IWF-Tagung: Franzosen werden Dompteure des Währungssystems

IWF-Tagung: Franzosen werden Dompteure des Währungssystems

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Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds

von Konrad Handschuch

Fed-Chef Bernanke flutet die Welt weiter mit Dollar und eine koordinierte Währungspolitik scheitert am desolaten amerikanischen Arbeitsmarkt. Die USA könnten in eine desolate Lage wie Japan geraten. Zwei Franzosen sollen das nun ändern.

Für das gestrige Treffen der G7-Finanzminister und der Gouverneure des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington wurden viele kluge Analysen produziert. Das entscheidende Papier war nicht dabei. Das lieferte am Freitag das US-Arbeitsministerium. Es berichtete von einem erneuten Verlust bei der Beschäftigung; 95.000 Jobs gingen in den USA allein im September verloren, die Arbeitslosenquote verharrt bei 9,6 Prozent.

Mit der Präsentation dieser Zahlen hat sich die politische Stimmung in den Staaten noch einmal verändert. Die Chancen, dass der angeschlagene US-Präsident Brack Obama noch kurz vor den Nachwahlen Anfang November ein weiteres Konjunkturpaket auf den Weg bringt und damit den US-Haushalt noch weiter in die Verschuldung treibt, sind gestiegen. Und als nahezu ausgemacht gilt auch, dass Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Fed bis dahin den Ankauf weiterer Hunderte von Milliarden von  US-Bonds beschließen lassen wird. Mit dieser Politik der „quantitativen Erleichterung“ versucht Bernanke schon seit Ausbruch der Finanzkrise die US-Zinsen am lange Ende niedrig zu halten. Genützt hat es bislang noch nichts – sieht man einmal davon ab, dass Anleger weltweit aus dem Dollar in andere Währungen wie dem Euro und vor allem in Gold flüchten.

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USA manövrieren sich in eine ähnlich aussichtslose Lage wie Japan

Die Talfahrt des Dollar, der am Wochenende gegenüber dem Yen bereits auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren angekommen war, geht also weiter. Aller Bemühungen der versammelten Finanzelite zum Trotz. Zwar wollten weder IFW-Generaldirektor Dominique Strauss-Kahn noch Bundesbankpräsident Axel Weber das Wort vom „Währungskrieg“ in den Mund nehmen. Doch allen Beteiligten war deutlich anzumerken wie sehr ihnen die Beiläufigkeit, mit der die Amerikaner die Folgen des Kursrutsches der Weltleitwährung begleiten, deutliches Unbehagen bereitet.

US-Finanzminister Tim Geithner befolgte während des Treffens nur eine politische Marschrichtung: Attacke. In erster Linie waren es natürlich wieder einmal die Chinesen, die sich – trotz der Mini-Aufwertung vom Freitag um 0,3 Prozent - mit stoischer Ruhe wieder einmal die Angriffe wegen der unterbewerteten Landeswährung Yuan anhörten. Aber auch das Überschussland Deutschland stand in der Kritik des Amerikaners. Im Kreise der G7 wurde das Thema der festgefahrenen Fronten wegen nicht weiter vertieft.

Man bekräftigte noch einmal die üblichen Lippenbekenntnisse, dass ein stabiles Währungssystem anzustreben sei, die Schwellenländer ihre Währungen flexibler halten sollten, dass übermäßige Schwankungen von Nachteil für die Weltwirtschaft seien und dass keine unabgestimmten Interventionen zu erfolgen hätten. Doch dass die USA gerade Gefahr läuft, mit einem überbordenden Staatsdefizit, einer praktischen Nullzinspolitik, steigender Arbeitslosigkeit und schwachem Wachstum sich in eine ähnlich aussichtslose Lage wie Japan nach dem Platzen der dortigen Immobilienblase zu manövrieren, diese Gefahr sieht Geithner nicht.

Dompteur des Währungssystems

Mit der allseits beschworenen Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik, die zum Ausgleich der weltweiten Ungleichgewichte führen soll, ist es derzeit also nicht zum Besten bestellt. Damit sich das ändert, sollen jetzt der Internationale Währungsfonds und insbesondere dessen Generaldirektor Strauss-Kahn eine wichtigere Rolle spielen. Von der G7 und dem führenden IWF-Gremium bekam er das klare Mandat, im nächsten Jahr konkrete Vorschläge auf den Tisch zu legen, was die Überschuss- und Defizitländer unternehmen sollten, um die Weltwirtschaft ins Lot zu bringen. Damit schwingt sich der Franzose Strauss-Kahn zum Dompteur des Währungssystems und zum Stichwortgeber von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy auf, der die Neuordnung des Weltwährungssystems im nächsten Jahr zum Schwerpunkt seiner G20-Präsidentschaft machen will.

Wie Strauss-Kahn seine neue Aufgabe angehen will, davon hat er bereits konkrete Vorstellungen. Für die USA, China, Japan, die Euro-Zone und Großbritannien will er gleichzeitig Sonderberichte erarbeiten, in denen er anders als sonst üblich die Länder nicht nur isoliert betrachtet, sondern auch die Auswirkungen der jeweiligen Wirtschaftspolitik auf andere Länder analysiert. An der Erstellung dieser „spillover reports“, kündigte er an, wolle er in den nächsten Monaten persönlich mitwirken. Das klang wie eine Drohung. Doch kommt die US-Wirtschaft bis dahin nicht aus ihrem Tief, dürfte sich US-Finanzminister Tim Geithner davon kaum beeinflussen lassen.      

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