
Angesichts der aktuellen Geldpolitik in Europa ist diese Angst durchaus begründet. Die Notenbanken des Euro-Systems haben im Zuge der Krise für mehr als 280 Milliarden Euro Staatsanleihen und Pfandbriefe gekauft und damit Geld geschöpft. Sie verleihen unbegrenzt Geld an Geschäftsbanken und haben mittlerweile Forderungen von 1,2 Billionen Euro gegenüber Kreditinstituten der Euro-Zone angehäuft. Ihre Bilanzsummen haben sich seit 2007 auf 3,1 Billionen Euro verdreifacht. In der Vergangenheit hat eine so stark anschwellende Zentralbankbilanz mittelfristig stets zu Inflation geführt.
Doch dieser Mechanismus scheint derzeit außer Kraft. Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes lag die deutsche Teuerungsrate im Juni bei 1,7 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte niedriger als im Vormonat. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex, den die Wiesbadener zusätzlich für die EU berechnen und an dem sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) orientiert, ist zwar höher, erfüllt aber mit 2,0 Prozent das EZB-Stabilitätsziel. Von Inflation keine Spur. Wie kann das sein?
Bild: REUTERSBulgarien
Das niedrigste Preisniveau in Europa wurde 2011 in Bulgarien verzeichnet. Es liegt 49 Prozent unter dem Durchschnitt der 27 europäischen Vergleichsländer. Besonders für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zahlen Verbraucher in dem osteuropäischen Staat vergleichsweise wenig: 67 Prozent des EU27-Durchschnitts. Auch die Preisniveaus für Bekleidung, Privatfahrzeuge sowie Dienstleistungen in Gaststätten und Unterkünften war 2011 nirgendwo so günstig wie in Bulgarien.
Bild: dpaPolen und Rumänien
Der derzeitige EM-Gastgeber und das Nachbarland Bulgariens haben mit 60 Prozent des EU27-Durchschnitts ebenfalls ein sehr niedriges Preisniveau. In Polen ist der Markt für Unterhaltungs-elektronik der Beste in Europa. In dieser Produktgruppe unterscheiden sich die Preisniveaus zwischen den Mitgliedstaaten weniger stark, trotzdem ist Polens Preisniveau mit 89 Prozent des Durchschnitts am günstigsten.
Bild: dapdLitauen und Ungarn
Verbraucher in Litauen und Ungarn können sich mit einem Preisniveau zwischen 30 und 40 Prozent unter dem Durchschnitt (in Litauen 66, in Ungarn 64 Prozent) ebenfalls noch glücklich schätzen. Für alkoholische Getränke und Tabakwaren war das Preisniveau in Ungarn sogar im Vergleich am niedrigsten mit gerade einmal 63 Prozent des Durchschnitts.
Bild: APNLettland und Slowakei
Mit 74 und 72 Prozent liegen Lettland und die Slowakei im Mittelfeld. Besonders bei Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen kommen Verbraucher in diesen Ländern preislich gut weg. Hier liegt das Niveau der Länder unter 80 Prozent des Durchschnitts.
Bild: dpaEstland, Malta und Tschechische Republik
Wer sein Geld in einem dieser Länder ausgibt, kann ein Preisniveau zwischen 20 und 30 Prozent unter dem E27-Durchschnitt erwarten. In Estland (79), Malta (78) und der Tschechischen Republik (77) kann somit auf größtenteils angenehmen Niveau konsumiert werden. Wer in Malta lebt, zahlt allerdings zumeist mehr für Unterhaltungselektronik. Hier ist das maltesische Preisniveau mit 125 über dem europäischen Durchschnitt im Vergleich am höchsten.
Bild: gmsZypern, Portugal und Slowenien
Zehn bis 20 Prozent unter dem EU27-Durchschnitt liegen die Preisniveaus von Zypern (89 Prozent), Portugal (87 Prozent) und Slowenien (84 Prozent).
Besonders hochpreisig im europäischen Vergleich kommt es in Sachen Privatfahrzeugkauf übrigens die Portugiesen. Dort liegt das Preisniveau von für Privatfahrzeuge mit 122 Prozent des Durchschnitts am höchsten.
Bild: dpaSpanien und Griechenland
Spanien und Griechenland liegen mit 97 und 95 Prozent nur knapp unter dem Durchschnitt. In Spanien liegen die Preisniveaukategorie Unterhaltungselektronik und Privatfahrzeuge bei 99 Prozent des Durchschnitts. In Griechenland konsumieren die Verbraucher in Gaststätten und Hotels nahezu auf Niveau des EU27-Durchschnitts.
Bild: dpaDeutschland, Italien und Großbritannien
Knapp über dem Durchschnitt bewegten sich 2011 dafür Deutschland und Italien (je 103 Prozent) sowie das Vereinigte Königreich (102Prozent). Verbraucher in Deutschland bekommen damit im Vergleich mehr für ihren Euro als die Menschen in den meisten Nachbarländern. Das bestätigte auch das Statistische Bundesamt. Das Preisniveau für Nahrungsmittel liegt im Vergleich der Kategorien dabei am höchsten: 110 Prozent des Durchschnitts legen Verbraucher in der Bundesrepublik auf die Ladentheke.
Bild: APNiederlande und Österreich
Ein wenig höher waren 2011 die Preisniveaus in den deutschen Nachbarländern: Die Niederlande kamen auf 108 Prozent, Österreich auf 107 Prozent des Durchschnitts. In Sachen Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke liegen die Niveaus der beiden Länder weit auseinander: Während die Niederlande in dieser Kategorie nur auf 95 Prozent des durchschnittlichen Preisniveaus kommen, liegt das Preisniveau in Österreich hier bei 116 Prozent des Durchschnitts.
Bild: dapdIrland, Belgien und Frankreich
Verbraucher in Irland, Belgien und Frankreich zahlten im Schnitt zehn bis 20 Prozent mehr als der EU-Durchschnitt.
Alkoholkonsum in Irland ist im EU-Vergleich übrigens die teuerste Angelegenheit. Für alkoholische Getränke und Tabakwaren war das Preisniveau in Irland 2011 nämlich mit 163 Prozent des Durchschnitts am höchsten.
Bulgarien
Das niedrigste Preisniveau in Europa wurde 2011 in Bulgarien verzeichnet. Es liegt 49 Prozent unter dem Durchschnitt der 27 europäischen Vergleichsländer. Besonders für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zahlen Verbraucher in dem osteuropäischen Staat vergleichsweise wenig: 67 Prozent des EU27-Durchschnitts. Auch die Preisniveaus für Bekleidung, Privatfahrzeuge sowie Dienstleistungen in Gaststätten und Unterkünften war 2011 nirgendwo so günstig wie in Bulgarien.
Inflation entsteht, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Gütermenge. Der Nachfragesog treibt dann die Preise. Doch damit das passiert, muss das Geld der Zentralbank bei den Unternehmen ankommen. Momentan hängt es jedoch bei den Geschäftsbanken fest. Das Basisgeld – die Summe aus Bargeld und Einlagen der Banken bei der EZB – hat sich seit Januar 2008 auf 1,7 Billionen Euro verdoppelt. Theoretisch könnten die Banken zum derzeitigen Mindestreservesatz von einem Prozent das 100-Fache ihrer Zentralbankguthaben als Kredite vergeben. Doch sie begnügen sich mit dem Sechsfachen. In normalen Zeiten war es immerhin das Zehnfache. Die Geldmenge M3, also die Geldmenge, die sich tatsächlich im Wirtschaftskreislauf befindet, ist nahezu konstant geblieben.
Banken bunkern EZB-Geld
Der Grund: Die Banken geben die hohe Liquidität nicht in Form von Krediten an die Realwirtschaft weiter, weil sie selber unterkapitalisiert sind. Für jeden weiteren Kredit, den sie vergeben, müssen sie zusätzliches Eigenkapital bereithalten. Die neuen Vorschriften (Basel II und III) verlangen zudem, die bereits vergebenen Darlehen mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Die Banken müssten neue Aktien emittieren, doch für die dürfte es schwer sein, Käufer zu finden. Zudem würde die Verwässerung der Eigentümeranteile den Kurs der bereits ausgegebenen Papiere, der ohnehin bei den meisten Geldhäusern extrem niedrig ist, weiter drücken.
Daher dampfen die Banken ihr Kreditgeschäft lieber ein oder verteuern Darlehen etwa für Gewerbeimmobilien oder zyklische Branchen, anstatt das Angebot auszuweiten. Das gilt nicht nur in Peripheriestaaten, sondern auch in Deutschland.
Hinzu kommt, dass die Unternehmen kaum Kredite nachfragen. Viele deutsche Banken würden gerne mehr Geld mit der Darlehensvergabe an solide mittelständische Unternehmen verdienen. Denn diese Kredite müssten sie mit nur sehr wenig Eigenkapital unterlegen. Doch die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren so üppige Gewinne verbucht, dass sie Investitionen locker ohne Fremdkapital bezahlen können. Zudem sind sie immer noch vorsichtig, was Neuanschaffungen betrifft. Die kräftigen Anstiege bei Anlage- und Ausrüstungsinvestitionen in den vergangenen Monaten täuschen darüber hinweg, dass diese immer noch nicht das Vorkrisenniveau von Anfang 2008 erreicht haben.
Doch all dies könnte die Ruhe vor dem Sturm sein, zumal auch die hohen Tarifabschlüsse 2012 den Inflationsdruck erhöhen. Ein weiterer Inflationstreiber, der Ölpreis, ist derzeit zwar im Sinkflug; dies dürfte aber nur vorübergehend sein. Commerzbank-Analyst Ralph Solveen rechnet damit, dass spätestens in zwei Jahren die Inflation anzieht. Auch der ehemalige EZB-Chefvolkswirt, Jürgen Stark, warnt, Liquidität finde immer einen Weg. Wenn nicht die Verbraucherpreise stiegen, dann eben die Vermögenspreise.
Gefährlich wird es, wenn die Konjunktur kräftig anzieht. Dann werden die Banken die Milliarden der EZB nicht mehr horten, sondern großzügig verteilen. Die EZB müsste das Geld „absaugen“ und den Banken einen Zins deutlich über Marktniveau bieten. Dadurch würde sich das Zinsniveau generell erhöhen und wiederum den Aufschwung gefährden. Es ist fraglich, ob die EZB angesichts des massiven politischen Drucks einen restriktiven Kurs, der für die Inflationsbekämpfung nötig wäre, durchhalten würde. In der kommenden Woche könnten die Notenbanker den Leitzins sogar nochmals senken.
















