Interview mit Mark Zandi: "Uns droht eine gefährliche Preisspirale"

ThemaKonjunktur

InterviewInterview mit Mark Zandi: "Uns droht eine gefährliche Preisspirale"

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Mark Zandi

von Angela Hennersdorf

Der Chefökonom des US-Finanzinstituts Moody’s Analytics rechnet mit einer niedrigen Inflation in den Euro-Ländern und erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) aggressiv gegen die Euro-Stärke vorgeht.

WirtschaftsWoche: Herr Zandi, Portugal und Griechenland können sich wieder Geld am Kapitalmarkt leihen. Ist das Vertrauen der Finanzmärkte in die Euro-Länder zurückgekehrt?

Zandi: Die Lage in der Euro-Zone hat sich tatsächlich entspannt. Investoren und Konsumenten sind optimistischer. In einigen Peripherieländern sind Reformen passiert, nicht so umfangreich wie gewünscht, aber es gibt Fortschritte.

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Wie gefährlich ist die niedrige Inflation in den Euro-Ländern?

Vor allem die südlichen Länder Europas haben mit der niedrigen Inflation ein Problem. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit von durchschnittlich zwölf Prozent setzt die Preise massiv unter Druck. Spanien steckt in einer gefährlichen Preisabwärtsspirale. Hier haben wir es bereits mit einer handfesten Deflation zu tun. Ich rechne damit, dass die Inflation in der Euro-Zone auch in den kommenden Monaten niedrig bleiben wird und nicht nur ein Ostereffekt war, wie Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, Mitte April behauptet hat.

Geldpolitik Inflationszahlen bremsen die EZB aus

Die Preise in der Euro-Zone sind im April gestiegen. Weniger stark als erwartet – aber dennoch bewegen sich die Kennzahlen vom kritischen Bereich weg. Die EZB ist damit zunächst ausgebremst.

EZB-Neubau Quelle: dpa

Was ist der Grund für diese Annahme?

Die niedrige Inflation hat fundamentale Gründe. Außer der hohen Arbeitslosigkeit ist vor allem die stockende Kreditvergabe in den südlichen Euro-Ländern ein Problem. Die niedrige Inflation und der hohe Euro-Wechselkurs sind eine Gefahr für eine weitere wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum.

Welche Rolle spielt der starke Euro?

Der hohe Euro-Wechselkurs von 1,38 oder 1,39 Euro zum Dollar funktioniert für Deutschland, aber nicht für die anderen Euro-Länder, vor allem nicht für die Länder im Süden. Ich erwarte zwar, dass durch die Geldpolitik der US-Notenbank, Fed, die ihre Anleihekäufe Monat für Monat reduziert, der Euro bis Ende des Jahres bei 1,30 zum Dollar stehen wird. Bis Ende 2015 rechne ich mit einem Euro-Dollar-Wechselkurs von 1,25. Doch das ist immer noch zu hoch. Die EZB muss deshalb aggressiver gegen den starken Euro und die anhaltend niedrige Inflation vorgehen. Ich rechne damit, dass sie darauf spätestens in der zweiten Jahreshälfte mit neuen geldpolitischen Lockerungen reagieren wird. Dafür gibt es im Übrigen noch einen weiteren Grund.

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