Inflation in den USA: Zweifel an der gemessenen Inflation sind Unsinn

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Inflation in den USA: Zweifel an der gemessenen Inflation sind Unsinn

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Wie nah an der Realität ist die gemessene Inflation?

In den USA bilden die wichtigsten Indizes die Preisentwicklung mit ausreichender Genauigkeit ab. Dies zeigt eine detaillierte Prüfung.

Der amerikanische Verbraucherpreisindex CPI und der begleitende PCE-Preisindex für persönliche Konsumausgaben stehen wie nie zuvor im Zentrum der Aufmerksamkeit. Grund: Sie sind eine Schlüsselgröße für die Entscheidung, ob, wann und wie deutlich die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöht. Ein guter Grund, sich die beiden Indizes einmal genauer anzuschauen.

In den zwölf Monaten bis September war der CPI unverändert geblieben und der PCE nur minimal (plus 0,2 Prozent) angestiegen, weil sich die Auswirkungen des Energiepreisverfalls bei beiden Indizes stark bemerkbar machten. Wie die Grafiken unten zeigen, stieg jedoch die Kernrate des CPI im gleichen Zeitraum um 1,9 Prozent, die des PCE um 1,3 Prozent.

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Wie sich die unterschiedlichen US-Inflationsbarometer seit 2010 entwickeln. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wie sich die unterschiedlichen US-Inflationsbarometer seit 2010 entwickeln. (zum Vergrößern bitte anklicken)

In der Kernrate sind die schwankungsanfälligen Subkomponenten für Lebensmittel und Energie ausgeblendet. Die Stagnation des CPI hat unliebsame Folgen für die fast 60 Millionen Leistungsberechtigten im amerikanischen Sozialversicherungssystem. Der Index dient als Messlatte für die jährlichen Erhöhungen der monatlichen Leistungen. Für 2016, erfuhren die Leistungsberechtigten, würde es daher keinen Teuerungsausgleich bei den Lebenshaltungskosten geben.

Am CPI orientieren sich unter anderem auch die Indexklauseln von Scheidungsverträgen, Gewerkschaftsvereinbarungen sowie Steuerstufen und Einkommensteuerbefreiungen. Auch die Umrechnung des nominellen Gewinns in realen oder inflationsbereinigten Gewinn erfolgt anhand dieser Indizes. Der PCE-Preisindex dient als Basis für die Umrechnung der nominellen Konsumausgaben in reale Konsumausgaben.

Exotische Messgrößen

Diese einflussreichen Indizes sind eine Art dicke Wurst aus statistischen Daten, bestehend aus einer Vielzahl teils exotischer Messgrößen, häufig gewürzt mit Schätzungen aus gut informierten Kreisen. Ein simples Beispiel: Der Verbraucherpreisindex beruht zu fast 25 Prozent nicht auf tatsächlichen Mietpreisen, sondern auf einer Schätzung der Mieten, die Besitzer von Eigenheimen zu zahlen hätten, wenn sie ihr Eigentum an sich selbst vermieten würden. Andere Komponenten beruhen auf Schätzungen der Qualitätsveränderungen von bewerteten Gütern. Aber ungeachtet all der Mängel und des Verbesserungspotenzials dieser Indizes, ihre Funktion als Instrumente für eine grobe Annäherung an die Preisveränderungen insgesamt erfüllen sie durchaus.

Zum Autor

  • Barron's

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Der Hüter des US-Verbraucherpreisindex CPI ist das US-Amt für Arbeitsstatistik (Bureau of Labor Statistics, BLS), eine Rolle, die dem BLS durch eine Laune der Geschichte zuteil wurde. In der inflationären Periode des Ersten Weltkriegs sah sich die Regierung mit der Notwendigkeit von Maßnahmen zur Erhaltung des Arbeitsfriedens in den Schiffswerften konfrontiert. Es galt, die Entwicklung der Löhne in Einklang zu bringen mit den steigenden Lebenshaltungskosten. Mit Unterstützung des berühmten Ökonomen Irving Fisher ließ das BLS in 32 Schiffswerften und Industriezentren Erhebungen zu den Ausgaben von Familien durchführen. Das Ziel war, einen Maßstab für den Anstieg der Lebenshaltungskosten zu schaffen. So wurde der bis heute vom BLS errechnete US-Verbraucherpreisindex CPI geboren.

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