IEA warnt: "Billiges Öl ist kein sicheres Öl"

IEA warnt: "Billiges Öl ist kein sicheres Öl"

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Ölförderung auf einem Ölfeld bei Los Angeles.

von Hans Jakob Ginsburg

In den vergangenen 15 Monaten hat sich der Ölpreis halbiert und ist dann noch weiter gesunken. Aber das kann sich schnell umkehren, sagt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrer neuen Vorausschau auf die künftige Marktentwicklung.

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn es um die Zukunft geht. Die stets bestens informierten Experten der Internationalen Energieagentur wissen das nur zu genau. Seit vielen Jahren publiziert ihre Organisation, eine Tochter der Industrieländer-Organisation OECD, den „World Energy Outlook“. Immer sind die Trends richtig beschrieben. Aber niemals wurden die großen, dramatischen Veränderungen am Ölmarkt und beim Ölpreis auch nur halbwegs exakt prognostiziert.

Das war Ende 2007 so, bevor der Ölpreis im Sommer darauf geradezu explodierte, um wenige Wochen danach im Zeichen der Weltfinanzkrise abzustürzen. Das war 2013 so, dem Jahr vor dem grandiosen Ölpreisabsturz, der immer noch andauert. Und auch 2014, als die IEA akribisch die gegenläufigen Trends analysierte, deren Auswirkungen freilich bis heute ausblieben.

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Und trotzdem: Ganz langfristig haben die Erdöl-Gurus von der IEA früher oder später von der Wirklichkeit Recht bekommen, und darum lohnt sich der Blick in den neuen Energy Outlook, der sich glücklicherweise über Erwartungen für die nahe Zukunft weitgehend ausschweigt.

Fatih Birol, der aus Ägypten stammende Chef der IEA, ist ein kluger und vor allem vorsichtiger Mann. Und zur Vorsicht ruft er auch die weltwirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Akteure auf: “Es wäre ein schwerer Fehler“, sagte er bei der Vorstellung des Report in London, „die Aufmerksamkeit für unsere Energiesicherheit von Veränderungen des Ölpreises abhängig zu machen.“ Will heißen: Billiges Öl bedeutet keineswegs sicheres Öl: „Jetzt ist keine Zeit zum Entspannen, ganz im Gegenteil: eine Zeit niedriger Ölpreise ist der Moment, in dem wir für zukünftige Bedrohungen vorsorgen sollten.“

Birol und seine Kollegen haben herausgefunden, dass der niedrige Ölpreis jetzt schon dazu geführt hat, dass weltweit viel weniger, in manchen wichtigen Ländern auch gar nicht mehr in die Ölförderung investiert wird. Der derzeitige Preis steigert die weltweite Nachfrage und lässt vor allem das Angebot tendenziell sinken.

Darum traut sich die IEA mittelfristig sogar – mit vielen Einschränkungen, was alles da noch passieren könnte – eine Preisprognose zu: Um die 80 Dollar im Jahr 2020, ungefähr 60 Prozent mehr als heute.

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Was eigentlich für niemanden tragisch wäre, sähe die IEA nicht eine dramatische Verschiebung am Markt voraus: Wegen des niedrigen Preises seit 2014 seien auch noch 2020 viele derzeitige Anbieter vom Markt verschwunden – und zwar alle, bei denen die Förderung echtes Geld kostet: die Nordsee-Anrainer (deren Vorräte sowieso zur Neige gehen), Russland mit den meisten seiner Ölfelder, Kanada... am Ende bleiben fast nur noch die Opec-Staaten, weil die Ölförderung aus dem arabischen Wüstensand so unschlagbar billig ist. Sollte es nicht zu einer schnellen Preisanpassung nach oben kommen, wäre die Welt wieder ganz abhängig von Importen aus dem Nahen Osten – eine Kalamität, wie sie es zuletzt in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts gab, meint die IEA.

Und wie die Europäer und Nordamerikaner vor vier Jahrzehnten, wären dann – schon in wenigen Jahren – die wachsenden Volkswirtschaften im Osten und Süden Asiens die Leidtragenden. „Das wachsende Asien“, schreiben die IEA-Experten, „wird 2040 das wichtigste Nachfragezentrum für jeden Bestandteil des Energiemix sein: für Öl, Erdgas, Kohle, erneuerbare Energieträger und Kernkraft.“

Wirtschaftliche und politische Konflikte sind da zu erwarten. Jedenfalls, wenn sich die Welt halbwegs so entwickelt, wie die IEA das erwartet: 2040 wird der gesamte Energiebedarf der Menschheit um ein Drittel höher sein als 2013. Solche Voraussagen sind erfahrungsgemäß viel vertrauenswürdiger als Preisprognosen.

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