Jackson Hole: Yellen zeigt vorsichtigen Optimismus

Jackson Hole: Yellen zeigt vorsichtigen Optimismus

, aktualisiert 26. August 2016, 16:44 Uhr
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Die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen - hier bei einer Pressekonferenz - sieht mittlerweile mehr Argumente für eine Zinserhöhung in den nächsten Monaten.

von Reuters und Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die Chefin der US-Notenbank deutet an, dass eine Zinserhöhung näher rückt, ohne sich festzulegen. Sie macht deutlich, dass es bei künftigen Rezessionen wieder zu Anleihekäufen kommen kann. Wie Ökonomen die Rede sehen.

Jackson HoleUS-Notenbankchefin Janet Yellen hat sich relativ optimistisch zur US-Wirtschaft und möglichen weiteren Zinserhöhungen geäußert. So sagte sie auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming: „In der Tat, ich glaube, dass angesichts der soliden Entwicklung des Arbeitsmarktes und unserer Prognosen für die Konjunktur und die Inflation seit einigen Monaten mehr und mehr für eine Anhebung der Zinsen spricht.“ Damit lässt sie ausdrücklich die Möglichkeit offen, dass die Zinsen schon im September angehoben werden, ohne sich aber darauf festzulegen.

Die meisten Beobachter waren bisher der Einschätzung, dass der nächste Schritt erst für Dezember zu erwarten ist.  Die Fed hatte die Leitzinsen im vergangenen Dezember zum ersten Mal seit der Finanzkrise erhöht, von nahe Null auf eine Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent, seither aber weitere Anhebungen immer wieder verschoben.

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 Noch interessanter waren aber ihre Aussagen über die langfristige Entwicklung. „Prognosen zeigen, dass die Leitzinsen für längere Zeit bei drei Prozent verharren werden“, sagte sie, und verglich das mit einem Durchschnitt von sieben Prozent in den Jahren von 1965 bis 2000. Ihre Folgerung: „Daher haben wir voraussichtlich weniger Spielraum für Zinssenkungen, als wir in der Vergangenheit hatten.“

Nach ihrer Aussage besteht weiterhin die Absicht, die Bilanz der Notenbank, die in letzten Jahren durch massive Käufe von Staatsanleihen und verbrieften Immobiliendarlehen aufgebläht wurde, ab einem bestimmten Zeitpunkt abschmelzen zu lassen ­– nicht durch Verkäufe, sondern dadurch, dass ausgelaufene Papiere nicht ersetzt werden. Damit will sie sich offenbar auch Spielraum für neue Ankäufe – bekannt unter dem Stichwort „Quantitative Easing“ (QE) - schaffen.

Sie erwartete, dass die Ankäufe „wichtige Komponenten im Instrumentarium“ der Fed bleiben, gesteht aber ein, dass sie bei ohnehin niedrigen Langzeit-Zinsen nur eingeschränkt wirken können ­– denn das Ziel der Käufe ist ja, die langfristigen Zinsen zu senken. Als Teil des Instrumentariums erwähnt sie auch noch einmal die so genannte „Forward Guidance“, die sie in den letzten Jahren ebenfalls eingesetzt, aber inzwischen aufgegeben hat.

Dabei hat die Fed den Märkten zu verstehen gegeben, dass die Zinsen auf relativ lange Sicht niedrig bleiben werden – dies kann einen ähnlichen Effekt wie eine tatsächliche Zinssenkung und sie ersetzen, wenn die Leitzinsen ohnehin bei Null angekommen sind.


Wie Ökonomen die Rede bewerten

Yellen erwähnt in ihrer Rede auch, dass möglicherweise künftig  Instrumente zum Einsatz kommen, die andere Notenbanken ausprobiert haben oder die geldpolitische Experten zur Diskussion gestellt haben. „So könnten künftig Geldpolitiker den Kreis der Wertpapiere, die angekauft werden, erweitern“, sagt sie. Hier bietet sich der Vergleich mit der Europäischen Zentralbank an, die Zinspapiere unterschiedlichster Art ankauft; die japanische Notenbank erwirbt sogar Aktienfonds.

Sie erwähnt auch einen Vorschlag, den John Williams, der Chef der Fed San Francisco im Vorfeld der Tagung gemacht hat: Das Inflationsziel zu erhöhen oder durch eine andere Zielgröße, etwa das nominale Bruttoinlandsprodukt, zu ersetzen. Doch sie setzt hinzu: „Ich möchte aber betonen, dass diese zusätzlichen Instrumente und Konzepte im geldpolitischen Ausschuss nicht aktiv in Erwägung gezogen werden, obwohl sie ein wichtiges Thema für die Forschung sind.“

Abgesehen von Yellen bestimmen in diesem Jahr Akademiker das Geschehen von Jackson Hole. Dabei geht es aber um durchaus brennende, auch für die breite Bevölkerung interessante Fragen. Marvin Goodfriend von der Carnegie Mellon University etwa beschäftigt sich mit negativen Zinssätzen. Ein Thema, das in Europa zurzeit eine viel größere Rolle spielt als in den USA. Jeremy Stein stellt zusammen mit zwei Kollegen aus Harvard ein Papier über die Bilanzen der Notenbanken und die Stabilität des Finanzsystems vor.

Die Themen auf der Tagung in Wyoming, einschließlich einiger schon im Vorfeld veröffentlichten Studien, machen auf jeden Fall eines deutlich: Den Notenbanken ist die Normalität abhandengekommen. Die Hoffnung, ein paar Jahre nach der Finanzkrise könne Geldpolitik wieder so funktionieren wie früher, verflüchtigt sich. Es ist eher so, dass die Fed und andere Notenbanken wie das Raumschiff Enterprise durch die Weiten des Raums irren, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und im Angesicht von neuen Gefahren.

Ökonomen sagten dazu in ersten Reaktionen:
Subadra Rajappa, Société Générale: Wir haben nicht wirklich ein Signal für eine Anhebung im September erwartet. Aber sie hat die Tür offen gehalten, den Schritt eher früher als später zu machen. Die Fed will wohl, dass die Märkte einzupreisen beginnen, dass es in diesem Jahr zu einer Anhebung kommt.

Brian Jacobsen, Wells Fargo Funds Management: Yellen möchte den Tisch für September decken. Vielleicht liefert sie die Zinserhöhung aber erst im November oder Dezember.

Christiane von Berg, Bayern LB: Eigentlich gibt es nicht viel Neues. Die Themen, die die Märkte interessieren - Leitzins und wirtschaftliche Entwicklung - hat Yellen nur am Rande erwähnt. Am interessantesten ist noch ihre Einschätzung, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung gestiegen ist. Sie hat ihren Fokus mehr auf technische Themen der Zentralbankpolitik gelegt. Das dürfte die Märkte am Ende eher etwas enttäuscht haben.

Bernd Weidensteiner, Commerzbank: Die Rede enthält wenig Neues. Dass nach zwei sehr guten Arbeitsmarktberichten in Folge die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung steigt, stand auch vorher schon fest. Wir gehen davon aus, dass die Fed im Dezember ihren Leitzins anhebt. Wichtig wird die Arbeitsmarktbilanz für August am kommenden Freitag. Fällt sie deutlich besser aus, könnte der Zinsschritt auch schon im September erfolgen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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