Insolvenzen: Deutschland droht eine Pleitewelle

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Insolvenzen: Deutschland droht eine Pleitewelle

Die Zahl der Firmen- und Privatinsolvenzen in Deutschland nimmt weiter ab. Dafür nimmt der Schaden aus den Pleiten zu. Für eine Entwarnung an der Pleitefront gibt es keinen Grund.

Nach den Worten der Bonitätswächter von Creditreform hinterlässt die Euro-Krise auch weiterhin deutliche „Schleifspuren“ in der deutschen Unternehmenslandschaft. Immerhin: Die Zahl der Firmenpleiten ging in diesem Jahr weiter zurück und fiel auf 29.500. Allerdings betrug der Rückgang nur noch 2,1 Prozent, das sind 620 Insolvenzfälle weniger als 2011. Damit verlangsamt sich die Entspannung. 2011 war die Zahl der Unternehmenspleiten noch um 6,1 Prozent gesunken, 2010 um 2,6 Prozent. Die deutsche Wirtschaft muss sich somit auch 2013 auf eine Pleitewelle einstellen. „Die deutsche Volkswirtschaft gerät zunehmend in den Sog der europäischen Staatsschuldenkrise“, sagte Helmut Rödl, Vorstand der Wirtschaftsauskunftei Creditreform anlässlich der Vorstellung der Zahlen. Die Gesamtzahl der Insolvenzen dürfte demnach von 156.200 im laufenden Jahr auf etwa 160.500 steigen, darunter geschätzte 30.500 Firmenpleiten.

Auch die Privatpleiten sind auf dem Rückzug. Insgesamt mussten 101.500 Verbraucher einen Insolvenzantrag stellen – 1,7 Prozent weniger als 2011. Seit 2009 wurden stets mehr als 100.000 insolvente Verbraucher im Jahr gezählt.

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Doch der erfreuliche Trend in den Fallzahlen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Situation gemessen an den wirtschaftlichen Schäden aufgrund von Insolvenzen eher verschlimmert. Die monetären Insolvenzschäden stiegen 2012 auf 38,5 Milliarden Euro. Das sind satte 17 Milliarden Euro mehr als 2011, eine Steigerung um 80 Prozent. Dass sich die Lage in Deutschland gemessen an den Insolvenzschäden zuspitzt, hatten vor zwei Wochen auch Zahlen des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) ergeben.

Von den 38,5 Milliarden Euro Schaden entfallen rund zwei Drittel auf private oder gewerbliche Gläubiger. Die öffentlichen Haushalte werden mit 12,3 Milliarden belastet. Nach den Berechnungen von Creditreform stieg die durchschnittliche Schadenssumme pro Pleite in diesem Jahr auf den Rekordwert von 888.000 Euro. 2011 waren es nur 511.000 Euro waren.

Insolvenzen Schäden durch Firmenpleiten nehmen zu

Nicht nur die Privatinsolvenzen nehmen zu, sondern auch bei der Zahl der Unternehmenspleiten stehen die Zeichen schlecht. Die Zahlungsmoral verschlechtert sich.

Ein Schild mit der Aufschrift "zu vermieten - Gewerbeflächen im Objekt" Quelle: dpa

Mehr Pleiten bei mittleren und großen Unternehmen

Unter den mittleren und großen Unternehmen hat die Zahl der Firmenpleiten 2012 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. 2012 sind es laut Creditreform 150 Großunternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, die sich vom Markt verabschiedet haben.
einem Jahresumsatz von über 50 Mio. Euro. Darunter Konzerne wie Schlecker, Neckermann, mehrere Unternehmen der Solarbranche oder die P+S Werften. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 90 Unternehmen dieser Größenordnung, die in die Pleite rutschten. Auch bei den Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 25 und 50 Millionen Euro verfinstert sich die Lage.2012 mussten 180 Unternehmen aus dieser Gruppe Insolvenz anmelden. Das ist ein Plus um 20 Prozent.

Diese Entwicklung schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch. Die Zahl der Arbeitsplätze, die aufgrund der Insolvenzen verloren gehen oder bedroht sind, beläuft sich Creditreform zufolge aktuell auf 346.000 Betroffene. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der drohenden Arbeitsplatzverluste somit fast um die Hälfte zugenommen (2011: 236.000). Die diesjährige Zahl der drohenden Arbeitsplatzverluste liegt allerdings rund 100.000 Arbeitnehmer unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (zirka 450.000 drohende Jobverluste).

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