HSBC-Chefvolkswirt im Interview: "Wir müssen uns auf deutlich niedrigeres Wachstum einstellen"

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InterviewHSBC-Chefvolkswirt im Interview: "Wir müssen uns auf deutlich niedrigeres Wachstum einstellen"

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HSBC-Chefvolkswirt Stephen King hält den Zusammenbruch des Yen für unwahrscheinlich, aber hochriskant

von Saskia Littmann

Stephen King, Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC, über einen drohenden wirtschaftlichen Stillstand in Europa, überzogene Erwartungen und aufziehende Blasen an den Finanzmärkten.

WirtschaftsWoche Online: Herr King, in Ihrem neuen Buch "When the money runs out" stellen Sie die gewagte These auf, dass die Volkswirtschaften Europas und auch die Wirtschaft der USA in den nächsten Jahren kaum noch wachsen werden. Warum so pessimistisch?

King: Der Westen erlebte seine goldenen Jahre von den Sechzigern bis Ende des letzten Jahrtausends. Vor allem die Globalisierung und der damit verbundene zunehmende Welthandel sorgten für Wachstum. Nach dem Ende des Kalten Krieges kam dann der Handel mit dem Osten hinzu, wieder profitierten Exportnationen wie Deutschland. Zwar werden die weltweiten Handelsströme weiter wachsen, Europa und auch die USA werden aber nicht die größten Profiteure sein.

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Warum nicht? Schließlich gehen Sie davon aus, dass aufstrebende Märkte wie Asien oder Südamerika in Zukunft weiter stark wachsen werden. Davon müsste doch auch der Westen profitieren?

Nein, diesmal werden aus meiner Sicht andere die größten Stücke vom Kuchen bekommen. Der zusätzliche Handel wird sich hauptsächlich zwischen Asien, dem mittleren Osten, vielen afrikanischen Ländern und Lateinamerika abspielen.

Zur Person

  • Stephen King

    King, 49, war von 1998 bis 2015 Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC, von 2007 bis 2010 war er Mitglied im Schattenrat der Europäischen Zentralbank (EZB). Heute ist er noch Seniorberater der HSBC.

Aber warum sollte eine exportorientierte Volkswirtschaft wie die Deutsche nicht von der wachsenden Wirtschaftskraft der Schwellenländer profitieren?

Einerseits hat Deutschland bereits vom Aufschwung der Schwellenländer profitiert, insbesondere durch das Wirtschaftswachstum in China sind die Exporte deutlich gestiegen. Andererseits passen unsere Produkte nicht zu den Bedürfnissen einer neu entstehenden Käuferschicht. In Ländern wie Indien oder Peru sind vermutlich gerade zu Beginn des Wachstums weniger die deutschen Oberklasse-Luxuslimousinen gefragt, sondern einfache und vor allem günstige Autos. Die werden dann im Land selber produziert oder eher aus China importiert als aus Deutschland.    

Dabei werden die Straßen in China vor allem von deutschen Automarken wie VW oder BMW dominiert.

Das stimmt, heißt aber nicht, dass die Chinesen keine eigenen Autos bauen könnten. Im Gegenteil, sie haben einiges von deutschen Automobilherstellern gelernt.

Das heißt, nur der Handel ist schuld an der sinkenden wirtschaftlichen Bedeutung des Westens?

Nein, es gibt weitere Faktoren, die das Wachstum deutlich verlangsamen werden, einfach weil eine gewisse Sättigung eintritt. Beispielsweise weil mehr Frauen arbeiten. Das war einer der Faktoren, der die westlichen Wirtschaften in den letzten Jahren wachsen ließ. Je mehr Frauen bereits in Lohn und Brot sind, desto geringer das weitere Wachstumspotenzial. Genauso spielt Bildung eine wichtige Rolle.

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