Geldanlage: Wie sich Anleger gegen sinkende Preise wehren

ThemaKonjunktur

Geldanlage: Wie sich Anleger gegen sinkende Preise wehren

von Niklas Hoyer

Sinkende Preise und sinkende Zinsen sind nichts für Anleger. Mit den richtigen Produkten sieht das aber anders aus. Welche Investments auch in deflationären Zeiten Sinn machen.

Die Lebenshaltungspreise in der Euro-Zone sind im April gegenüber Vorjahr um 0,7 Prozent gestiegen, in Deutschland lag das Plus bei 1,3 Prozent. Beide Werte liegen weit unter zwei Prozent, dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten Wert. Zwar sieht EZB-Präsident Mario Draghi noch keine Deflationsgefahr für die gesamte Euro-Zone, dennoch bereitet sich die EZB auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik für den Fall vor, dass der Preisrückgang in den Euro-Krisenländern anhält. Anleger in Deutschland sollten sich also auf allenfalls moderate Preisanstiege und auf niedrige oder sogar fallende Zinsen einstellen.

Tages- und Bargeld sind deshalb wenig aussichtsreich. Der Zinsertrag ist gering. Nur wenn Preise und Löhne tatsächlich fallen, würde sich ein höherer Realzins einstellen. Allerdings drohten bei Banken dann Kreditausfälle, weil Schuldner ihre fixen Raten nicht mehr zahlen könnten. Wenn die Zinsen niedrig bleiben oder weiter sinken, sollten Zinsanleger längere Laufzeiten wählen, etwa mit Festgeld und Anleihen. Börsennotierte Anleihen bringen Anlegern bei sinkenden Zinsen Kursgewinne. Je länger die Restlaufzeit, desto größer der Gewinn. Geben zusätzlich noch die Preise nach, kämen Anleger real auf besonders hohe Erträge. Auch hier gilt: Die Anleihen stark verschuldeter Unternehmen oder Festgelder von schwachbrüstigen Banken wären bei Deflation nicht empfehlenswert, da Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten: Unternehmensanleihen wären schneller vom Ausfall bedroht, Banken könnten über vergebene Kredite in Schieflage geraten.

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Nur kurzer Profit

So würde es Immobilieneigentümern bei Deflation schwerer fallen, Hypothekenkredite zurückzuzahlen. Die Monatsraten würden immer mehr Einkommen aufzehren. Im Extremfall könnte dies Immobilien insgesamt schaden: Käme es gehäuft zu Zwangsversteigerungen, würden Wertverluste drohen. Allenfalls niedrige Kreditzinsen könnten Käufer locken.

Anleger mit einer Lebensversicherung würden von sinkenden Zinsen profitieren – aber nur kurz. Lebensversicherer legen fast 80 Prozent der Kundengelder zu festen Zinsen an. Auch die Kurse der von ihnen gehaltenen Anleihen steigen bei sinkenden Zinsen. Bislang werden Kunden bei Kündigung oder Vertragsende an Kursgewinnen zur Hälfte beteiligt; die Regierung plant jedoch eine Abschaffung dieser Beteiligung. Mittel- bis langfristig würden niedrige Zinsen den Versicherten so oder so massiv schaden. Neu investiertes Geld könnten Versicherer nur noch zu Niedrigstrenditen anlegen. Ihren Altkunden haben sie jedoch bis zu vier Prozent Zins auf die um Kosten geminderten Beiträge versprochen. So viel würden die Versicherer nicht mehr erwirtschaften. Im Extremfall könnten sie Zusagen nicht einhalten. Schon vorher würden Kunden mit niedrigeren Zinszusagen benachteiligt.

Aktien? Ja! Aber die Richtigen

Solange die Preise nicht stark fallen, sind Aktien eine gute Wahl. Die niedrigen Renditen anderer Anlagen machen sie attraktiv. Da die Notenbanken für Geldzufluss sorgen, gibt es viele Käufer. Erst wenn die Preise deutlich nachgeben und Deflation der Konjunktur schadet, würde das auch Aktien treffen. Unternehmen könnten Absatzprobleme bekommen, wenn Kunden ihre Käufe in Hoffnung auf niedrigere Preise verschieben. Oft lassen sich auch Produktionskosten nicht schnell genug senken; Gewinnmargen würden sinken. Selbst in solch einem Umfeld dürften sich einige Branchen aber gut schlagen. Es sind Unternehmen, die Zulieferern ihre Bedingungen diktieren können und deren Produkte die Kunden dringend oder zwingend brauchen: Pharma- oder Nahrungsmittelindustrie, aber auch Rückversicherer. Starke Marken oder gehaltene Patente helfen ihnen. Hohe Exportanteile sichern ab, solange Preisrückgänge regional begrenzt bleiben.

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Gold wäre auch bei Deflation attraktiv. Das Edelmetall hängt an keinem Zahlungsversprechen, sodass kein Schuldner ausfallen kann. Die laufenden Kosten des Goldinvestments – entgangene Zinsen – wären minimal. Außerdem dürfte Gold als Krisenversicherung profitieren. Nur das allgemein sinkende Preisniveau könnte den Goldpreis drücken.

Unsere Bildergalerie zeigt empfehlenswerte Geldanlagen für Zeiten mit sinkenden Preisen und Zinsen.

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