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Bonn. Erst Solows Theorien ermöglichten eine fundierte Wachstumsforschung: Dazu gehört die endogene Wachstumstheorie genauso wie die Analyse von Forschung, Entwicklung und Humankapital.

Robert Merton Solow Quelle: Getty Images

Vater der modernen Wachstumstheorie: Ökonom Robert Merton Solow

Bild: Getty Images

Um Solows Pionierleistung zu verstehen, muss man weit zurückgehen, ins Amerika der Großen Depression. Als Teenager erlebte er die Dreißiger- und Vierzigerjahre zunächst in New York, dann auf der Eliteuniversität Harvard. Die USA starteten nach der großen Krise ihren wirtschaftlichen Aufschwung zur Weltmacht.

Dieser Boom hatte eine ganze Generation von Wirtschaftswissenschaftlern inspiriert. Solow, heute Professor an der US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology, sagte rückblickend: "Ich habe mich für Wachstumstheorie begeistert, weil es in der Luft lag."

Bevor Solow seine neuen Ideen in die Volkswirtschaftslehre einbrachte, stützte sich die Wirtschaftswissenschaft der Vierzigerjahre auf ein Modell der Ökonomen Roy F. Harrod und Evsey D. Domar. Unabhängig voneinander waren beide auf die Idee gekommen, die Wohlstandsmehrung mithilfe einer einfachen Produktionsfunktion zu messen – und zwar sowohl für einzelne Unternehmen als auch für ganze Volkswirtschaften. Dabei zählte für Harrod und Domar einzig der Faktor Kapital. Vereinfacht gesagt gingen die Amerikaner davon aus, dass steigende Investitionen die Wirtschaft ankurbeln würden. Kapital machten sie als einzigen Wachstumstreiber aus.

Kapital und Beschäftigung

Wirtschaftsdaten sprachen allerdings eine andere Sprache. Bei der Analyse des Wachstums der USA bis Ende der Vierzigerjahre fiel Solow auf, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA, also die Summe der erzeugten Waren und Dienstleistungen, deutlich schneller wuchs als der Kapitalstock. Selbst unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums erklärte sich das rasante Wachstum dieser Zeit nicht. Es musste also einen weiteren Faktor geben, den die Ökonomen bislang nicht bedachten.

In seinem Artikel "A Contribution to the Theory of Economic Growth" ("Ein Beitrag zur Wachstumstheorie") stellte Solow 1956 sein Modell erstmals vor. Es beinhaltet nicht nur den Faktor Kapital, sondern auch den Faktor Beschäftigung. Eigentlich ein logischer Gedanke: Maschinen produzieren nur dann, wenn Arbeiter sie bedienen.

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