Globalisierung: Chinesische Chefs schwärmen für Deutschland

Globalisierung: Chinesische Chefs schwärmen für Deutschland

von Mark Fehr

Der Standort Deutschland erhält Bestnoten von chinesischen Managern. Die Skepsis der deutschen Politik und Industrie gegenüber Investoren aus dem Reich der Mitte lässt nach.

Während die deutsche Exportwirtschaft vor einer Abschwächung der Konjunktur im Riesenmarkt China zittert, planen immer mehr Unternehmen aus dem Reich der Mitte Transaktionen in Übersee. Dabei steht Deutschland aus Sicht chinesischer Manager als Standort für Auslandsinvestitionen ganz oben auf der Wunschliste. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 400 Unternehmen aus China.

Erstes Anklopfen aus China

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Die Haltung deutscher Firmen und Arbeitnehmer gegenüber den Käufern aus Fernost war lange Zeit von Skepsis geprägt. Sie fürchteten, dass chinesische Investoren allein am Erwerb von Know-how und Patenten interessiert seien und die Produktion nach der Übernahme an asiatische Billigstandorte verschieben würden. Doch das Bild wandelt sich.

So bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler es kürzlich als ein Vorurteil, dass chinesische Investitionen hierzulande schädlich seien. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagte der Minister vor Vertretern des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Der APA-Vorsitzende Peter Löscher, Chef des Technologiekonzerns Siemens, sprach sich dabei für einen offenen deutschen Markt aus. Die Investitionen aus China stünden in Deutschland noch ganz am Anfang. Laut Löscher gebe es keine „Invasion“, sondern eher ein erstes „Anklopfen“.

Globalisierung Deutschland tickt nicht global genug

Der Euro stürzt ab, der Westen versinkt in Schulden und Asien dominiert mehr und mehr die Weltmärkte. Die Wirtschaft nimmt den Aufsteiger ernst, die Politik nicht. Ein Fehler mit fatalen Folgen.

Containerhafen, Made in Shanghai-Etikette, Fabrikarbeiterinnen in China Quelle: dpa

Tatsächlich haben chinesische Unternehmen zwischen 2005 und 2010 lediglich etwa eine Milliarde Euro Direktinvestitionen in Deutschland getätigt. Dagegen hat die deutsche Wirtschaft im gleichen Zeitraum etwa das Zwanzigfache in China investiert. Aus Sicht der trotz Konjunktursorgen immer noch boomenden chinesischen Industrie besteht also Nachholbedarf bei Investitionen in Deutschland. Rollt nun eine Übernahmewelle aus China auf deutsche Firmen zu?

„In Zukunft werden mehr chinesische Unternehmen bei Transaktionen im Ausland – insbesondere in Deutschland – erfolgreich sein“, sagt Alexander Kron, Leiter der Transaktionsberatung für die deutschsprachigen Märkte bei Ernst & Young. Neun Prozent der von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft befragten chinesischen Unternehmen wollen in Deutschland auf dem Weg von Unternehmenskäufen investieren, weitere 56 Prozent suchen die Kooperation im Rahmen eines Joint Ventures. Laut Ernst & Young sei aber damit zu rechnen, dass ein großer Teil dieser Joint Ventures in mehrheitliche Übernahmen münden werde. „Chinesische Manager vermeiden die in ihrer Muttersprache aggressiv klingende Vokabel der Übernahme und sprechen auch beim Kauf von Mehrheitsanteilen lieber von einer Kooperation“, sagt Yi Sun, die bei Ernst & Young Unternehmen aus China beim Engagement in Deutschland, Österreich und der Schweiz berät.

Erfolg durch Diplomatie

Die Käufer aus Fernost sind sich der Vorbehalte in der deutschen Öffentlichkeit bewusst und treten daher im Transaktionsprozess betont diplomatisch auf. Mit dieser Politik der leisen Töne schaffte es der Baumaschinenhersteller Sany, die skeptische Belegschaft des kürzlich übernommenen deutschen Konkurrenten Putzmeister auf seine Seite zu ziehen. Auch das Putzmeister-Management schwärmte in höchsten Tönen von den neuen Eigentümern.

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Absatzmärkte im Visier

Die geschickte PR kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Chinas Unternehmen beim Engagement in Deutschland handfeste eigene Interessen verfolgen. Doch die Investoren zielen nicht auf eine Ausplünderung des deutschen Mittelstandes ab. Zumindest nicht laut Ernst & Young-Umfrage. Danach wollen die Chinesen durch Übernahmen in Deutschland vor allem Absatzmärkte erschließen. Im Visier haben sie dabei nicht nur deutsche Kunden, sondern vor allem ihren riesigen Heimatmarkt, auf dem in Deutschland hergestellte Produkte reißenden Absatz finden. „Made in Germany ist ein Qualitätsmerkmal für chinesische Konsumenten“, sagt Ernst & Young-Partnerin Yi Sun.

Besonders erstaunt, wie gut der in der Vergangenheit viel gescholtene Standort Deutschland in den Augen der Chefs aus der Volksrepublik abschneidet. Nach dem Heimatland China rangiert Deutschland laut Umfrage mit rund 30 Prozent der Nennungen gemeinsam mit den USA auf dem zweiten Platz der attraktivsten Investitionsstandorte weltweit. Hierzulande sind die Bedingungen für die Errichtung einer Firmenzentrale sowie für Forschung und Entwicklung aus chinesischer Sicht die günstigsten in Europa.

Sogar als Produktionsstätte erobert Deutschland den europäischen Spitzenplatz, noch weit vor dem Billiglohnland Polen. Selbst in seiner Rolle als Logistikzentrum schneidet Deutschland besser ab als die Handelsnation Holland.

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