Griechenland: Die EZB ist nur noch ein Schrotthändler

KommentarGriechenland: Die EZB ist nur noch ein Schrotthändler

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Die EZB blockiert eine Umschuldung Griechenlands – und riskiert damit das Geld der Steuerzahler.

Im Frankfurter Eurotower dürften in den vergangenen Tagen die Korken geknallt haben. Denn die Impertinenz, mit der die obersten Währungshüter sich in den vergangenen Wochen gegen die in der deutschen Regierung um sich greifende Idee einer Umschuldung Griechenlands gestemmt haben, hat Früchte getragen. „Wenn Griechenland zahlungsunfähig würde, sagen manche, die sich mit dem Thema beschäftigen, könnten die Folgen katastrophaler werden als nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers“, erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vergangene Woche – und schloss sich damit der Argumentation von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark an. Ebenso wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Stark Front gemacht gegen einen Forderungsverzicht der Gläubiger und verlängerte Laufzeiten der Griechen-Kredite. Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank, drohte gar, die EZB werde im Falle einer Umschuldung die Anleihen des betreffenden Landes nicht mehr beleihen. Die EZB müsse eine „Grenze für die Geldpolitik“ ziehen, um nicht noch mehr Schrottpapiere auf die Bilanz zu nehmen, so Weidmann.

Verlorene Unschuld

Doch diese Grenze hat die EZB längst überschritten. Ihre Unschuld hat sie verloren, als sie sich auf Betreiben von Trichet – und gegen den Widerstand von Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber – zum Kauf von Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer entschloss. Einschließlich der Papiere aus Leihgeschäften mit den Geschäftsbanken steht die EZB mit rund 140 Milliarden Euro an Forderungen gegen Griechenland im Feuer. Käme es zu einem Forderungsverzicht der Gläubiger (Haircut), müsste die EZB ihre Griechen-Papiere abschreiben. Nach Berechnungen der Commerzbank hätte das im ungünstigsten Fall einen Verlust von 50 Milliarden Euro zur Folge. Das ist zwar viel Geld, doch könnte die EZB das verkraften. Denn der Verlust verteilt sich auf die nationalen Notenbanken, die ihn mit ihren Gewinnen verrechnen könnten. Einen verbleibenden Verlust könnten sie auf die nach-folgenden Jahren vortragen oder durch Auflösen ihrer Bewertungsrücklagen für ihre Goldbestände auffangen.

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Der wahre Grund für den Widerstand der EZB liegt deshalb nicht in den bilanziellen Belastungen, sondern im Imageverlust, den die Notenbank bei einer Umschuldung befürchtet. EZB-Chef Trichet ginge als der Präsident in die Geschichte ein, der die Notenbank in die roten Zahlen trieb. Um das zu verhindern, schürt die EZB diffuse Ängste vor einem Kollaps des Finanzsystems und treibt die Politiker dazu, immer neue Kredite nach Griechenland zu überweisen. Die EZB ist unter Trichet nicht nur zu einer Müllhalde für staatliche Schrottpapiere degeneriert, sie ist auch zum Großrisiko für die Steuerzahler geworden. Wenn der letztlich unvermeidbare Haircut in ein oder zwei Jahren kommt, werden nicht mehr die Banken, sondern die Steuerzahler als Hauptgläubiger Griechenlands rasiert.

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