Geschäftsklima: Wirtschaft steckt im Wechselbad

KommentarGeschäftsklima: Wirtschaft steckt im Wechselbad

Das Ifo-Geschäftsklima steigt überraschend deutlich – eine von vielen guten Nachrichten in diesen Tagen. Doch diese wechseln sich immer wieder mit schlechten ab. Der Weg aus dem Tal bleibt steinig. Ein Kommenatr von WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Fehr.

Deutsche Unternehmer werden optimistischer: Mit ihrer aktuellen Lage sind sie im Juli zufriedener als im Vormonat. Auch beim Blick ins kommende Jahr sinkt die Skepsis. "Es scheint, dass die Wirtschaft wieder Tritt fasst“, sagt Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts. Das Ifo-Geschäftsklima verzeichnet den vierten Anstieg in Folge.

Nach dem Anstieg des Geschäftsklimas für die gesamte gewerbliche Wirtschaft erwarten Ifo-Ökonomen ein Ende der Rezession: "Wir werden im dritten Quartal wieder eine positive Wachstumsrate haben", sagt Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Es werde aber nicht schnell, sondern nur langsam nach oben gehen. Gleichzeitig warnt Abberger vor der Gefahr einer Kreditklemme und steigender Arbeitslosigkeit. Für das gesamte Jahr wird Deutschlands Wirtschaft einen starken Einbruch erleben. Die Bundesregierung geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2009 um sechs Prozent schrumpft.

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Einzelhandel pessimistisch

Industrie, Großhandel und Bau melden einhellig eine Besserung ihrer Situation und positivere Zukunftsaussichten. Bei der Industrie weicht laut ifo auch die Skepsis gegenüber dem Auslandsgeschäft. Die Auslastung der Maschinen bleibt gegenüber dem Frühjahr stabil, liegt aber immer noch unter dem Durchschnitt. Daher plant das verarbeitende Gewerbe auch weiterhin, Beschäftigte zu entlassen. Doch bei den Einzelhändlern sinken die Geschäftserwartungen. Obwohl sie ihre aktuelle Lage besser als im Juni und fast als befriedigend beurteilen, trübt sich daher in ihrer Branche das Klima ein.

Die gemischten Signale sind typisch für die aktuelle Situation. Schon in den vergangenen Wochen mussten Firmen und Arbeitnehmer ein konjunkturelles Wechselbad über sich ergehen lassen: Mal überraschten Positivsignale wie der Auftragsanstieg in der Industrie, mal dämpften unerwartete Einbrüche wie der jüngste Rückgang des ZEW-Konjunkturindikators die Euphorie. „Wir sind in einer Stabilisierungsphase – da gibt es richtig gute Nachrichten, aber eben auch immer wieder schlechte“, sagt Kai Carstensen, Ifo-Konjunkturchef.

Zwar sprechen deutsche Verbände und Ökonomen jetzt von der Wende, doch gleichzeitig warnen sie vor kurzfristigen Rückschlägen. „Der massive Vertrauensschock verliert weltweit allmählich an Wirkung“, stellt etwa die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht fest. "Die Bodenbildung haben wir erreicht", sagt Wolfgang Franz, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Auch nach Ansicht von Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), löst sich die konjunkturelle Schockstarre. "Es wird aber keinen einheitlichen und gradlinigen Aufwärtspfad der gesamten Wirtschaft geben", sagt Driftmann.

Impulse aus China und Indien

Die Chancen, aus dem Tal zu kommen, werden von den deutschen Industrieunternehmen deshalb sehr unterschiedlich beurteilt. Vorsichtig optimistisch äußern sich Chemiefirmen: Die Mehrzahl erwartet laut einer Umfrage für die zweite Jahreshälfte eine leichte Belebung auf niedrigem Niveau. Die Zahlen aus 2007 wird die chemische Industrie aber noch nicht wieder erreichen. Auf das gesamte Jahr gesehen sinken stattdessen die Produktion um zehn und der Umsatz um zwölf Prozent.

Einzelne deutsche Maschinen- und Anlagenbauer konnten erstmals wieder größere Projekte in China und Indien unterzeichnen. Auch Autobauer hoffen auf stabilere Märkte – die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen stieg im Juni europaweit erstmals seit mehr als einem Jahr Talfahrt. Die Stahlkocher feuern zwar nach und nach ihre Hochöfen wieder an. Doch eine Trendwende ist nach Meinung des Vorstandsvorsitzenden des Stahlproduzenten Salzgitter, Wolfgang Leese, noch nicht abzulesen.

Im Verlauf der weiteren Wirtschaftsentwicklung werden sich auch weiter positive und negative Signale abwechseln. Selbst wenn einzelne Konjunkturindikatoren jetzt wieder nach oben zeigen und die Wende signalisieren – der Weg aus dem konjunkturellen Tal bleibt steinig und verläuft je nach Branche unterschiedlich schnell.

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