Geldpolitik: Ökonom De Grauwe: Querdenker mit Hang zur Provokation

Geldpolitik: Ökonom De Grauwe: Querdenker mit Hang zur Provokation

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Paul de Grauwe

von Silke Wettach

Der Keynesianer Paul De Grauwe zählt zu den führenden Geldtheoretikern Europas. Mit seiner Kritik an der modernen Makroökonomie fordert er seine Kollegen heraus.

Er nennt sich selbst einen Querdenker, und das trifft die Sache ziemlich gut. Der belgische Ökonom Paul De Grauwe schwimmt gerne gegen den Strom – und legt sich mit Vorliebe mit der Politik an. Mitten im belgischen Wahlkampf 2007 kritisierte er Premierminister Guy Verhofstadt, als der den Wählern eine umfangreiche Steuersenkung versprach. Verhofstadt hätte während seiner Amtszeit nichts dafür getan, die Steuern zu mindern. Das Pikante an der Attacke: Die beiden Flamen sind Parteifreunde, bis 2003 vertrat De Grauwe die liberale Partei VLD sogar im belgischen Parlament. Verhofstadt nahm dem Ökonomen die Kritik so übel, dass er sich erst zwei Jahre später mit ihm versöhnte.

Ein Kandidat für die EZB?

Dem 63-jährigen De Grauwe, Professor an der renommierten Katholischen Universität Löwen, reicht es nicht, zu lehren und sich auf Konferenzen kluge Gedanken zu machen – er will sich einmischen. Nach der Promotion an der Johns Hopkins University machte er sich zum Beispiel mit Artikeln zur Gemeinschaftswährung Euro einen Namen, die er in Top-Journals veröffentlichte.

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Sein Traum ist es seitdem, die Geldpolitik in der Europäischen Zentralbank (EZB) aktiv mitzugestalten. 2002 war er Kandidat der belgischen Regierung für den Posten des EZB-Vizepräsidenten, der Zuschlag ging jedoch an den Griechen Lucas Papademos. 2010, wenn dessen Amtszeit ausläuft, könnte De Grauwe seinen Hut erneut in den Ring werfen – auch wenn derzeit der Chef der luxemburgischen Zentralbank, Yves Mersch, als Favorit für das Amt gilt.

Warnung vor einer Abwärtsspirale

De Grauwe ist in der Ökonomenzunft nicht unumstritten. Er propagiert keynesianische Rezepte und warnt vor einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale, sollte der Staat stark auf Haushaltsdisziplin achten. Wenn Staat und Private sparen, so seine Argumentation, dann breche die private Nachfrage weg, was Insolvenzen und Arbeitslosigkeit zur Folge habe. „Die Regierungen können die Verschuldung reduzieren, wenn sich die Wirtschaft erholt und wieder wächst“, so sein Credo. Die deutsche Debatte über zu hohe Staatsschulden bezeichnet er als „allzu hysterische Diskussion“. Er betont: „Das Land kann sich die Schulden durchaus leisten, denn die wachsende Staatsschuld ist das Gegenstück zur abnehmenden privaten Verschuldung.“

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