Jahreswirtschaftsbericht: Zweieinviertel Unsicherheit

KommentarJahreswirtschaftsbericht: Zweieinviertel Unsicherheit

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WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal

Die Hilflosigkeit der Bundesregierung zeigt sich in einem einzigen Wort: Zweieinviertel. Um „zweieinviertel Prozent“, so hat es Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in seinem Jahreswirtschaftsbericht geschrieben, werde die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr schrumpfen.

Was ungewöhnlich genug ist: Glos hat nicht etwa 2,25 Prozent notiert, sondern die „zweieinviertel“ ausgeschrieben. Und das hat Gründe. Das Wirtschaftsministerium habe damit zeigen wollen, dass sich das Wachstum derzeit nicht mathematisch genau vorausbestimmen lasse. „In schwierigen Zeiten ist es schwer, Prognosen abzugeben“, hatte Glos gesagt.

Er mag dafür seine Gründe haben. Tatsächlich zeichnet sich die Finanzkrise dadurch aus, dass sie ökonomisch so schwer einzuschätzen ist, dass es kaum empirisch begründete Modelle gibt, mit denen sich berechnen ließe, wie sich ein grundlegender Vertrauensverlust in das Finanzsystem auswirkt. Zugleich hat Glos in seiner Bemerkung eine kleine Spitze gegen die Wirtschaftsforschungsinstitute versteckt. So frotzelte er, das Wirtschaftsministerium sei in der Vergangenheit bei seinen Wachstumsprognosen stets besser gewesen als andere Wettbewerber.

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Vor allem aber mühte sich Glos, gegen Pessimismus anzukämpfen – auch wenn der schwerste Einbruch seit dem zweiten Weltkrieg bevorstehen könnte. So hofft er darauf, dass schon in der zweiten Jahreshälfte die Trendwende zum besseren bevorsteht. Eine ausgeschriebene Zahl - die 2,25 mit einem dicken Minus -  hätten da nur verschrecken können.

In Wahrheit belegen die „zweieinviertel Prozent“ aber vor allem, wie unsicher die Regierung über den weiteren Verlauf der Krise ist - und über die Auswirkungen ihrer Politik. Schließlich hat Glos in seiner Prognose die Rettungspakete der Bundesregierung explizit berücksichtigt.

Das „Zweieinviertel“-Wort zeugt daher von einiger Hilflosigkeit. Bald wird die Regierung entscheiden, ob sie für das Jahr 2009 einen Nachtragshaushalt einbringt. Die meisten Haushaltsexperten rechnen damit. Dann allerdings müsste der Finanzminister ohnehin die offizielle Wachstumsprognose der Bundesregierung berücksichtigen – ob sie nun „zweieinhalb“ oder 2,25 Prozent Miese beim Wachstum lautet. Das Wortspiel ist nur ein Beweis für die Hilflosigkeit der Großen Koalition.

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