_

Jens Weidmann: Bundesbank-Chef fordert harten Sparkurs - für Deutschland

Quelle: Handelsblatt Online

Nicht nur die anderen Europäer sollen den Gürtel enger schnallen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann fordert nun auch einen harten Sparkurs für Deutschland.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fordert von den Deutschen härtere Sparanstrengungen. Quelle: dapd
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fordert von den Deutschen härtere Sparanstrengungen. Quelle: dapd

BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die Bundesregierung aufgefordert, stärker als bisher geplant zu sparen. „Deutschland kommt als Stabilitätsanker der Währungsunion eine ganz besondere Verantwortung zu“, sagte Weidmann dem „Tagesspiegel“. Erfreulich sei, dass die Bundesregierung im alten Jahr das Defizit deutlich abgebaut habe - sie dürfe aber in ihren Bemühungen nicht nachlassen.

Anzeige

Als problematisch gilt vor allem, dass die erste Zuzahlung Deutschlands für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM erhöht und bereits auf dieses Jahr vorgezogen werden soll. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) müsste die Milliardensumme - sie liegt nach seiner Aussage vermutlich höher als 4,3 Milliarden Euro - entweder durch neue Schulden oder durch Sparmaßnahmen finanzieren. Anders als sein Vorgänger EFSF soll der ESM auch mit Eigenkapital unterlegt werden.

Im Laufe des Jahres werde es mit der Konjunktur wieder bergauf gehen, da die realwirtschaftliche Lage in Deutschland „relativ günstig“ sei, betonte Weidmann. Eine Kreditklemme dürfe man nicht herbeireden. Die Europäische Zentralbank (EZB) stelle den Banken genug Liquidität zur Verfügung.

Weidmanns Kollege im Bundesbank-Vorstand, Andreas Dombret, befürchtet angesichts der Schulden- und Bankenkrise eine Kreditklemme für Unternehmen in den Euro-Krisenländern und in Osteuropa, nicht jedoch in Deutschland. „Das deutsche Bankensystem hat keine Liquiditätsprobleme, und den meisten deutschen Unternehmen geht es gut“, sagte Dombret dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Angespannter sei die Lage in den Euro-Peripherieländern, denn dort seien die Kapitallücken der Banken deutlich größer. „Auch in Osteuropa könnte es zu Problemen kommen.“

Hintergrund ist die Vorgabe der EU-Politiker, dass die europäischen Banken bis Ende Juni 2012 ihr Eigenkapital aufstocken, um besser für eine Verschärfung der Krise gewappnet zu sein. Es wird befürchtet, dass die Finanzinstitute deshalb ihre Kreditvergabe an Unternehmen zurückfahren, was wiederum eine Rezession auslösen könnte.

Dombret wiederholte den Wunsch der Notenbank, dass der Bundestag eine neue Kreditlinie Deutschlands für den Internationalen Währungsfonds (IWF) absegnet. Mit dem Geld soll der IWF wiederum falls erforderlich die Eurozone stützen können. Sollte sich die USA an der Aufstockung der IWF-Mittel nicht beteiligen, sei es notwendig, „dass andere gewichtige IWF-Mitglieder ihren Beitrag leisten. Dazu zählt sicher auch Großbritannien.“ Das Land, das zuletzt bei den geplanten EU-Finanzkontrollen ausgeschert war, müsse sich seiner Bedeutung in der Gemeinschaft bewusst sein, betonte Dombret.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.01.2012, 12:36 UhrAnonymer Benutzer: werneremil

    der zeitpunkt fuer einen europaweiten sparkurs ist laengst vertan und ist niemals erwogen worden.ganz im gegenteil alle euro-parteien und staatskriminellen desperado- politiker scheren sich einen dreck ums sparen.im gegenteil sie langen immer mehr und mehr fuer sich in die steuergelder ohne ruecksicht auf verluste.die euro-schulden -zentifuge laeuft unaufhaltsam dem untergang entgegen.

  • 02.01.2012, 05:56 UhrAnonymer Benutzer: Joselyn

    Wegweiser hat Recht. Die Bürger sollen sparen, um Frau Merkels Euro-Desaster zu finanzieren. Erst verkauft sie im Juli 2011 Panzer in den Nahen Osten, für die Flüchtlinge soll die Allgemeinheit aufkommen. Im Land selbst wird nix getan, ausser höhere Kosten, neue Steuern und jetzt Sparmaßnahmen

  • 01.01.2012, 16:24 UhrAnonymer Benutzer: Wegweiser

    Sparkurs? Eurohilfen für EFSF und ESM? Abschreibungsrisiken für aufgekaufte Staatsanleihen? Target II EZB-Bankenrefinanzierungspool? Darüber werden leider keine weitergehenden Ausführungen gemacht, die Risiken sollen also durch die deutsche Volkswirtschaft getragen werden. Seit 13 Jahren entfallen für uns die Aufwertungsgewinne einer eigenen, unabhängigen und stabilen Währung als volkswirtschaftliche Sozial- und Wohlfahrtsdividende, alle Leistungsbilanzsalden werden im Europool einfach zusammengefaßt, ein deutscher Euro ist immer gleich einem anderen Eurolandeuro, auch darüber wird kein Wort verloren.

    Offensichtlich ist es so, dass man unserer eigenen Volkswirtschaft seit über 20 Jahren einfach alle finanziellen Risiken und Lasten aufbürdet und uns dies dann mit struktrellen Reform- und Modernisierungsrückständen schmackhaft machen will.

    Leseempfehlung dazu:

    Wilhelm Hankel, Die Euro Lüge, 3. Auflage, Signum Verlag
    Uwe Müller, Supergau Deutsche Einheit, 2. Auflage, Rowohlt Verlag

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.