Geistesblitze der Ökonomie (XI): Kenneth Arrow - Mitbegründer der Sozialwahltheorie

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Geistesblitze der Ökonomie (XI): Kenneth Arrow - Mitbegründer der Sozialwahltheorie

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Nobelpreisträger Kenneth Arrow im Oktober 2013

von Konrad Fischer

Der Ökonom und Mathematiker Kenneth Arrow untersuchte, wie Gruppen rationale Entscheidungen treffen können – und stellte dabei aus Versehen die Demokratie infrage.

Als Kenneth Arrow 1951 seine Doktorarbeit vorlegt, weigern sich die zuständigen Professoren, das Werk zu begutachten. Der junge Wissenschaftler hatte ein kompaktes 120-Seiten-Stück mit dem Titel „Social Choice and Individual Values“ vorgelegt, doch die Ökonomen verstehen es schlichtweg nicht. Viel zu mathematisch sei der Text, Arrow habe sich wohl in der Fakultät geirrt. Sie reichen das Manuskript weiter an ihren Kollegen Ted Anderson, Professor der Mathematik. Der studiert es, stuft es zwar im Kern als ökonomisches Werk ein, gibt aber dennoch seine Meinung ab: bahnbrechend. Nur sechs Jahre später bekommt Arrow die John-Bates-Clark-Medal, 1972 dann den Nobelpreis – als jüngster Forscher aller Zeiten. Eine Wissenschaftler-Generation danach geht das landläufige Urteil noch weiter: Arrow hat mit seiner Doktorarbeit einen ganz neuen Zweig der Wissenschaft begründet.

Kenneth Arrow war der erste Ökonom, der gesellschaftliche Entscheidungen von einem ökonomisch-mathematischen Blickwinkel aus betrachtet hat. Bis dahin hatten Ökonomen stets den rational handelnden Einzelakteur zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Analysen gemacht. Untersucht wurde, wie eine Summe von Individuen für sich genommen rational entscheidet. Arrow schränkte das ein: Um in der Gruppe ein effizientes Ergebnis zu erzielen, darf gerade nicht jeder für sich rational handeln. Stattdessen muss es darum gehen, ein für die Gruppe rationales Ergebnis zu erzielen.

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Eine Art Baukasten

Arrow entwickelte in seiner bahnbrechenden Arbeit neben der grundlegenden Erkenntnis, dass soziale Entscheidungen für die Ökonomie relevant sind, eine Art Baukasten, um solche Entscheidungen zu analysieren. Seitdem haben immer mehr Ökonomen demokratische Entscheidungsprozesse als empirisches Forschungsfeld entdeckt, in offensichtlichem Bezug zu Arrow wird diese Denkschule als Social Choice bezeichnet.

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In seinem Hauptwerk geht Arrow der Frage nach, wie die Präferenzen einer Gruppe von Menschen so zusammengeführt werden können, dass das Ergebnis der Summe ihrer Präferenzen entspricht. Auf den ersten Blick scheint diese Frage reichlich überflüssig, schließlich sollte eine einfache Abstimmung genügen: Das Ergebnis, das den meisten Gruppenteilnehmern am besten gefällt, wird ausgewählt. In den meisten Fällen stimmt das auch. Doch es gibt Ausnahmen, in denen diese Regel offensichtlich kein zufriedenstellendes Ergebnis bringt. Ausgangspunkt ist die Situation, in der drei Personen versuchen, aus drei Möglichkeiten eine Wahl zu treffen, zum Beispiel ein dreiköpfiger Unternehmensvorstand, der über Expansionsstrategien diskutiert. Die Gruppenmitglieder wählen aus den Aktivitäten A (den Konkurrenten kaufen), B (ein Joint Venture mit dem Konkurrenten eröffnen) und C (alleine weiter machen) folgende Präferenzreihenfolgen:

Vorstand 1: A, B, C

Vorstand 2: B, C, A

Vorstand 3: C, A, B

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