Jahreswirtschaftsbericht: Regierung erwartet Wachstum von 1,4 Prozent

Jahreswirtschaftsbericht: Regierung erwartet Wachstum von 1,4 Prozent

, aktualisiert 25. Januar 2017, 14:55 Uhr
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Der neue Jahreswirtschaftsbericht beschreibt Risiken durch zunehmenden Protektionismus.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Bundesregierung belässt ihre Wachstumsprognose für 2017 bei 1,4 Prozent. Der neue Jahreswirtschaftsbericht bescheinigt der Wirtschaft damit eine gute Verfassung. Doch Risiken bleiben, vor allem mit Blick auf die USA.

BerlinTrotz Donald Trump, hartem Brexit und anderen politischen Risiken sagt die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft einen robusten Aufschwung voraus. Sie erwartet in ihrem am Mittwoch verabschiedeten Jahreswirtschaftsbericht eine Rekordbeschäftigung, steigende Löhne und ein beschleunigtes Exportwachstum. Allerdings ist die Wirtschaft vor Rückschlägen nicht gefeit: Ihr wichtigstes Stimmungsbarometer – das Ifo-Geschäftsklima – gab im Januar überraschend nach.

Die Regierung erwartet 2017 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,4 Prozent. 2016 hatte es mit 1,9 Prozent noch das größte Plus seit fünf Jahren gegeben. Die Differenz sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass es in diesem Jahr drei Arbeitstage weniger gebe. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer sehr guten Verfassung“, sagte der scheidende Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. 320.000 Männer und Frauen dürften einen neuen Job finden, die Arbeitslosigkeit mit 6,0 Prozent auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung fallen.

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Die Bruttoverdienste dürften wie im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent steigen. „2017 hat ein Arbeitnehmer im Durchschnitt über 2.000 Euro mehr im Portemonnaie als zu Beginn der Legislaturperiode“, so Gabriel. Der private Konsum wird deshalb als Garant für den Aufschwung gesehen. Die Exporte sollen mit 2,8 Prozent etwas stärker wachsen als 2016.

Der ins Außenamt wechselnde Gabriel warnte vor der Gefahr des Protektionismus. „Deutschland als weltweit verflochtenes Land ist auf offene Märkte und freien Handel fundamental angewiesen. Der weltweit spürbare Hang zum Protektionismus, wie er aus der Brexit-Entscheidung und den Äußerungen des neuen amerikanischen Präsidenten spricht, ist der falsche Weg. Denn Abschottung macht alle ärmer.“

Dass in diesem Jahr viele Stolpersteine im Weg liegen, zeigt die Ifo-Umfrage unter 7.000 Managern. Diese schätzen ihre Geschäftslage im Januar zwar so gut ein wie seit über fünf Jahren nicht mehr, blicken aber skeptischer auf die kommenden sechs Monate. Der Geschäftsklimaindex fiel deshalb überraschend um 1,2 auf 109,8 Punkte. „Die deutsche Wirtschaft startet weniger zuversichtlich ins neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Ökonomen führen das auf den neuen US-Präsidenten Trump zurück, der mit Strafzöllen auf Importe droht. „Nach nicht einmal einer Woche Amtszeit hat es Trump geschafft, die Stimmung der deutschen Unternehmen zu dämpfen“, erklärte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle den Rückgang. „Die jüngsten Zoll-Androhungen gegen die Automobilindustrie und die Aufkündigung der pazifischen Freihandelszone TPP führen den Unternehmen vor Augen, dass die Gefahr eines zunehmenden Protektionismus nicht theoretisch, sondern ganz real ist.“

Thomas Gitzel von der VP Bank sieht das ähnlich: „Für die exportabhängige deutsche Industrie wäre jede Art von Handelskrieg pures Gift“. Das Ifo-Institut erkennt dagegen noch keinen Trump-Effekt: „Denn die Exporterwartungen sind gestiegen, sogar in der Autoindustrie“, sagte Ifo-Konjunkturforscher Klaus Wohlrabe. „Die harten Fakten sprechen eher für gute kurzfristige Aussichten.“

Rückenwind könnte die exportabhängige Wirtschaft von der Währungsseite bekommen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet, dass der Euro im Jahresverlauf um fünf bis zehn Prozent zum Dollar abwerten könnte. Das würde deutsche Waren auf dem wichtigsten Exportmarkt USA günstiger machen.

Gabriel macht sich auch angesichts der guten Haushaltslage für mehr Investitionen stark. „Wir befinden uns mit der Digitalisierung in einer Phase des grundlegenden Wandels“, begründete er. „Hier dürfen wir selbst nicht stehen bleiben und nur ans Sparen denken.“ Notwendig sei daher ein großer Investitionspakt, um die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu sichern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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