GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl: "Am Urlaub sparen die Deutschen zuletzt"

GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl: "Am Urlaub sparen die Deutschen zuletzt"

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Rolf Bürkl, 54, ist Ökonom und Konsumexperte des Marktforschungsunternehmens Gfk in Nürnberg

von Bert Losse

Das Konsumklima in Deutschland hat sich eingetrübt. Schuld sind vor allem die wachsenden Risiken für die Weltwirtschaft. Trotzdem wird keine neue Geizwelle durchs Land schwappen, sagt GfK-Ökonom Rolf Bürkl.

WirtschaftsWoche: Herr Bürkl, die Verbraucher sollen in diesem Jahr ein zentraler Wachstumsmotor in Deutschland werden. Jetzt aber hat sich das Konsumklima erstmals seit vielen Monaten eingetrübt. Ist das eine temporäre Delle - oder ein Wendepunkt nach unten?

Rolf Bürkl: Ich sehe es momentan noch als Delle. Das Konsumklima bleibt ja trotz des aktuellen Rückgangs auf einem hohen Niveau. Die Rahmenbedingungen für den Konsum in Deutschland sind nach wie vor gut. Der Arbeitsmarkt befindet sich in hervorragender Verfassung. Die Löhne steigen, während die Inflation auf extrem niedrigen Niveau verharrt. Das steigert die Kaufkraft. Richtig ist aber, dass sich die Stimmungsindikatoren eintrüben. Man könnte sagen: Bei den Konsumenten kommt erste Unruhe auf. Die Anschaffungsneigung der Bürger geht bereits seit drei Monaten zurück.

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Woran liegt das?

Die Konjunkturerwartungen der Bürger werden vor allem von den Medien geprägt. Und hier häufen sich aktuell die Meldungen über Probleme der Weltwirtschaft. Der aktuelle Besuch von Angela Merkel in Brasilien hat vielen speziell die Problem der Schwellenländer bewusst gemacht. Hinzu kommt die Dauerkrise in Griechenland, die derzeit wacklige Lage an den Börsen und die Wachstumsprobleme Chinas. Das tangiert die Exportaussichten der deutschen Wirtschaft. Da mag sich bei manchen Arbeitnehmern wieder leise Angst um den eigenen Arbeitsplatz einschleichen, die ja zuletzt fast völlig verschwunden war. Die Verbraucher registrieren auch deutlich die vielen geopolitischen Krisenherde in der Welt, den Krieg in der Ukraine etwa oder die explosive Lage im Nahen Osten.

Glauben Sie ernsthaft, der IS-Terror im Irak hat Einfluss darauf, ob in Deutschland jemand eine neue Küche kauft?

Natürlich nicht unmittelbar. Aber bekanntlich ist in der Wirtschaft 50 Prozent Psychologie. Eine Ballung von politischen und ökonomischen Negativmeldungen führt bei vielen unterschwellig zu einer Unsicherheit, ob man sein Geld nicht lieber beisammen halten soll.

Wenn es enger im Portemonnaie wird: Wo sparen die Deutschen zuerst - und wo zuletzt?

Erfahrungsgemäß sparen die Bürger zunächst bei größeren Anschaffungen. Die neue Schrankwand oder das neue Auto müssen dann eben noch ein Jahr warten - vor allem, wenn diese Käufe über Kredit finanziert werden. Sobald ihre Planungssicherheit sinkt, etwa durch eine schwächere Konjunktur oder eingetrübte Arbeitsmarktlage, passen die Menschen ihr Konsumverhalten an. Zuletzt sparen die Leute am Urlaub. Ihr Reisepläne schränken die Deutschen erstaunlicherweise auch in schwierigen Zeiten nicht gleich oder zumindest nur wenig ein.

GfK-Konsumklima Konsumklima in Deutschland gibt leicht nach

Die Kauflaune der Deutschen hat sich angesichts steigender Konjunkturrisiken eingetrübt. Das Barometer für das Konsumklima im September fällt auf den niedrigsten Wert seit einem halben Jahr.

Konsum Quelle: dpa

Inwieweit kurbelt die niedrige Inflation den Konsum an?

Das ist ebenso wie die niedrigen Benzin- und Heizölpreise ein wichtiger Faktor - auch weil die Alternative des Sparens derzeit angesichts der Niedrigzinsen nicht lukrativ ist. Die Deutschen sind eher risikoscheu und nicht gewillt, bei der Geldanlage um einer höheren Rendite willen höhere Risiken einzugehen. Das gilt auch für den Aktienkauf. Da geben viele das Geld lieber aus.

Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung der Konsum 2015 im Vergleich zum Vorjahr entwickeln?

Bisher gingen wir von einem Zuwachs von 1,5 Prozent aus. Ich war zuletzt versucht, die Prognose anzuheben, doch nach den neuen Konsumklima-Daten werden wir erst einmal abwarten. Es bleibt dabei: Der private Konsum wird 2015 eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur sein.

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