Ifo-Index: Eher Konjunkturdelle als Rezession

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KommentarIfo-Index: Eher Konjunkturdelle als Rezession

von Malte Fischer

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Oktober zum sechsten Mal in Folge gesunken. Steht Deutschland vor einer neuen Rezession?

Es war kein guter Start in die neue Woche für die deutsche Wirtschaft. Kaum war die Freude über das vergleichsweise gute Abschneiden der deutschen Banken beim Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) abgeklungen, schlugen schon wieder die schlechten Nachrichten ein. Im Oktober ging der ifo-Geschäftsklimaindex, wichtigster Frühindikator für die deutsche Wirtschaft, zum sechsten Mal in Folge zurück.

Mit 103,2 Punkten liegt er nun so niedrig wie im Dezember 2012 auf dem Höhepunkt der Euro-Krise. Die vom Münchner ifo Institut befragten Unternehmen schätzen sowohl ihre aktuelle Lage (minus 2 Punkte auf 108,4 Zähler) als auch ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate (minus ein Punkt auf 98,3 Zähler) schlechter ein als zuvor.

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Besonders stark trübte sich das Geschäftsklima im exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe ein. Die Kapazitäten in der Branche sind nur noch zu 83,7 Prozent ausgelastet, 0,3 Prozentpunkte weniger als im Vormonat.

Damit gerät der Nimbus Deutschlands als wichtigste Konjunkturlokomotive Europas ins Wanken. Politiker, Ökonomen und Zentralbanker haben darauf vertraut, dass die deutsche Wirtschaft genügend Zugkraft entfaltet, um den alten Kontinent vor einer Dauerstagnation zu bewahren.

Nun aber droht Deutschland selbst in die Rezession zu rutschen. Im zweiten Quartal war das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits um 0,2 Prozent gegenüber dem ersten Quartal geschrumpft. Nach den miserablen Daten für Auftragseingänge, Produktion und Exporte im August ist auch für das dritte Quartal ein Minus nicht auszuschließen. Der Abwärtstrend des ifo-Index lässt für das gesamte Winterhalbjahr nicht viel Gutes erwarten, Stagnation wäre schon ein Erfolg.

Das unerwartete Erlahmen der Konjunktur hat mehrere Gründe. Zum einen hat die Nachfrage aus den Schwellenländern spürbar nachgelassen. In China sind die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten, die den wirtschaftlichen Aufholprozess prägten, endgültig vorbei. Russland und Brasilien befinden sich in der Rezession. Indien schafft es nicht, sich aus der sedierenden Wirkung von Bürokratie und Korruption zu befreien. Das alles bremst die deutschen Exporte in die aufstrebenden Märkte.

Absturz in die Rezession?

Dazu kommt, dass die Wirtschaft in den beiden großen Euroländern Italien und Frankreich schrumpft beziehungsweise stagniert. Auch das lastet auf den deutschen Exportperspektiven. Komplettiert wird das Potpourri aus Negativfaktoren durch die geopolitischen Risiken, angefangen von der Ukraine-Krise über die islamistische Bedrohung aus dem Nahen Osten bis zu der Gefahr einer Ausbreitung des Ebola-Virus.

Viele Unternehmen scheinen vor dem täglichen Trommelfeuer von Horrornachrichten kapituliert zu haben und haben ihre Investitionsprojekte auf Eis gelegt. Im zweiten Quartal schrumpften die Ausrüstungsinvestitionen um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Sorgen um internationale Krisen und trübe Konjunkturaussichten drücken unerwartet stark auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Im Oktober gab der Ifo-Geschäftsklimaindex bereits zum sechsten Mal in Folge nach.

Doch es gibt auch entlastende Faktoren für die deutsche Konjunktur. Zum einen regen die für Deutschland viel zu niedrigen Zinsen die kreditfinanzierten Ausgaben für den Kauf von Immobilien und langlebigen Konsumgütern an. Zudem hat der Euro gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartnerländer seit Mai nominal rund 5 Prozent seines Wertes verloren.

Das dürfte die Ausfuhren mit der üblichen Verzögerung von ein bis zwei Quartalen ankurbeln. Die Analysten der italienischen Bank UniCredit rechnen mit einem Konjunkturstimulus durch den schwachen Euro von 0,3 bis 0,4 Prozent.

Zusätzlichen Schub liefern die Energiepreise, die in den vergangenen Wochen deutlich gesunken sind. So hat sich Öl in Euro gerechnet seit Juni um 20 Prozent verbilligt. Nach Berechnungen der UniCredit-Ökonomen sparen Unternehmen und private Haushalte dadurch 25 Milliarden Euro an Energiekosten, das entspricht fast einem Prozent des BIP. Von dem Geld dürfte ein Teil in den Konsum und die Investitionen fließen und somit die Konjunktur anregen.

Wachstumsraten niedrig wie nie

Insgesamt deutet sich eher eine Konjunkturdelle als eine scharfe Rezession an. Rezessionen entstanden in der Vergangenheit nur, wenn die Geldpolitik mit voller Kraft auf die Bremse trat, um Inflationsgefahren zu bannen, die etwa von übermäßigen Lohnsteigerungen oder explosionsartig steigenden Ölpreise ausgingen.

Ein solches Bremsmanöver ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die EZB hat die Geldpolitik in den vergangenen Monaten weiter gelockert, zusätzliche expansive Maßnahmen sind in der Pipeline.

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Heißt das, Deutschland kann sich beruhigt zurücklehnen und die konjunkturelle Delle aussitzen? Keineswegs. Die sich verschlechternde Stimmung in der Wirtschaft zeigt, auf welch niedrigem und einsturzgefährdeten Wachstumspfad wir uns derzeit bewegen.

Die Wachstumsraten sind so niedrig, dass schon kleinere Störungen reichen, die Konjunktur aus dem Gleis zu werfen. Daran trägt die Bundesregierung eine Mitschuld. Statt die Wirtschaft durch niedrigere Steuern, weniger Staatsausgaben und Deregulierungen im Dienstleistungssektor zu stärken, testet sie deren Belastbarkeit durch Mindestlohn, Rente mit 63 und die Ausweitung von Sozialleistungen.

Die bewusst betriebene Erosion der Wettbewerbsfähigkeit wird sich schon in wenigen Jahren rächen, Deutschland droht wieder zum kranken Mann Europas zu werden. Hebt die EZB dann die Zinsen an, ist der Absturz in die Rezession vorgezeichnet.

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