GfK-Chef Wübbenhorst: "Grippe im Anflug"

GfK-Chef Wübbenhorst: "Grippe im Anflug"

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Das undatierte Foto zeigt den GfK Vorstandsvorsitzenden Klaus Wübbenhorst in einer Gesprächssituation. Die Verringerung der Arbeitslosigkeit ist nach Worten von Deutschlands oberstem Marktforscher die zentrale Voraussetzung für ein besseres Konsumklima. «Wenn es nicht gelingt, die Erwerbslosigkeit zu reduzieren und die Angst vor drohender Arbeitslosigkeit zu beseitigen, besteht bei den Verbrauchern weiterhin eine gewaltige Hemmschwelle für größere Anschaffungen», sagte der Vorstandschef des größten deutschen Marktforschungsinstituts GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) in einem dpa-Gespräch in Nürnberg. Foto: Erich Malter dpa

von Mark Fehr

Der scheidende GfK-Chef Klaus Wübbenhorst über das neue Bild vom Verbraucher und Wolken am Konjunkturhimmel.

WirtschaftsWoche: Herr Wübbenhorst, kümmern Sie sich demnächst um die Erhebung von Fußballdaten und Torstatistiken statt um Konsumklima und Verbrauchervertrauen?

Wübbenhorst : Als Fan und Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg verfolge ich zwar viele Spiele der Mannschaft, aber damit kann ich der Mannschaft nicht wirklich helfen.

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Was machen Sie dann? In der vergangenen Woche hat der GfK-Aufsichtsrat den IBM-Manager Matthias Hartmann als Ihren Nachfolger benannt. Er soll spätestens zum Jahreswechsel den Chefposten übernehmen, also ein halbes Jahr vor dem Ende Ihres Vertrages. 

Wübbenhorst: Bereits im Februar habe ich gesagt, dass ich aus persönlichen Gründen nicht verlängern möchte. Seither war allen Beteiligten klar, dass der Aufsichtsrat mit Hochdruck einen neuen Vorstandschef suchen und nicht bis zu meinem Vertragsende Mitte 2012 warten kann. Was ich ab dem kommenden Jahr mache, werde ich noch rechtzeitig mitteilen. Nur so viel: Vorstand in Sachen Fußball, Politik und Marktforschung scheiden aus.

Einem Vollblut-Marktforscher wie Ihnen dürfte der Abschied schwer fallen. Wie hat sich ihr Bild vom Verbraucher in zwei Jahrzehnten bei der GfK gewandelt?

Wübbenhorst: Früher waren die Konsumenten berechenbarer, die Redewendung vom Otto-Normalverbraucher passte auf viele Haushalte und war mehr als ein Klischee. Der Durchschnittsdeutsche fuhr einen Volkswagen, reiste nach Österreich oder Italien in den Urlaub, war bei der Allianz versichert und aß sonntags Schweinebraten. Entsprechend einfach waren Marktforschung und Werbung gestrickt.

Und heute? 
Ist es nicht mehr so trivial. Wir sprechen gerne vom multioptionalen Konsumenten. Er ist schwerer zu greifen, kommuniziert über das Internet, bildet sich seine eigene Meinung und ist vielleicht auch nicht mehr ganz so preisfixiert wie früher. Die Lebensstile und Produktwelten haben sich zudem immer stärker ausdifferenziert. Als ich zur Schule ging gab es ein Paar Turnschuhe für alle Lebenslagen. Heute gibt es spezielle Modelle für Wanderer und Walker, es gibt z.B. Sportschuhe für Läufer, Radfahrer, Golfer und Tennisspieler. Und diese Auffächerung gibt es für ganz viele Bereiche im Leben.

Mit welchen neuen Methoden rücken sie den unberechenbaren Konsumenten von heute auf den Leib? 
Wübbenhorst: Der rasante Fortschritt in der Datenverarbeitung hilft, die Komplexität zu bewältigen. Ganz neue Einblicke in das Verhalten der Verbraucher eröffnet das Internet – der Suchmaschinenbetreiber Google ist daher einer unserer besten Kunden. Über die GfK-Haushaltspanels können wir gleichzeitig ermitteln, welche Seiten die Verbraucher im Netz besuchen und welche Produkte sie bevorzugen. So lässt sich auch feststellen, wie Internetwerbung wirkt.

Aber Google erhebt auch eigene Daten über die Internetnutzer und soziale Netzwerke wie Facebook verfolgen jeden Klick ihrer Mitglieder. Was können traditionelle Marktforscher wie die GfK überhaupt noch, was Google, Facebook & Co. nicht können?

Wübbenhorst: Als Marktforscher sind wir in der Lage, die Online-Welt mit der Offline-Welt zu verbinden. Wir gewinnen unsere Daten eben nicht nur aus dem Netz, sondern auch direkt bei den Verbrauchern und beim Handel. Wenn jemand im Netz eine Werbung betrachtet und anschließend in den Supermarkt geht, können wir das erfassen – Internetfirmen können das nicht. Diese Kompetenz spielen wir auch global aus, da wir wissen, welche kulturellen Unterschiede und Vorlieben die Verbraucher etwa in Japan oder Dänemark haben.

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