Ifo-Geschäftsklimaindex: Trump und Brexit lässt Deutsche kalt

Ifo-Geschäftsklimaindex: Trump und Brexit lassen deutsche Unternehmen kalt

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Die Sonne strahl am Containerhafen in Hamburg.

Deutsche Unternehmen zeigen sich nach Einschätzung des Ifo-Instituts unbeeindruckt vom US-Präsidenten Donald Trump, dem Brexit-Votum und dem ungewissen Ausgang der Wahlen in mehreren Ländern Europas.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte um 1,1 auf 111,0 Punkte, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Einen höheren Wert gab es zuletzt vor drei Jahren. "Nach verhaltenem Jahresauftakt befindet sich die deutsche Wirtschaft wieder auf gutem Kurs", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die Firmenchefs bewerteten ihre Geschäftslage so gut wie seit August 2011 nicht mehr. Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten sie positiver ein. Besonders in der exportabhängigen Industrie verbesserte sich die Stimmung. "Die Nachfrage und der Auftragsbestand zogen merklich an", erklärte Fuest. Zuvor hatte der neue US-Präsident Donald Trump mit der Drohung von Importzöllen für Verunsicherung gesorgt. "Die protektionistischen Absichten Trumps können die Unternehmen offenbar nicht dauerhaft verunsichern", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Auch im Großhandel verbesserte sich das Geschäftsklima, während es sich im Einzelhandel und wegen witterungsbedingter Beeinträchtigungen auch im Baugewerbe eintrübte.

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"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich erstaunlich robust in politisch unsicheren Zeiten", sagte Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Ökonomen hatten einen leichten Rückgang auf 109,6 Zähler erwartet, nachdem der wichtigste deutsche Frühindikator im Januar gefallen war. Das hatten mehrere Volkswirte auf die Sorge vor Beschränkungen des Handels durch die USA unter Trump zurückgeführt. Wohlrabe hatte dieser Einschätzung jedoch widersprochen und sieht sich nun bestätigt: "Die Zahlen zeigen, dass es weiterhin keinen Trump-Effekt auf die deutsche Wirtschaft gibt. Auch der Brexit spielt bisher keine Rolle." Das gelte offenkundig auch für die bevorstehenden Wahlen unter anderem in Frankreich und Deutschland.

Wirtschaft der Währungsunion Erst Boom, dann Bust

Die Wirtschaft in der Euro-Zone wächst so stark wie in den USA. Höchste Zeit für die EZB, die Geldpolitik zu straffen. Sonst könnte sich das in Form einer neuen Euro-Krise bitter rächen.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone legte im vierten Quartal 2016 um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu – fast so kräftig wie in den USA (plus 0,5 Prozent). Quelle: dpa

Die deutsche Wirtschaft war Ende 2016 um 0,4 Prozent gewachsen. Ökonomen und auch die Bundesbank trauen ihr im laufenden ersten Quartal ein etwas größeres Plus zu, da sich die Weltkonjunktur zuletzt belebt hat. "Es mehren sich die Anzeichen, dass das Jahr 2017 für die deutsche Wirtschaft mit einem sehr starken Quartal beginnt", sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert.

Konjunkturexperte Wohlrabe erläuterte, es sei noch nicht konkret absehbar, welche Folgen die wirtschaftspolitischen Pläne Trumps und der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) für die hiesigen Unternehmen hätten. "Die deutsche Wirtschaft spekuliert nicht." Für diese Einschätzung spreche, dass die Exporterwartungen der Industrie erneut gestiegen seien. "Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Export eine stärkere Säule der deutschen Wirtschaft wird."

Im vergangenen Jahr hatte vor allem die Binnennachfrage für gute Stimmung in den Chefetagen gesorgt. "Der Konsum ist zwar leicht gesunken, bleibt aber eine solide Stütze", sagte Wohlrabe angesichts der aktuellen Umfrage unter 7000 Managern.

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