Bild: dpa/dpawebIndien und Türkei
Jeweils 25 Projekte indischer und türkischer Investoren zählten die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Bundesländer im Jahr 2011 in Deutschland. Bei 73 Prozent aller Projekte handelte es sich um Neuansiedlungen, teilt die Gesellschaft für Außenwirtschaft Germany Trade & Invest mit. Insgesamt registrierten die Länder 827 Ansiedlungsprojekte aus dem Ausland - im Vergleich zu 2010 ist das ein Plus von 13 Prozent. Die Gesellschaft berät ausländische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausdehnen wollen.
Bild: dpaÖsterreich
Mit 31 Projekten liegt Nachbarland Österreich auf dem 9. Platz der Auslandsinvestoren. "Europa ist ein riesengroßer Markt, die Investoren suchen sich hier den sichersten und größten Standort aus - und das ist Deutschland“, begründet Michael Pfeiffer von der Gesellschaft Germany Trade & Invest das wachsende Interesse. Steuersenkungen und vergleichsweise schwach steigende Lohnnebenkosten begünstigten diesen Trend noch. Allerdings werde weniger in Produktion, Forschung und Entwicklung investiert.
Bild: REUTERSJapan
Japan gehört mit 34 Projekten zu den wichtigsten zehn Ländern, die in Deutschland investiert sind. 34 Projekte meldeten die Bundesländer im vergangenen Kalenderjahr.
Zielbranche Nummer 1, wenn es um Direktinvestitionen geht, ist die Kfz-Branche (auch Zulieferer und Kfz-Teile) und der Maschinenbau mit 21 Prozent aller Projekte. 13 Prozent der Investitionen flossen im vergangenen Jahr in die Informations- und Kommunikationstechnologien beziehungsweise in die Software-Branche.
Bild: dpaRussland
Auf Platz 7 der ausländischen Investoren befindet sich Russland. 34 Projekte russischer Investoren zählte Deutschland im vergangenen Jahr. Aber auch anders herum fließen die Gelder. So hat beispielsweise Siemens angekündigt, in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro in Russland zu investieren. in Beispiel: Lösungen für städtische Infrastrukturen. Rund 700 Millionen Euro sollen in den Zukunftsmarkt Energie fließen.
Bild: dpaGroßbritannien
Immer wieder hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem britischen Premierminister David Cameron über die Bekämpfung der Euro-Krise und eine mögliche Finanztransaktionssteuer gesprochen. Doch Großbritannien hat auch andere Interessen als Gespräche über europäische Belange. 43 Projekte haben britische Investoren 2011 in Deutschland verwirklicht und damit kräftig in die deutsche Wirtschaft investiert..
Bild: dpa/dpawebNiederlande
Mit 44 Projekten liegen die Niederlande auf Platz 5 der ausländischen Investoren in Deutschland. Wie eine Auswertung der Daten der einzelnen Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Bundesländer zeigt, investieren ausländische Unternehmen hierzulande hauptsächlich in die Bereiche Maschinenbau (21%), Software (13%), Unternehmens- und Finanzdienstleistung (11%).
Bild: dpaFrankreich
Bekannterweise kommen der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gut miteinander aus. Aber auch als Investitionsstandort scheinen Sarkozys Landsmänner Deutschland zu mögen. 53 Projekte wurden im vergangenen Jahr von französischen Investoren hierzulande realisiert.
Bild: dpaSchweiz
91 Projekte auf deutschem Boden - so sieht die Investitionsbilanz der Schweizer in Deutschland aus. Die meisten Ausländer investierten in ihre Vertriebsstrukturen oder bauten in Deutschland ihre Vertriebszentrale auf, so eine DIHK-Umfrage. Diese Zentralen entstünden häufig in Berlin, während Fabriken hauptsächlich in Ostdeutschland entstünden. Der Schweizer Konzern Nestlé etwa produziert Kaffeepads für Nordeuropa nun in Mecklenburg-Vorpommern.
Bild: dpaUSA
Auf Platz 2 der ausländischen Investoren in Deutschland kommen die USA mit 110 realisierten Projekten, die bis vor zwei Jahren noch die Rangliste anführten.
Aus Sicht der US-Investoren habe Deutschland in der Wirtschaftskrise "vorbildlich reagiert" und habe so seine Standortattraktivität erneut deutlich verbessern können, erklärte beispielsweise auch die Agentur Boston Consulting für das Jahr 2010. Für die Umfrage wurden Anfang 2011 107 US-Firmen mit einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 120 Milliarden Euro und mehr als 320.000 Arbeitsplätzen an deutschen Standorten befragt.
Bild: dapdChina
Schlüsselt man die Investoren nach Ländern auf, ist China mit 158 Projekten die Nummer 1 - das Land baut also seine Position als wichtigster Investor in Deutschland aus. Das aktuellste Beispiel für ein finanzielles Engagement eines chinesischen Unternehmens in Deutschland ist die Übernahme des weltgrößten Türschloss-Herstellers Kiekert aus Heiligenhaus bei Düsseldorf.
Kiekert, der Erfinder der Zentralverriegelung für Autotüren, gehört seit gut fünf Jahren drei Finanzinvestoren, die sich in die Kredite eingekauft und damit die Private-Equity-Firma Permira hinausgedrängt hatten. China hat sich den Kauf von Unternehmen und Technologien in Europa zum großen Ziel gesetzt. Zu den strategischen Branchen, in die investiert werden soll, gehören die Auto-Industrie und der Maschinenbau. Hatten chinesische Käufer erst nur Sanierungsfälle wie beispielsweise Saargummi gekauft, greifen sie mittlerweile auch nach gesunden Unternehmen wie KSM Castings oder dem Betonpumpen-Hersteller Putzmeister.
Indien und Türkei
Jeweils 25 Projekte indischer und türkischer Investoren zählten die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Bundesländer im Jahr 2011 in Deutschland. Bei 73 Prozent aller Projekte handelte es sich um Neuansiedlungen, teilt die Gesellschaft für Außenwirtschaft Germany Trade & Invest mit. Insgesamt registrierten die Länder 827 Ansiedlungsprojekte aus dem Ausland - im Vergleich zu 2010 ist das ein Plus von 13 Prozent. Die Gesellschaft berät ausländische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausdehnen wollen.
Während die deutsche Exportwirtschaft vor einer Abschwächung der Konjunktur im Riesenmarkt China zittert, planen immer mehr Unternehmen aus dem Reich der Mitte Transaktionen in Übersee. Dabei steht Deutschland aus Sicht chinesischer Manager als Standort für Auslandsinvestitionen ganz oben auf der Wunschliste. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 400 Unternehmen aus China.
Erstes Anklopfen aus China
Die Haltung deutscher Firmen und Arbeitnehmer gegenüber den Käufern aus Fernost war lange Zeit von Skepsis geprägt. Sie fürchteten, dass chinesische Investoren allein am Erwerb von Know-how und Patenten interessiert seien und die Produktion nach der Übernahme an asiatische Billigstandorte verschieben würden. Doch das Bild wandelt sich.
So bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler es kürzlich als ein Vorurteil, dass chinesische Investitionen hierzulande schädlich seien. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagte der Minister vor Vertretern des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Der APA-Vorsitzende Peter Löscher, Chef des Technologiekonzerns Siemens, sprach sich dabei für einen offenen deutschen Markt aus. Die Investitionen aus China stünden in Deutschland noch ganz am Anfang. Laut Löscher gebe es keine „Invasion“, sondern eher ein erstes „Anklopfen“.
Tatsächlich haben chinesische Unternehmen zwischen 2005 und 2010 lediglich etwa eine Milliarde Euro Direktinvestitionen in Deutschland getätigt. Dagegen hat die deutsche Wirtschaft im gleichen Zeitraum etwa das Zwanzigfache in China investiert. Aus Sicht der trotz Konjunktursorgen immer noch boomenden chinesischen Industrie besteht also Nachholbedarf bei Investitionen in Deutschland. Rollt nun eine Übernahmewelle aus China auf deutsche Firmen zu?
„In Zukunft werden mehr chinesische Unternehmen bei Transaktionen im Ausland – insbesondere in Deutschland – erfolgreich sein“, sagt Alexander Kron, Leiter der Transaktionsberatung für die deutschsprachigen Märkte bei Ernst & Young. Neun Prozent der von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft befragten chinesischen Unternehmen wollen in Deutschland auf dem Weg von Unternehmenskäufen investieren, weitere 56 Prozent suchen die Kooperation im Rahmen eines Joint Ventures. Laut Ernst & Young sei aber damit zu rechnen, dass ein großer Teil dieser Joint Ventures in mehrheitliche Übernahmen münden werde. „Chinesische Manager vermeiden die in ihrer Muttersprache aggressiv klingende Vokabel der Übernahme und sprechen auch beim Kauf von Mehrheitsanteilen lieber von einer Kooperation“, sagt Yi Sun, die bei Ernst & Young Unternehmen aus China beim Engagement in Deutschland, Österreich und der Schweiz berät.
Erfolg durch Diplomatie
Die Käufer aus Fernost sind sich der Vorbehalte in der deutschen Öffentlichkeit bewusst und treten daher im Transaktionsprozess betont diplomatisch auf. Mit dieser Politik der leisen Töne schaffte es der Baumaschinenhersteller Sany, die skeptische Belegschaft des kürzlich übernommenen deutschen Konkurrenten Putzmeister auf seine Seite zu ziehen. Auch das Putzmeister-Management schwärmte in höchsten Tönen von den neuen Eigentümern.
Absatzmärkte im Visier
Die geschickte PR kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Chinas Unternehmen beim Engagement in Deutschland handfeste eigene Interessen verfolgen. Doch die Investoren zielen nicht auf eine Ausplünderung des deutschen Mittelstandes ab. Zumindest nicht laut Ernst & Young-Umfrage. Danach wollen die Chinesen durch Übernahmen in Deutschland vor allem Absatzmärkte erschließen. Im Visier haben sie dabei nicht nur deutsche Kunden, sondern vor allem ihren riesigen Heimatmarkt, auf dem in Deutschland hergestellte Produkte reißenden Absatz finden. „Made in Germany ist ein Qualitätsmerkmal für chinesische Konsumenten“, sagt Ernst & Young-Partnerin Yi Sun.
Besonders erstaunt, wie gut der in der Vergangenheit viel gescholtene Standort Deutschland in den Augen der Chefs aus der Volksrepublik abschneidet. Nach dem Heimatland China rangiert Deutschland laut Umfrage mit rund 30 Prozent der Nennungen gemeinsam mit den USA auf dem zweiten Platz der attraktivsten Investitionsstandorte weltweit. Hierzulande sind die Bedingungen für die Errichtung einer Firmenzentrale sowie für Forschung und Entwicklung aus chinesischer Sicht die günstigsten in Europa.
Sogar als Produktionsstätte erobert Deutschland den europäischen Spitzenplatz, noch weit vor dem Billiglohnland Polen. Selbst in seiner Rolle als Logistikzentrum schneidet Deutschland besser ab als die Handelsnation Holland.















