Geistesblitze der Ökonomie (VI): Wie die Spieltheorie bei Entscheidungen hilft

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Geistesblitze der Ökonomie (VI): Wie die Spieltheorie bei Entscheidungen hilft

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Wieder zu Hause. Der 1928 geborene John Forbes Nash war persönlich nicht immer im Gleichgewicht. 1994 erhielt er trotzdem den Ökonomie-Nobelpreis.

Spieltheorie und experimentelle Forschung zählen heute zu den zentralen Disziplinen der Wirtschaftswissenschaft. Ein wichtiger Wegbereiter dafür war der US-Ökonom John F. Nash mit seinem "Nash-Gleichgewicht" – ein Mann, der über 30 Jahre unter Schizophrenie litt.

Große Ideen brauchen manchmal nur wenig Platz. John Forbes Nash genügte 1950 eine einzige Seite im renommierten US-Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS), um die Spieltheorie und damit die gesamte Wirtschafts- und Sozialwissenschaft zu revolutionieren. Mit wenigen Worten definierte er in seinem Aufsatz ein Lösungskonzept für das, was Wissenschaftler "strategische Interaktionen" nennen. In diesen Entscheidungssituationen treffen Individuen ihre Entschlüsse nach bestimmten Regeln, die das Endergebnis für jeden einzelnen Mitspieler beeinflussen. Mithilfe der Spieltheorie und Nashs Ideen lassen sich derartige Entscheidungsraster mit mathematischer Präzision durchleuchten.

Soll eine Bäckerei die Preise senken, nachdem die Konkurrenz am Ort das Gleiche getan hat? Soll ein Unternehmen eine Fusion anstreben oder nicht? Solle man in der Rushhour die überfüllte Stadtautobahn oder eine Umgehungsstraße nehmen? Welche Preise können bei der Auktion von Mobilfunkfrequenzen aufgerufen werden? Und schießt man beim Elfmeterschießen eher in eine Ecke oder in die Mitte? All diese Entscheidungen können mit ein paar Anpassungen in die Form eines Spiels gebracht werden. Und über dessen Ausgang liefert Nashs Gleichgewicht eine Vorhersage.

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Durchbruch schon mit 21

Das grundlegende Prinzip ist einfach erklärt. Angenommen, Peter und Paul befinden sich in einer Konfliktsituation. Zwischen ihnen hat sich genau dann ein Nash-Gleichgewicht eingestellt, wenn keiner der beiden seine Lage verbessern kann, indem er alleine von seiner aktuellen Strategie abweicht. Legten sowohl Peter als auch Paul ihre Strategien offen und nähmen die Entscheidung des anderen als gegeben hin, würde trotzdem keiner der beiden sein Verhalten ändern. "Das Nash-Gleichgewicht ist ein stabiler Zustand, der sich nicht aus sich selbst heraus zerstört", sagt Christian Rieck, Autor eines Spieltheorie-Lehrbuchs und Professor an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Der Vorteil: Es sind keine regulierenden Eingriffe von außen nötig, um diese Stabilität zu gewährleisten.

Mit nur 21 Jahren legte Nash damit den Grundstein für die Analyse menschlicher Interaktionen. "Die Auswirkungen des Nash-Gleichgewichts auf die Wirtschafts- und Sozialwissenschaft ist vergleichbar mit der Entdeckung der DNA-Doppelhelix auf die Biologie", schreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger Roger Myerson in einer Würdigung von Nashs Werk. Dank Nash wurde die Spieltheorie zu einer zentralen Analysemethode, nicht nur in der Wirtschaftswissenschaft. "Sie erlaubt es, alle sozialen, ökonomischen und auch biologischen Interaktionen in eine klare Form zu bringen", sagt Axel Ockenfels, Professor an der Universität Köln.

"In der Realität gibt es keine Nullsummenspiele"

Vor Nash war die Spieltheorie noch nicht universell einsetzbar. Sie befasste sich in ihren Anfängen, maßgeblich geprägt durch John von Neumann und Oskar Morgenstern, nur mit sogenannten Nullsummenspielen. Das heißt, was eine Partei gewinnt, verliert die andere. "In der Realität gibt es aber kaum Nullsummenspiele. Es geht immer um Konflikt und Kooperation", sagt Ockenfels. Das Element der Kooperation brachte Nash zum ersten Mal ein. "Damit hat Nash die Tür aufgemacht zu diesem riesigen Universum von Spielen", so Ockenfels.

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