IG-Metall-NRW-Chef Burkhard: Kompromissbereit bei Azubi-Übernahmepflicht

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Der Bezirksleiter der IG Metall NRW: Oliver Burkhard

von Bert Losse

Der IG Metall fordert in der Tarifrunde eine Übernahmepflicht für Azubis. Der Chef der IG Metall NRW bietet den Arbeitgebern aber einen Kompromiss an.

WirtschaftsWoche: Herr Burkhard, nach jüngsten Zahlen bilden nur noch 22,5 Prozent aller Unternehmen aus. Bleibt die IG Metall trotzdem bei ihrer Forderung, dass die Betriebe künftig alle Azubis unbefristet übernehmen müssen?

Burkhard: Ja. In Nordrhein-Westfalen erhalten nur 13 Prozent der Auszubildenden nach bestandener Prüfung einen unbefristeten Arbeitsplatz. Das ist ein fahrlässiger Umgang mit Fachkräften. Wir sind bereit, in der Tarifrunde eine Lösung zu finden, mit der die Arbeitgeber leben können. Es wäre kein Problem, bestimmte Ausnahmetatbestände für die Übernahmepflicht zu vereinbaren.

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Welche denn?

Die Übernahmepflicht kann entfallen, wenn ein Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist oder wenn es klar erkennbar über Bedarf ausbildet. Wir akzeptieren auch, dass personen- und verhaltensbedingte Gründe die Weiterbeschäftigung unter Umständen unmöglich machen können. Schlechte Noten sind für die IG Metall allerdings kein Ausnahmetatbestand: Wer die Prüfung besteht, muss übernommen werden.

Wer soll festlegen, wie hoch der Lehrlingsbedarf eines Betriebes ist? Das kann ja wohl kaum die Gewerkschaft entscheiden.

Unser Vorschlag lautet, dass alle Unternehmen künftig einmal jährlich eine Analyse der betrieblichen Altersstruktur erstellen und danach gemeinsam mit dem Betriebsrat entscheiden, wie hoch der Bedarf an Auszubildenden ist. Derartige Analysen halte ich angesichts der demografischen Entwicklung ohnehin für unverzichtbar. Leider machen das erst wenige Unternehmen systematisch.

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Führt die IG Metall hier nicht ein Scheingefecht? Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass vier Jahre nach Ausbildungsbeginn 75 Prozent aller Azubis unbefristet beschäftigt sind.

Die Zahl ist korrekt, das Problem sind aber die Warteschleifen. Viele junge Leute werden nach der Ausbildung zunächst mit Einjahresverträgen abgespeist. Man hält ihnen eine Möhre vor die Nase und sagt: Sei lieb, dann kriegst du nach einem Jahr vielleicht die Entfristung. Für andere folgt Befristung auf Befristung.

Was halten Sie von der Idee, die staatliche Eignungsprüfung für Ausbilder abzuschaffen? Kann das die Zahl der Ausbildungsbetriebe erhöhen?

Nein. Wer mit jungen Menschen arbeitet, braucht ein gewisses Rüstzeug. Es ist richtig, Ausbilder in den Betrieben vernünftig zu qualifizieren.

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