ifo-Geschäftsklima: Ausländer finanzieren deutsche Konjunkturparty

Kommentarifo-Geschäftsklima: Ausländer finanzieren deutsche Konjunkturparty

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Mercedes-Benz-Verkauf in Dubai

von Mark Fehr

Trotz Bankenstress steigt bei Unternehmen die Stimmung so stark wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Den Boom made in Germany sponsorn zum großen Teil internationale Investoren. Ein Kommentar von Mark Fehr.

Ökonomen hatten mit einem Dämpfer gerechnet, doch es kam ganz anders: Im Juli stieg das vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung monatlich ermittelte Geschäftsklima so stark wie zuletzt vor 20 Jahren. "Das ist der größte Sprung seit der Wiedervereinigung", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Eigentlich hatten Manager und Aktionäre damit gerechnet, den ganzen Freitag lang zitternd auf die Ergebnisse des Banken-Stresstests hinfiebern zu müssen. Doch die konjunkturellen Jubelzahlen versüßten ihnen nun die Wartezeit.

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Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft signalisiert, dass der Aufschwung zumindest in den kommenden sechs Monaten ungebremst weitergeht. Viele Volkswirte erwarten dagegen, dass die Wachstumsdynamik demnächst nachlässt. Die von den ifo-Experten befragten 7000 Unternehmer sehen das offenbar anders.

Globaler Geldfluss nach Deutschland

Verglichen mit dem Juni melden Deutschlands Chefetagen nicht nur eine Verbesserung der momentanen Geschäftslage, sondern auch deutlich positivere Aussichten für das nächste halbe Jahr. Der ifo-Index legte daher in diesem Monat einen Rekordsatz um 4,4 auf 106,2 Punkte hin.

Selbst wenn sich die Konjunktur gegen Jahresende tatsächlich abkühlt – Deutschlands Unternehmen blicken so optimistisch wie selten in die Zukunft. Über genug Kapital für die Verwirklichung ihrer ehrgeizigen Pläne verfügen sie. Woher aber kommen die Milliardeninvestitionen?

Internationale Geldgeber sind bereitwillig in die Bresche gesprungen, als die heimischen Banken nach der Finanz- und Wirtschaftskrise plötzlich auf die Kreditbremse traten. Nach jüngst veröffentlichten Zahlen der Konferenz für Handel und Entwicklung bei den Vereinten Nationen (UNCTAD) flossen im vergangenen Jahr 36 Milliarden Dollar ausländische Direktinvestitionen nach Deutschland. Für alle Staaten der Erde dürfte der weltweite Geldstrom laut UNCTAD-Prognose in diesem Jahr auf insgesamt auf 1,2 Billionen Dollar anschwellen.

Wegen der weltweiten Rezession war der internationale Kapitalfluss in die Bundesrepublik im Jahr 2008 auf 24 Milliarden Dollar eingebrochen. Als eine von wenigen bedeutenden Volkswirtschaften lockte Deutschland 2009 jedoch wieder wesentlich mehr globale Investoren an als im Vorjahr. Zu denen gehört etwa das arabische Emirat Abu Dhabi, dessen Staatsfonds sich am deutschen Autoproduzenten Daimler beteiligte. Die Investitionsstatistik erfasst die Deals allerdings nicht nur abhängig von der absoluten Höhe, sondern auch nach dem erworbenen Anteil am Firmenkapital.

Anders als in Deutschland brachen in den USA, Großbritannien, Russland oder Italien die ausländischen Direktinvestitionen stark ein. Die Weltwirtschaft traute offenbar vor allem den deutschen Unternehmen zu, alle investierten Milliarden zeitig zurückzuzahlen und noch eine anständige Rendite draufzulegen.

Die hierzulande ausgebrochene Jubelstimmung gibt dem Optimismus der ausländischen Kapitalgeber Recht. Die erwarteten Gewinne müssen jetzt aber auch zügig erwirtschaftet werden, denn wenn sie ausbleiben, ist das internationale Kapital so schnell verschwunden, wie es gekommen ist.

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