Inflation in Deutschland : Preise steigen so schwach wie seit fünf Jahren nicht

Inflation in Deutschland : Preise steigen so schwach wie seit fünf Jahren nicht

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Einkaufskorb mit Obst und Gemüse: Die Preise in Deutschland stiegen im November nur um 0,6 Prozent.

Quelle:Handelsblatt Online

Um lediglich 0,6 Prozent sind die Preise in Deutschland im November gestiegen. Das ist so wenig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Vor allem Heizöl und Sprit wurden billiger.

Billigeres Tanken und Heizen hat die Inflationsrate in Deutschland im November auf den niedrigsten Stand seit annähernd fünf Jahren gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen im Schnitt nur noch um 0,6 Prozent zum Vorjahresmonat. „Eine niedrigere Teuerungsrate wurde zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent ermittelt“, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag. In den vier Vormonaten lag sie noch bei jeweils 0,8 Prozent.

Weniger Geld ausgeben mussten die Verbraucher vor allem für Energie. Leichtes Heizöl verbilligte sich um 9,8 Prozent, Kraftstoffe wie Benzin um 4,5 Prozent. Grund dafür ist der Einbruch der Ölpreise: Sie sind seit dem Sommer um etwa 30 Prozent gefallen. Ursache ist die schwächere Weltwirtschaft, die die Nachfrage drückt. Gleichzeitig sind die USA durch das Fracking zu einer führenden Fördernation aufgestiegen, wodurch mehr Öl auf dem Markt ist.

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Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

  • Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher?

    Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.

  • Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

    Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

  • Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

    70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

  • Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.

  • Was kann die Europäische Zentralbank tun?

    Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

  • Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln?

    Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

  • Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013?

    Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

Gedämpft wurde die Inflation auch von den Nahrungsmittelpreisen. Sie blieben insgesamt stabil. Butter verbilligte sich dabei sogar um gut ein Fünftel, während Obst 1,6 Prozent weniger kosteten als im November 2013. Dagegen wurde für Gemüse 1,5 Prozent mehr verlangt, für Brot und Getreideerzeugnisse 1,3 Prozent mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Entwicklung der Preise in der Euro-Zone und auch in Deutschland mit Sorge. Sie strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an.

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Um einen für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall zu verhindern, hat sie ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Außerdem pumpt sie Milliarden an billigem Geld in die Wirtschaft. EZB-Chef Mario Draghi erwägt zusätzliche Maßnahmen wie etwa den Ankauf von Staatsanleihen, um die Wirtschaft anzuschieben und die unerwünscht niedrige Inflation anzuheizen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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