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Inflation: Angst vor der Inflation

von Stefan Hajek, Annina Reimann, Anne Kunz und Hauke Reimer

Immobilien kaufen, Haus sanieren oder sich Luxus gönnen, solange das Geld noch etwas wert ist? Wie sich die Deutschen auf kommende Preissteigerungen einstellen und wie Sie Ihr Vermögen schützen.

Johannes Renn Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche
Die Axt im Haus... Banker und Hobby-Holzfäller Renn in seinem Wald im Allgäu Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche

Die Fichtennadeln duften, die Luft ist klar, die Welt in Ordnung. Johannes Renn atmet tief durch: „Holz“, sagt der 37-Jährige zufrieden, „ist im Gegensatz zu Papiergeld nicht beliebig vermehrbar.“ Schuldenmilliarden, Rettungsgeld-Billionen, Griechen-Koalitionen – alles weit weg. In der Woche ist Renn Banker. Im Urlaub aber bekämpft er im neu erworbenen Wald im Allgäu seine Sorgen vor Euro-Krise und höherer Inflation mit Schlepper, Seilwinde und Säge. Die Holznachfrage sei größer als das Angebot, sagt Renn. Wenn alles gut laufe, habe er seinen Einsatz in 15 Jahren verdoppelt. „Das war die sinnvollste Investition, die ich in den letzten Jahren getätigt habe.“ Denn die Holzpreise ziehen stetig an – und nicht nur die.

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Deutschland, dieser Eindruck drängt sich auf in diesen Tagen, steht vor einer Preissteigerungswelle, und das Volk wappnet sich. „Inflations-Alarm! Bundesbank weicht den Euro auf“ titelte „Bild“ Mitte Mai massenwirksam. Grund zur Besorgnis gibt es: Inflation entstand in der Vergangenheit meistens dann, wenn mehr Geld für knappe Güter im Umlauf war, die Geldmenge schneller wuchs als die Gütermenge. Der Nachfragesog trieb die Preise.

Viele Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, aber auch Gas, Strom und Benzin haben sich verteuert...

Bild: dpa

Unbegrenzte Kredite

Daran gemessen müssten sie in der Euro-Zone dramatisch steigen: Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 vergibt die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzt Kredite an Banken. Die Summe aus Euro-Bargeld und Einlagen der Banken bei der EZB verdoppelte sich seither. Trotzdem lag die Inflationsrate der Euro-Zone laut EU-Statistik zuletzt nur bei 2,6 Prozent, in Deutschland sogar nur bei 2,2 Prozent. Der Grund: Das viele Geld ist bisher nicht in der Realwirtschaft angekommen, sondern wird von den Banken bei der EZB gebunkert. Doch das muss nicht so bleiben.

Wer wissen will, wie Deutschlands Konsumenten ticken, muss zu Rolf Bürkl gehen, der sie für die GfK erforscht. Die Deutschen seien heute eher bereit, sich werthaltige Konsumgüter zuzulegen, sagt Bürkl. Das kann die langlebige Miele-Waschmaschine sein, das spritsparende Auto, auch die Rolex. „Früher konnte man sein Geld ohne Risiko aufs Konto legen, es bestand weitaus mehr Vertrauen in die Finanzindustrie“, sagt er. Heute sei das anders: „Kaum spitzt sich die Schuldenkrise zu, sehen wir, dass die Deutschen weniger sparen wollen.“

Aktienkurs der bayrischen Fort Ebnath AG im Vergleich zum Dax
Menschen versuchen, sich mit Sachwerten gegen die Inflation zu schützen. Etwa mit Wald, abzulesen am Kurs der einzigen deutschen Forstaktie, die den Dax locker geschlagen hat. Das Unternehmen profitierte von steigenden Holzpreisen. Klicken Sie auf die Grafik, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

Sparen lohnt sich nicht

Kein Wunder: Billiger werden viele Güter nicht mehr, die Jobs scheinen sicher, Sparen lohnt sich nicht. Also wird Geld rausgehauen. „In vergangenen Krisen haben die Deutschen ihr Geld zusammengehalten, während der Finanzkrise hätten sie die teure Waschmaschine nicht gekauft, heute greifen Konsumenten zu“, sagt McKinsey-Berater Stefan Niemeier. „Es sind kluge Investitionen, die den Effekt zukünftiger Preissteigerungen auf den eigenen Geldbeutel begrenzen.“

Ebenso gefragt sind Luxusgüter, von denen Menschen glauben, dass ihr Wert erhalten bleibt und die sicher erst mal nicht billiger zu haben sein werden. „Es ist durchaus vernünftig, möglichst viel jetzt zu konsumieren“, sagt Joachim Fels, Chefvolkswirt von Morgan Stanley.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.05.2012, 18:18 UhrWahrheit29

    Das Thema hatten wir doch schon mal vor einem Jahr. Die Bürger kauften Gold un Immobilien als gäbe es kein Morgen. Nun wiederholt sich der Zyklus.

  • 22.05.2012, 16:39 UhrFred_Feuerzeug

    Ein ganz zentrales Thema wird quasi nie angesprochen, aus Unwissenheit? Kredite gehen immer einher mit Nachschusspflichten. Diese sind die eigentliche Zeitbombe im System.
    Um es klarer zu machen, mal ein Beispiel mit einfachen Zahlen:
    Kaufe ich mir ein Haus zu 100, davon 80 per Kredit finanziert, dann wird in der Krise die Luft ganz schnell dünn.
    Fällt der Wert der Immobilie auf 70, so wird die Bank auf der Nachschusspflicht bestehen, ich habe unverzüglich 10 nachzuschießen. Kann ich das nicht, so wird die Bank die Sicherheit (=die Immobilie) einkassieren. Ich habe dann 1) kein Haus mehr 2) 10 Schulden bei der Bank und 3) 20 Eigenkapital vernichtet.
    Richtig wild wird es, wenn es mehreren Schuldnern so geht. Und davon muss man in einer Krise ausgehen. Werfen zahlreiche Besitzer Immobilien auf den Markt, dann sinken parallel die Marktpreise auch noch rapide. Dies wiederum erhöht bei den einzelnen Schuldnern die Schulden weiter. Zugleich sorgen die weiter sinkenden Marktpreise dafür, dass noch mehr Immobilienbesitzer in die Nachschuss-Falle geraten, selbst wenn vielleicht nur solide 50 oder 60 per Kredit finanziert wurden.
    Der Kollaps ist programmiert, die USA geben eine Ahnung davon. Damals hatte man das Allerschlimmste gerade noch abwenden können mit aberwitzigen Summen an Hilfsgeldern durch die Regierung. Das Pulver für das Abfedern der nächsten Krise sollte damit aber verschossen worden sein, selbst die USA sind nicht mehr uneingeschränkt kreditwürdig.
    Dieses Phänomen wird überdies nicht nur Immobilien, sondern quasi alle Anlageklassen betreffen. Die Kreditvolumina für Immobilien, Rohstoffe etc. sind global gesehen um den Faktor 100 oder 1.000 höher als die dahinter liegenden Sicherheiten.
    Schuldengebirge überall.

  • 22.05.2012, 16:18 UhrDerOekonom

    Nachtrag.
    Merke: Sachanlagen (Immobilien, Gemälde oder Konzertflügel) besitzen generell keine "Werte", auch wenn man sie fälschlicherweise oft auch als SachWERTE bezeichnet.
    Sachanlagen haben nur "Preise".
    Preis ist das, was der NÄCHSTE bereit ist zu zahlen. Wenn dieser Nächste nicht bereit ist, mehr als Sie zu zahlen, dann haben Sie ein Problem. Wenn es gar keinen nächsten gibt, dann ein recht großes Problem.
    Die Kreditklemme als Ergebnis der Deflation wird unweigerlich dafür sorgen, dass die Zahl der liquiden Nächsten rapide sinken wird.

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