Geldpolitik: Der EZB könnten die Anleihen ausgehen

Geldpolitik: Der EZB könnten die Anleihen ausgehen

, aktualisiert 15. Juni 2016, 17:39 Uhr
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Sein geldpolitischer Spielraum wird noch enger.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Der Rendite-Verfall bei Bundesanleihen könnte die Notenbank in Bedrängnis bringen: Bleibt es bei den niedrigen Erträgen, dürfte sie bald bei Anleihe-Käufen an die selbst auferlegten Grenzen stoßen.

FrankfurtDie Angst vor einem EU-Austritt der Briten erschüttert nicht nur die Märkte. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) muss zittern. Denn sollten die Briten für den Austritt stimmen, bringt das die Notenbank in Schwierigkeiten. Der Grund: Der EZB könnten bei ihrem umstrittenen Anleihe-Kaufprogramm wegen der selbst auferlegten Grenzen deutsche Staatsanleihen ausgehen.

Die Notenbank darf nur solche Titel kaufen, deren Rendite unterhalb des Einlagenzinses von minus 0,4 Prozent liegt. Da die Renditen der Bundesanleihen aktuell immer weiter sinken, dürften bald nur noch wenige deutsche Schuldtitel die EZB-Kriterien erfüllen.

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Nach Berechnungen der Schweizer Privatbank Pictet liegt inzwischen bei rund 50 Prozent aller deutschen Staatsanleihen die Rendite unter dem momentanen Einlagenzins von minus 0,4 Prozent. „Ohne Änderungen wird es spätestens im vierten Quartal schwer zu sehen sein, wo die Käufe von deutschen Bundesanleihen herkommen sollen“, sagte Jamie Searle von der Citibank.

Diese Gefahr sieht auch Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. „Ob die EZB bei Bundesanleihen an die Grenze stößt, hängt stark vom Brexit-Votum ab. Bei hoher Unsicherheit könnte das zum Problem werden“, sagt er.

Die EZB könnte darauf unterschiedlich reagieren. Eine Möglichkeit wäre, dass sie den Einlagenzins von aktuell minus 0,4 Prozent noch weiter senkt. Diese Strafgebühr müssen Banken zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken. Experten halten dies jedoch für unwahrscheinlich. Eine leichte Senkung würde nur wenig bringen. Ein deutlicher Schritt hingegen den labilen Bankensektor stärker belasten.


Andere Regeln möglich

Commerzbank-Ökonom Schubert rechnet eher damit, dass die Notenbank in diesem Fall ihre Regeln ändert. „Sollte es zu anhaltenden Engpässen kommen, könnte der EZB-Rat die Kriterien für die Anleihekäufe ändern.“ Denkbar wäre, dass dann auch Käufe von Anleihen zugelassen werden, deren Rendite unterhalb des Einlagenzinses liegt. Allerdings könnte das zu politischen Diskussionen führen. Die Käufe von Bundesanleihen tätigt die Bundesbank im Auftrag der EZB. Sie würde dann mit den Käufen Verluste machen.

Bei ihrem insgesamt auf 1,74 Billionen Euro angelegten Wertpapier-Kaufprogramm, mit dem die EZB die Konjunktur stützen und die Inflation anheizen will, entfällt der größte Teil auf Staatsanleihen. Bislang ist geplant, dass die Transaktionen erst Ende 2017 auslaufen.

Ihre regionale Gliederung erfolgt nach dem Anteil der jeweiligen Notenbanken am Eigenkapital der EZB. Deshalb kauft die Bundesbank beispielsweise deutlich mehr Titel als etwa die portugiesische Zentralbank.

Mit Material von Reuters

Quelle:  Handelsblatt Online
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