Ifo-Index: Hans-Werner Sinn: "Deutsche Wirtschaft verliert an Kraft"

Ifo-Index: Hans-Werner Sinn: "Deutsche Wirtschaft verliert an Kraft"

, aktualisiert 25. August 2014, 10:40 Uhr
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Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts

Zum vierten Mal in Folge ist der wichtige Ifo-Index gesunken. Führungskräfte schätzen die Wirtschaftslage schlechter ein. Damit schwinden die Chancen auf ein Comeback in der zweiten Jahreshälfte.

Das Lager der Konjunkturpessimisten in der deutschen Wirtschaft erhält wegen der Ukraine-Krise immer mehr Zulauf. Die Stimmung in den Cheftagen trübte sich im August den vierten Monat in Folge ein und ist nun so schlecht wie seit gut einem Jahr nicht mehr.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel um 1,7 auf 106,3 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 107,0 Zähler erwartet. "Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

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Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Das Barometer für die Lage fiel um 1,8 auf 111,1 Zähler, das für die Erwartungen um 1,7 auf 101,7 Zähler. Besonders in der Industrie läuft es nicht mehr rund: Hier ist das Geschäftsklima so schlecht wie seit Juli 2013 nicht mehr. "Vom Export werden immer weniger Impulse erwartet", sagte Sinn. Auch im Groß- und Einzelhandel sowie bei den Dienstleistern trübte sich die Stimmung ein. Nur die Braubranche konnte sich dem Abwärtstrend entziehen.

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Anfällig für Störungen

Die Sorge vor einem Handelskrieg mit Russland belastet die Exporteure. Die deutschen Ausfuhren dorthin waren im ersten Halbjahr um 15,5 Prozent eingebrochen, was die Unternehmen rund drei Milliarden Euro kostete. Wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine wurden die gegenseitigen Sanktionen im Juli nochmals verschärft. "Die deutsche Wirtschaft bleibt anfällig für Störungen von außen", sagte Nordea-Ökonom Holger Sandte. "Speziell auf der Industrie lasten die anhaltende Schwäche im Euroraum und die Unsicherheit infolge der geopolitischen Spannungen." Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sieht mehr als einen kleinen Stimmungsdämpfer: "Man kann jetzt endgültig sagen 'gute Laune adé'".

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Die deutsche Wirtschaft war im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Mit dem erneuten Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers schwinden die Chancen auf ein starkes Comeback in der zweiten Jahreshälfte. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe erwartet für das laufende Quartal ein Wachstum nahe der Nulllinie. Sein Institut werde die Wachstumsprognose für 2014 wohl von aktuell 2,0 in Richtung 1,5 Prozent korrigieren.

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