Geistesblitze der Ökonomie X: Wie Lobbyisten der Volkswirtschaft schaden

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Geistesblitze der Ökonomie X: Wie Lobbyisten der Volkswirtschaft schaden

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Mancur Olson über die unheimliche Macht der Interessengruppen.

von Konrad Fischer

Warum haben Interessengruppen so viel Macht? Mancur Olsons „Logik des kollektiven Handelns“ zeigt, wie Lobbyisten von demokratischen Entscheidungen Besitz ergreifen – und auf lange Sicht die Wirtschaft ruinieren können.

Die deutsche Energiewende ist ein klassisches Paradoxon. Innerhalb weniger Jahre ist aus dem gesellschaftlichen Zukunftsprojekt eine unkontrollierbare Umverteilungsmaschinerie geworden. Auf der Gewinnerseite: Landwirte, Investoren und ein paar spezialisierte Unternehmen, zusammengerechnet also nicht besonders viele Menschen. Bei den Verlierern finden sich hingegen die meisten Industriebetriebe und alle Stromkunden, also viel mehr Menschen. Warum lässt die große Mehrheit in einer Demokratie zu, dass eine kleine Gruppe auf ihre Kosten hohe Gewinne erzielt?

Um das zu verstehen, braucht man erstaunlich wenig Wissen über Klima, Umwelt oder Technik – es genügt ein Blick in den politökonomischen Klassiker „Die Logik des kollektiven Handelns“ von Mancur Olson. Der US-Ökonom, der 1998 im Alter von 66 Jahren starb, veränderte mit seinem 1965 veröffentlichten Werk das Bild von Interessengruppen grundlegend. Zusammen mit seinem folgenden Buch „Aufstieg und Fall von Nationen“ fügte er der ökonomischen Theorie ein Kapitel hinzu, das diese bis dahin unter „ceteris paribus“ verbucht hatte: die Struktur von Interessengruppen in einer Ökonomie und ihren Einfluss auf die Entwicklung derselben.

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Sowohl in den Vereinigten Staaten nach dem „New Deal“, der Staatsausgaben als Konjunkturmotor predigte, als auch im Nachkriegsdeutschland mit seinem rheinischen Kapitalismus war der „Korporatismus“ die Theorie der Stunde. Sie ging davon aus, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber für das Funktionieren der Demokratie von großer Bedeutung seien. Die Überzeugung lautete: Wenn alle Betroffenen einer politischen Entscheidung ihre Meinung beisteuern, findet sich wie von selbst eine Regel, die der Gesellschaft am besten dient. Je größer eine Gruppe, desto lauter artikuliert sie sich. Interessengruppen spiegeln daher letztlich die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse wider.

Entertainer im Elfenbeinturm Olson vermied ökonomische Fachsprache. Quelle: University of Maryland

Entertainer im Elfenbeinturm Olson vermied ökonomische Fachsprache.

Bild: University of Maryland

Daran allerdings wollte Olson nicht glauben, schließlich sah die wirtschaftliche Realität reichlich trist aus. In den USA herrschte Stagflation, die große alte Demokratie Großbritannien war von übermächtigen Gewerkschaften gelähmt. Stattdessen reüssierten nach dem Krieg die Ex-Diktaturen Deutschland und Japan.

Olson machte für diese Unterschiede eine Gruppe verantwortlich, die bis dahin keiner auf der Rechnung hatte: Lobbyisten. In seiner Arbeit ging er von der Frage aus, wann es überhaupt zu kollektivem Handeln innerhalb einer Gruppe von Personen kommt, die grundsätzlich das gleiche Interesse haben. Eine überraschende Erkenntnis stand gleich am Anfang: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass sich Gruppen überhaupt organisieren. „Dass das Ziel der Gruppe gemeinsam ist, bedeutet, dass der Gewinn aus jedem Opfer, das der Einzelne im Dienste des gemeinsamen Zweckes macht, mit jedem in der Gruppe geteilt wird“, beschreibt Olson das Dilemma kollektiven Handelns.

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