GfK-Marktforscher: Die Verbraucher sind in Kauflaune

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GfK-Marktforscher: Die Verbraucher sind in Kauflaune

Die Stimmung der europäischen Verbraucher hat sich zum Jahresende wieder etwas aufgehellt: Nach der Verunsicherung durch zahlreiche internationale Krisen dominiert wieder der Optimismus.

Wegen der niedrigeren Preise für Benzin und Heizöl werden die Deutschen nach Ansicht der GfK-Marktforscher 2015 für andere Dinge spürbar mehr Geld ausgeben. Der private Konsum werde insgesamt real um 1,5 Prozent wachsen, prognostizieren die Nürnberger.

"Die Verbraucher sind in Kauflaune und werden es vermutlich auch in den kommenden Monaten bleiben", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Die Sparneigung sei dagegen angesichts von Mini-Zinsen auf einem historischen Tiefstand. "Wer nach den täglich notwendigen Ausgaben noch Geld zur Verfügung hat, wird dies weiterhin nicht auf die Bank bringen, sondern ausgeben", ergänzte GfK-Vorstandschef Matthias Hartmann. Der private Konsum werde in Deutschland wie in ganz Europa die Konjunktur deutlich stützen.
Für die gesamte Europäische Union rechnet die GfK mit einem Anstieg der privaten Ausgaben zwischen 1,0 und 1,5 Prozent in diesem Jahr. Mit dem erwarteten Plus von 1,5 Prozent dürften die Ausgaben der Haushalte in Deutschland genauso stark steigen wie das Bruttoinlandsprodukt.

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Nach einem guten Auftakt 2014 habe ab Sommer die Verunsicherung der Verbraucher wieder stark zugenommen, weil Krisen und Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten Sorgen bereiteten. Hartmann erläuterte, inzwischen habe sich die Wirtschaft in der EU aber erholt, und in vielen Ländern habe die Trendwende am Arbeitsmarkt eingesetzt. Damit steige die Chance auf höhere Einkommen.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Bürkl erläuterte, in Deutschland werde der Mindestlohn "zumindest kurzfristig" die Kauflaune positiv beeinflussen. Derzeit sind die Verbraucher in so guter Shopping-Stimmung wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. Der GfK-Index für das Konsumklima im Februar stieg zuletzt auf 9,3 Punkte.

Ihr Geld geben die Deutschen laut GfK am liebsten für Häuser und Eigentumswohnungen aus. Die Verbraucher bauten "ihre Festung, ihre Burg" weiter aus, sagte GfK-Experte Wolfgang Adlwarth. Dabei handele es sich nicht um kleine Vorhaben wie Streichen oder Tapezieren, sondern um aufwendige Aktionen wie die Renovierung oder Erneuerung von Heizung, Bad, Dach oder Fassade. Auch für Reisen werde mehr ausgegeben. Viele Verbraucher handelten nach dem Motto: "Dann lasse ich es heute krachen, wenn ich sowieso nichts für das Geld auf der Bank bekomme."
Der Einzelhandel, bei dem ein knappes Drittel der privaten Ausgaben hängenbleibt, dürfte nach Ansicht der GfK von dem erwarteten Plus 2015 nur wenig profitieren. Während das Geschäft mit elektrischen Geräten aller Art zuletzt zulegte, schrumpfte der Absatz von Textilien wegen des Wetters.

Für dieses Jahr wird im sogenannten Nonfood-Einzelhandel ein Zuwachs von 1,3 Prozent erwartet. Im Geschäft mit Lebensmitteln und Drogerieartikeln rechnen die Marktforscher hingegen nur mit einem Plus von 0,5 Prozent. Hier schlage sich nieder, dass die Verbraucher im Schnitt immer älter werden, weniger und gezielter einkaufen. Zudem essen die Deutschen immer mehr außer Haus.

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Die Einzelhändler in der Euro-Zone konnten derweil im Dezember von der Kauflaune der Konsumenten profitieren. Sie fuhren mit 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat das größte Umsatzplus seit fast acht Jahren ein. GfK-Experte Adlwarth führte aus, die Konsumenten in Deutschland achteten zunehmend auf Qualität.

Die 2009 gestartete "Renaissance des Supermarktes" gehe weiter. Die Discounter verbuchten demnach 2014 "zum ersten Mal seit vielen Jahren" ein Umsatzminus. Trotz eines Rückgangs um 1,3 Prozent kamen sie aber noch immer auf einen Anteil von 43 Prozent, während auf die als Vollsortimenter bezeichneten klassischen Supermärkte 26,6 Prozent aller Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel entfielen.

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