Harvard-Ökonom Robert Barro: "Konjunkturprogramme sind politisch verantwortungslos" - Seite 2

Harvard-Ökonom Robert Barro: "Konjunkturprogramme sind politisch verantwortungslos"

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"Die Konjunkturprogramme sind ein großer Fehler, sie helfen der Wirtschaft nicht wirklich"

Bei einer Inflation würde das Quelle: AP
Bei einer Inflation würde das Geld rapide an Wert verlieren. Quelle: AP

Durch die Finanzkrise sind staatliche Eingriffe in die Wirtschaft wieder hoffähig geworden. Folgt auf die Jahrzehnte der Deregulierung jetzt ein Zeitalter der Re-Regulierung?

Was die USA betrifft, so steht die Regierung von Präsident Obama mit ihrer Neigung zu staatlichen Eingriffen links von der Bevölkerungsmehrheit.

Obamas Wahlsieg ist durch die Finanzkrise und die breite Unzufriedenheit der Bürger mit der Politik der Vorgänger-Regierung unter George W. Bush ermöglicht worden. Im Herbst dieses Jahres dürfte sich das Blatt bei den Wahlen zum Kongress bereits wieder wenden. Die Republikaner werden wohl kräftige Stimmenzuwächse erzielen. Deshalb macht Obama so viel Druck, seine Pläne im Gesundheitsbereich vor den Wahlen durchs Parlament zu bringen.

Wie groß ist die Gefahr, dass es zum Bankrott eines Industrielandes, etwa von Griechenland, kommt?

Griechenland könnte eine schwere Belastung für die Europäische Währungsunion werden. Es ist nicht auszuschließen, dass andere Länder Griechenland zu Hilfe eilen werden und einen Teil der Schulden übernehmen. Das wäre ein Desaster, fast noch schlimmer als die Finanzkrise. Denn ein solcher Bail-out würde das Standing der Länder, die bisher über eine hohe Bonität verfügen, nachhaltig verschlechtern.

Viele Bürger fürchten, die Liquiditätsspritzen der Notenbanken könnten die Inflation in die Höhe treiben...

...was nicht unberechtigt ist. Ein Blick auf die Finanzmärkte zeigt, dass die Investoren kurzfristig zwar mit niedriger Inflation rechnen. Mittelfristig jedoch liegen die Inflationserwartungen deutlich höher.

"Inflation ist nichts anderes als eine Steuer auf die Kaufkraft der Bürger und Unternehmen"

Trauen die Investoren den Zentralbanken nicht zu, die Liquidität rechtzeitig abzusaugen?

Es würde an ein Wunder grenzen, wenn den Zentralbanken ein rechtzeitiger Ausstieg gelänge. Die Notenbanken stehen vor der großen Herausforderung, die Liquidität abzusaugen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Die Überlegungen der Fed, den Geschäftsbanken verzinsliche Termineinlagen anzubieten, auf denen sie das Zentralbankgeld einzahlen können, statt es für Kredite zu verwenden, zeigt das ganze Dilemma. Auf der einen Seite will die Fed die Liquidität noch im Bankensystem belassen, auf der anderen Seite inflationären Prozessen vorbeugen.

Den Politikern würde mehr Inflation doch willkommen sein - da sie die Schulden des Staates entwertet.

Das ist zu kurz gedacht. Inflation ist nichts anderes als eine Steuer auf die Kaufkraft der Bürger und Unternehmen. Sie bringt größere Verwerfungen mit sich als eine steigende Einkommen- oder Mehrwertsteuer. Zudem schwächt sie die Glaubwürdigkeit eines Landes an den Finanzmärkten. Die Folge sind höhere Zinsen für neue Kredite des Staates.

Im Zuge der Finanzkrise ist die Zunft der Ökonomen unter Beschuss geraten. Ihre Modelle und Empfehlungen seien zu sehr vom Glauben an den Markt geprägt, lautet die Kritik. Ist der Vorwurf berechtigt?

Es ist richtig, dass es Bereiche wie den Finanzsektor, gibt, in denen eine stärkere Regulierung sinnvoll ist, etwa was die Eigenkapitalvorschriften für Banken betrifft. Zudem haben Ökonomen in ihren Modellen manche Risiken unterschätzt. Mittlerweile gibt es jedoch in der Wissenschaft vielversprechende Ansätze, das zu korrigieren.

Müssen sich die Ökonomen nach den Erfahrungen mit der Finanzkrise vom dem weit verbreiteten Glauben trennen, die Menschen handelten rational?

Manche Überlegungen, die strenge Annahme des Homo oeconomicus zu lockern, sind durchaus interessant und können im Einzelfall erklären, warum die Reaktionen der Menschen von der strengen Rationalität abweichen. Doch es mangelt diesen Ansätzen noch an der wissenschaftlichen Stringenz und einem allgemeinen theoretischen Rahmen. Ich bin daher skeptisch, was den Erklärungsgehalt dieser Ansätze für die Makroökonomie angeht.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.01.2010, 13:58 UhrAnonymer Benutzer: CrisisMaven

    Staatsausgaben sind immer unproduktiv. Sie erzwingen, Geld entweder von Produktiven umzuleiten, statt darauf zu vertrauen, dass diese NOCH MEHR Produktivitaet und Arbeitsplaetze schaffen ODER sie nehmen den Produktiven das Geld durch Konkurrenz am Kapitalmarkt ... in beiden Faellen SiNKT der Wohlstand. Der Multiplikator ist NEGATiV, sobald man ERST den Abfluss mitrechnet. Keynes hat da was "uebersehen" ... http://crisismaven.wordpress.com/2010/01/23/whats-wrong-with-economics/

  • 22.01.2010, 01:21 UhrAnonymer Benutzer: 12oder3

    "Ja. in meinen Studien habe ich herausgefunden, dass Steuersenkungen das Wachstum positiv beeinflussen, während höhere Steuern die Wirtschaft bremsen."

    bravo

    "Während einer Rezession können kreditfinanzierte Steuersenkungen sinnvoll sein. Wenn die Wirtschaft aber wieder wächst, sollten Steuersenkungen durch Ausgabenkürzungen gegenfinanziert werden, um die Schulden und die künftige belastung der bürger nicht in die Höhe zu treiben. Je geringer das Defizit, desto größer ist der Spielraum, zur Abwehr von künftigen Rezessionen die Steuern senken zu können."

    Das sollte man mal zu Ende denken...Anarchie

    "Die Regierung will den Staatseinfluss ausweiten. Die Finanzkrise kommt ihr da als Vorwand sehr gelegen. Wer sich so verhält, handelt politisch verantwortungslos."

    Verschwörungstheoretiker?

    "Dazu sollten sie Ausgaben senken und nicht Steuern erhöhen."

    Exemplarisch diese Schwammigkeit

    "Die Mehrwertsteuer ist attraktiv, weil sie einfach zu erheben ist und ihr kaum jemand entgehen kann. Das macht sie aber auch so gefährlich."

    Steuern denen man entgehen kann machen wohl Sinn

    "im Herbst dieses Jahres dürfte sich das blatt bei den Wahlen zum Kongress bereits wieder wenden. "

    "bereits wieder"....ist der Kerl Wissenschaftler oder Lobbyist?...

    "Das wäre ein Desaster, fast noch schlimmer als die Finanzkrise. Denn ein solcher bail-out würde das Standing der Länder, die bisher über eine hohe bonität verfügen, nachhaltig verschlechtern."

    Nun macht er sich vollkommen lächerlich. Eine einzige Großbank kann wesentlich gefährlicher sein als Griechenland.

    "Manche Überlegungen, die strenge Annahme des Homo oeconomicus zu lockern, sind durchaus interessant und können im Einzelfall erklären, warum die Reaktionen der Menschen von der strengen Rationalität abweichen."

    Strenge Rationalität ist wohl eher ein Einzelfall

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