Geldpolitik: Bank of England verzichtet auf Leitzinssenkung

Geldpolitik: Bank of England verzichtet auf Leitzinssenkung

, aktualisiert 14. Juli 2016, 15:18 Uhr
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Chef der Bank of England: Mark Carney.

Quelle:Handelsblatt Online

Entgegen der Markterwartungen verzichtet die britische Notenbank auf eine Zinssenkung. Für die Märkte kommt dies überraschend. Sie hatten damit gerechnet, dass die Bank of England ihre Geldpolitik lockert.

Die britische Notenbank lässt drei Wochen nach dem Brexit-Votum den Leitzins unverändert. Der Zinssatz bleibe auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, teilte die Bank of England am Donnerstag in London mit. Auf diesem Niveau liegt der Zinssatz seit mehr als sieben Jahren. Bankvolkswirte hatten wegen der Unsicherheiten seit dem Votum der Briten für den EU-Austritt mehrheitlich mit einer Zinssenkung gerechnet.

Der geldpolitische Ausschuss sprach sich mit acht zu einer Stimme dagegen aus, bereits im Juli zu handeln. Gleichzeitig stellte er jedoch eine Lockerung im August in Aussicht, um den wirtschaftlichen Schaden abzumildern, der durch das Votum zum Austritt aus der EU entstanden sei. Damit ändert die Bank of England ihre grundsätzliche Position nicht. Der geldpolitische Ausschuss wiederholte seine Einschätzung, dass das Brexit-Votum zu deutlich geringerem Wachstum und deutlich höherer Inflation führen könne als noch im Mai vorhergesagt.

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Die Deutsche Bank hatte jüngst einen deutlichen Preisanstieg in Großbritannien vorhergesagt. Grund ist der Verfall des Wechselkurses des britischen Pfunds. Die Währung hat seit dem Brexit-Votum rund zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren, was Importe in Großbritannien teurer macht. Die Analysten schätzen, dass dies die Preise 2017 um bis zu zwei Prozentpunkte erhöhen könnte. Vor dem Brexit-Votum war die Deutsche Bank für 2017 in Großbritannien von einer Inflation von 1,7 Prozent ausgegangen.

Die Bank of England hatte bereits vor dem EU-Referendum vor einer Rezession gewarnt und die Abstimmung über einen Austritt aus der Staatengemeinschaft als größtes heimisches Risiko für die Finanzmarktstabilität genannt. Nach dem Votum vor drei Wochen, bei dem 52 Prozent der Briten, für einen Brexit stimmten, sehen Volkswirte schon klare Anzeichen für einen Konjunkturabschwung ­– etwa in der sinkenden Zahl der freien Stellen und beim Einkaufsmanager-Index für den Service-Sektor, der zuletzt stärker gesunken ist als erwartet.

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Credit Suisse rechnet damit, dass Großbritannien im nächsten Jahr in die Rezession stürzt. Das liege unter anderem daran, dass viele Unternehmen auf der Insel keine Brexit-Notfallpläne hätten, ausländische Konzerne wohl vorerst Investitionen in Großbritannien auf Eis legen würden und britische Konsumenten ihre Ausgaben senken dürften, heißt es in einer jüngst erschienen Studie von Credit Suisse.

Ursprünglich hatte der ehemalige britische Finanzminister George Osborne einen Nothaushalt angekündigt, um mit dem Brexit-Schock umzugehen. Doch sein Nachfolger Philip Hammond schloss das am Donnerstag aus. Vor einem Treffen mit Notenbankchef Carney sprach sich Hammond jedoch für entschlossene Schritte aus, um die Folgen des Referendums abzufedern. Auf die Hilfe der Bank of England muss er zumindest vorerst warten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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