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GfK-Barometer : Wo bleibt das Konsumwunder?

von Mark Fehr

Die Stimmung der Verbraucher steigt auf ein Rekordhoch. Doch ihre Kauflust dürfte erst im kommenden Jahr in Fahrt kommen - wenn überhaupt. Ein Kommentar von Mark Fehr.

Mit einem Gutschein soll der Quelle: dpa
Mit einem Gutschein soll der Konsum angekurbelt werden Quelle: dpa

Glaubt man dem Frühindikator des Marktforschungsunternehmens GfK, stehen die Deutschen kurz vor einem Kaufrausch. Laut GfK-Konsumbarometer erwarten die Verbraucher, dass der konjunkturelle Aufwind in den kommenden Monaten anhält. Die meisten glauben an bessere Jobchancen und rechnen mit steigenden Löhnen und Gehältern. Bei privaten Haushalten steigt daher laut GfK die Bereitschaft, künftig mehr Geld für größere Anschaffungen auszugeben.

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Doch leisten sich die Konsumenten wirklich mehr? Ein Blick auf die tatsächlichen Ausgaben gibt eine ernüchternde Antwort: Der private Verbrauch dürfte in diesem Jahr nur vor sich hin dümpeln. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung etwa rechnet für 2010 mit einer Stagnation des Konsums. Auch die GfK revidierte angesichts des gestiegenen Verbraucherklimas ihre Konsumprognose für das Gesamtjahr lediglich auf ein Mini-Plus von einem halben Prozent.

Kaufrausch bleibt aus

Die Zahlen zeigen: Nicht der inländische Konsum treibt in diesem Jahr das kräftige gesamtwirtschaftliche Wachstum von voraussichtlich mehr als drei Prozent. Den Sommer-Boom verdanken wir stattdessen der starken Nachfrage auf den ungesättigten asiatischen Märkten.

Dort bestellen investitionsfreudige Unternehmen hemmungslos deutsche Maschinen, während die wachsende Mittelschicht für Luxusautos made in Germany schwärmt. Während der ersten Jahreshälfte 2010 verdreifachten sich allein die deutschen Autoexporte in die Volksrepublik China; Audi, Mercedes oder BMW profitierten. Der Heimatmarkt verlor dagegen für viele deutsche Fahrzeughersteller an Bedeutung – zum Teil als Spätfolge der Abwrackprämie.

Die Ausgaben der deutschen Verbraucher dürften erst im kommenden Jahr nennenswert steigen. Die Commerzbank rechnet 2011 mit einem Wachstum des privaten Konsums um 1,1 Prozent. Sensationell ist das nicht, aber immerhin eine doppelt so hohe Rate wie in diesem Jahr. Ungezügelte Kauflust sieht trotzdem anders aus.

Wie die zu wecken wäre, wissen nachfragegläubige Ökonomen scheinbar ganz genau: Mit kräftigen Lohnerhöhungen. Doch diese Droge wird keinen Konsumrausch auslösen. Die verwöhnten Verbraucher in wirtschaftlich weit entwickelten Industriestaaten wie Deutschland gehen nicht öfter einkaufen, wenn ihr verfügbares Einkommen steigt. Um sie zu begeistern, reichen weder Lebensmittelgutscheine noch kräftige Rabatte auf Fernseher, von denen jeder schon einen hat.

Die Gunst der Käufer lässt sich stattdessen nur mit zündenden Ideen gewinnen. Erst wenn Innovationen gelingen, steigt auch der Konsum – und der Umsatz der erfolgreichen Hersteller wächst. Die profitablen Unternehmen können ihren Mitarbeitern dann mehr zahlen. Doch ob und wofür diese ihr Gehaltsplus ausgeben, entscheidet der Einfallsreichtum der Anbieter.

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10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.09.2010, 00:15 UhrAnonymer Benutzer: Weltenbürger

    Langfristige betrachtung:

    Gehaltsunterschiede:
    Sie müssen sein, um preisliche Signalwirkung zu erzielen. Verträge und Regelungen, die unverschämt hohe Vergütungen zulassen, sollten aber noch viel mehr als „asozial“ gebrandmarkt werden. Warum dürfen meine Führungskräfte über meine Vergütung bescheid wissen, ich aber nicht über ihre? Wir lassen uns doch aus dem selben Topf bedienen! Solcherlei erweckt mein Misstrauen – und nicht nur meins. @ mein bedarf: Auch mein reales Nettogehalt ist in den letzten 15 Jahren in etwa um 15% geschrumpft.

    bewusstes Konsumieren:
    Ein Jeder möge sich fragen: Was benötige ich wirklich? Schnell wird man dahinter kommen, dass es vielleicht doch nicht die Luxuslimousine oder das 1- bis 2-malige Aufsuchen eines Fernreiseziels im Jahr sein muss. Wirtschaftliche Studien haben gezeigt, dass der Mensch durch sein soziales Umfeld ein länger anhaltendes Wohlgefühl erhält als durch die befriedigung von (unnötigen) Konsumwünschen. Nur leider soll unser Gehirn durch Marketing ja immer aufs Neue ausgetrickst werden. Eine nachhaltige ökologische Wende wird nur dann vollzogen werden, wenn ein Paradigmenwechsel hin zu „sinnvollem“ Konsum geschafft wird. Wir sollten unser Glück nicht zu sehr vom Geld abhängig machen.

  • 30.09.2010, 00:14 UhrAnonymer Benutzer: Weltenbürger

    Alles sehr interessante Kommentare.

    ich kann allen nur meine Zustimmung zum Ausdruck bringen.

    Wenn man das ganze etwas strukturiert, wäre vielleicht folgendes Vorgehen sinnvoll:

    kurzfristige betrachtung:
    Um die Konjunktur in Schwung zu halten, hätte die Regierung eigentlich deutliche Steuererhöhungen für höhere und hohe Einkommen beschließen müssen (siehe SPD-Konzept). Damit wären höhere Transferleistungen an die unteren Einkommensgruppen und reinen Transferleistungsempfänger möglich und gleichzeitig die staatliche Neuverschuldung gedrückt. beides wären für die derzeitig sehr fragile wirtschaftliche Lage und die Lage an den Finanzmärkten ein sehr positives Signal. bezieher niedrigerer Einkommen geben den allergrößten Teil ihres Geldes in den Konsum.

    Mindestlohn:
    Um das Lohnabstandsgebot aufrecht zu erhalten, sollte endlich ein vernünftiger Mindestlohn eingeführt werden. Menschen sollen von ihrer täglichen harten Arbeit auch ein Auskommen finden können.

  • 29.09.2010, 08:41 UhrAnonymer Benutzer: mein Bedarf

    3/4 aller Arbeitsplätze sind nicht im Exportsektor.

    Oder sind Arbeitnehmer anderswo in Europa denn soviel produktiver geworden als wir? Das ist eine Verteilungsfrage - denn das Geld ist ja erwirtschaftet worden und nur woanders gelandet, die Lohnquote ist ja gesunken. Wer den Niedriglohnsektor ausbaut senkt auch die Produktivität insgesamt ab. Würde man mehr in bildung investieren bestünde ja auch die Möglichkeit produktivitätsgerecht die Arbeitszeit zu verkürzen. Man kann die Menschen dann auch flexibler einsetzen durch Kompetenzerweiterung und neue Potentiale erschließen. Frankreich ist mit geringerer Arbeitszeit m.W. produktiver als wir. Dieser Produktivitätszuwachs ist ja auch der unterschlagene Faktor bei den Rentendiskussionen.

    "innovative Produkte" mag ja richtig sein, aber die gewerbliche Wirtschaft hat ja ein hohes Lohnniveau und ist dennoch konkurrenzfähig - um den binnenmarkt zu stabilisieren muss aber auch bei anderen mal der Lohn steigen. Sonst laufen uns irgendwann die Einwohner weg, in meinem bekanntenkreis passiert das bereits. Und ich rede hier auch von berufen,die im mittleren Segment sind.

    @bayer

    ist ja richtig, ökologischer Umbau (Mietsteigerung, Energiekostensteigerung) kostet auch Geld - umso schlimmer wirkt dann ja auch die Lohnzurückhaltung als negativer Effekt. Und so viele Sparen nun auch nicht fürs Alter - soviele Riesterverträge u.a. gibts nun auch wieder nicht. Und man kann auch Dienstleistungen nachfragen wie Handwerker oder Freizeitaktivitäten etc... nicht nur Konsumgüter. Ein solcher Umbau und Modernisierung geht wohl nur, wenn das Geld vorhanden ist oder etwa nicht - mit stagnierenden Löhnen gehts erst Recht nicht. Da treibt man viele höchstens in Finanznot.

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