Geldpolitik: Draghi trifft die Freunde des lockeren Geldes

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KommentarGeldpolitik: Draghi trifft die Freunde des lockeren Geldes

von Angela Hennersdorf

Die Europäische Zentralbank lädt die internationale Geldpolitik zum Nachdenken nach Portugal. Die Gäste sind einseitig ausgewählt.

Einmal im Jahr pilgern Notenbanker und Top-Ökonomen in ein abgelegenes Tal im US-Bundesstaat Wyoming in den Rocky Mountains. Sie folgen dem Ruf der mächtigsten Zentralbank der Welt, der Federal Reserve. Die lädt jeden August zum „Gedankenaustausch“ ein. Jackson Hole gilt als Mekka der internationalen Geldelite, und manchmal wird dort auch Politik gemacht. Während der Finanzkrise etablierte die Fed dort eine Not-Kommandozentrale, wo der damalige Notenbankchef Ben Bernanke mit Regierungsvertretern und Wall-Street-Größen beriet, wie die Krise in den Griff zu kriegen sei.

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Was die Amerikaner können, das können wir schon lange, mag sich da wohl Mario Draghi gedacht haben. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und seine Mitstreiter im Frankfurter Eurotower laden vom 25. bis 27. Mai zum ersten europäischen „Notenbank-Retreat“ ein, und zwar in den Krisenstaat Portugal.

Das geldpolitische Get-together, zu dem rund 150 ausgewählte Gäste aus Wirtschaft und Politik geladen sind, soll nun jedes Jahr in der Touristenhochburg Sintra stattfinden. Die Portugiesen hatten die Ausschreibung für das Treffen gewonnen. Ort des ersten „intimen Treffens“, wie es bei der EZB heißt, ist das Penha Longa Resort, ein Luxushotel, in dem einst die königliche portugiesische Familie residierte.

Die EZB plant ein ganzes Bündel von geldpolitischen Lockerungen

Unter dem Motto „Geldpolitik in einer veränderten Finanzwelt“ darf dort IWF-Chefin Christine Lagarde die Keynote sprechen. Sie hat Draghi wiederholt aufgefordert, die Wirtschaft mit geldpolitischen Mitteln anzukurbeln. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem wird sich mit EU-Kommissionspräsident Barroso in einer „Sessel-Diskussion“ (so das Programm) präsentieren. Dann reist auch noch US-Nobelpreisträger Paul Krugman an, der gern für mehr Schulden und mehr Inflation trommelt – und genau darüber darf er in Sintra philosophieren.

Lagarde, Barroso und Krugman sind wahrlich keine Kritiker einer expansiven Geldpolitik, und auch sonst ist die Gästeliste ziemlich einseitig ausgewählt. Einzige Ausnahme: Auch Ex-EZB-Direktoriumsmitglied Otmar Issing darf mitdiskutieren – mit dem Notenbankchef von Mexiko.

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Kontroverse Debatten über den Kurs der EZB sind aber wohl auch nicht Zweck der Übung. Draghi bereitet seit Wochen den intellektuellen Boden für weitere geldpolitische Lockerungen vor. Bei der nächsten EZB-Sitzung am 5. Juni dürfte es ein ganzes Bündel von Maßnahmen geben. Der Leitzins von derzeit 0,25 Prozent könnte auf ein historisches Tief sinken, selbst negative Einlagenzinsen der EZB sind im Gespräch.

Für derart einschneidende Maßnahmen sucht man sich lieber vorher Verbündete – und im lockeren Ambiente eines Golf-Resorts geht das womöglich besser als von Frankfurt aus. Deutschland, so heißt es in Frankfurt, habe sich für die Ausrichtung des Treffens auch gar nicht erst beworben.

Das hat der EZB-Präsident von den Amerikanern gelernt: Die nutzen ihre Treffen weit weg von Washington und Wall Street seit Jahren, um ihre Strategie mit Freund und Feind beim gemeinsamen Fischen und Wandern festzuklopfen.

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