GfK-Prognose: Die Krise wird für die Verbraucher konkret

GfK-Prognose: Die Krise wird für die Verbraucher konkret

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GfK-Chef Klaus Wübbenhorst

In diesem Jahr kommt die Rezession so richtig bei den Verbrauchern an, warnt die Gesellschaft für Konsumforschung. Hier die Gründe, warum wir jetzt nicht mehr angstfrei einkaufen gehen.

Klaus Wübbenhorst streicht sein Sakko glatt und schmunzelt. „Ich habe nicht zugelegt“, stellt der asketische und hoch gewachsene Mann zufrieden fest. Tatsächlich hat er seine beneidenswert schlanke Linie behalten – der deutsche Konsum dagegen nahm im vergangenen Jahr leicht zu. Wübbenhorst ist Chef der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Er erklärt heute, wie sich die Haushalte durch das Krisenjahr 2009 geschlagen haben - und was ihnen jetzt blüht.

Zwar stieg der private Verbrauch im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent, doch 2010 wird der Konsum nach Einschätzung der GfK-Experten vor sich hin dümpeln. Wenn die Prognose stimmt, müssen sich zahlreiche Einzelhändler und Hersteller von Verbrauchswaren warm anziehen. Für 2009 jedenfalls lag die GfK mit ihrer Schätzung von einem halben Prozent Konsumwachstum sehr nahe an ihrem nun veröffentlichten Wert.

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„Die GfK erwartet im Jahr 2010 eine Stagnation beim Konsum der privaten Haushalte, aber keinen Rückgang“, sagt der Vorstandsvorsitzende Wübbenhorst. Hauptgrund ist die Angst vor Arbeitslosigkeit, die sich bei vielen Verbrauchern breit macht. Die Zahl der Haushalte, die direkt unter der Wirtschaftskrise leiden, steigt 2010 deutlich auf 27 Prozent. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 23 Prozent.

Weniger Geld für Konsum

Einkaufswagen in einem Quelle: dpa

Einkaufswagen in einem Supermarkt

Bild: dpa

Nach Angaben der GfK müssen in diesem Jahr 1,5 Millionen mehr Haushalte als zuvor in konkreter Angst um den Arbeitsplatz leben. GfK-Forscher Wolfgang Twardawa erklärt, was das für die Gruppe der Krisenbetroffenen bedeutet: Es reiche, wenn die Waschmaschine kaputt gehe, um eine ganze Familie in finanzielle Schwierigkeiten zu stürzen.

Nicht nur, wer den Job verliert, traut sich seltener in Supermärkte und Innenstädte. Allein die Furcht vor Entlassungen wirkt wie ein Hebel, der selbst potenzielle Kunden bremst, die noch eine Stelle haben. „Arbeitslosigkeit und die konkrete Angst davor ändern das Verhalten der Verbraucher deutlich“, sagt GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Nahrung oder Kleidung werden die betroffenen Haushalte ihren Konsum daher um zehn Prozent reduzieren. Für billige Handelsmarken dürfte das einen Aufschwung bedeuten.

Was aber ist mit dem trotz Krise bis vor einiger Zeit noch bestgelaunten Verbraucher passiert, der im vergangenen Sommer mit einem nie gekannten Stimmungshoch nicht nur bei Konsumforschern für Erstaunen sorgte? Er hat jetzt offenbar gemerkt, dass sich die Rezession langsam aber sicher bis zu ihm nach Hause durchfrisst.

Gastronomen leiden, Baumärkte profitieren

Während 2009 Konjunkturpakete, Abwrackprämie, Kurzarbeit und rekordverdächtig niedrige Verbraucherpreise noch die gröbsten Konsumeinbrüche verhinderten, macht sich nun Ernüchterung breit. Familien ziehen sich zurück ins traute Heim, wo sie bei Wärme und Gemütlichkeit eine Auszeit von der Krise suchen. Imme mehr Verbraucher fliehen daher in die Wohnzimmer oder verschanzen sich hinter Gartenzäunen.

Den Rückgang des Außer-Haus-Konsums merken die Gastronomen am deutlichsten - die Kneipenbesucher bleiben daheim. Positiv bemerkbar macht sich das „Homing“ dagegen für Baumärkte und Hersteller von Heimelektronik.

Allerdings wir es auch 2010 eine große Gruppe von krisenresistenten Verbrauchern geben, die ihre Konsumgewohnheiten kaum einschränken müssen. Ihre Zahl sinkt in diesem Jahr zwar leicht auf 46 Prozent, allerdings dürfte ihr Konsum durch zunehmende günstige Angebote noch befeuert werden. Bei den krisenresistenten Verbrauchern steigen nach Einschätzung der GfK sogar die Ansprüche. Sie erwarten von den Herstellern mehr Nachhaltigkeit, Fairness und Qualität.

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