Jeremy Lawson: "Deutschland muss die heimische Wirtschaft stärken"

ThemaKonjunktur

InterviewJeremy Lawson: "Deutschland muss die heimische Wirtschaft stärken"

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Jeremy Lawson

von Saskia Littmann

Der Chefökonom von Standard Life Investments hält die gängigen Exportstatistiken für lückenhaft.

WirtschaftsWoche: Herr Lawson, Deutschland steht wegen seiner Exportüberschüsse in der Kritik. Zu Recht?

Lawson: Ja und nein. Wenn ein Land wie Deutschland mehr Güter produziert als andere, müssen die Handelspartner mehr konsumieren. Und der Überschuss in Deutschland muss wieder richtig investiert werden. Beides birgt Risiken. Hier wurde zu wenig investiert. Stattdessen haben deutsche Ersparnisse zum Teil unproduktive Investitionen im Ausland finanziert.

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Brauchen wir Reformen?

Ja, Deutschland muss die heimische Wirtschaft stärken und den Dienstleistungsbereich reformieren. Es fehlen Investitions- und Konsumanreize. Generell ist es zu einseitig, die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes nur an seinen Exportanteilen festzumachen.

Welche anderen Aspekte sehen Sie?

Viele betrachten die Handelsgewinne eines Landes als die Verluste der anderen Länder. Das ist falsch. Handel ist kein Nullsummenspiel. Vor allem der Handel mit Zwischenprodukten wird von den meisten Beobachtern ausgeblendet. Dabei macht er fast zwei Drittel des Welthandels aus.

Sie behaupten, die Exportungleichgewichte seien womöglich anders verteilt als gedacht, weil die Statistik unzureichend ist. Wie kommen Sie dazu?

Die wenigsten Güter werden ausschließlich in einem Land hergestellt. Beispiel Apple: Viele Bauteile eines iPhones werden in China produziert und dann in die USA importiert. Dieser Zwischenhandel findet in den offiziellen Statistiken nicht statt. Kosten und Nutzen werden nicht berücksichtigt. Bezieht man den Zwischenhandel in die Berechnung mit ein, sinken die Handelsvorteile der exportierenden Staaten, da die Wertschöpfung in mehreren Ländern stattfindet. Der Anteil Chinas am Handelsdefizit der USA ist daher deutlich geringer als gedacht. Deshalb würden die USA von einer Abwertung des Yuan vermutlich weniger profitieren als erwartet.

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Was heißt das für Deutschland?

Auch deutsche Unternehmen kaufen viele Zwischenprodukte, um sie hier weiterzuverarbeiten. Deutschlands Handelsüberschüsse gegenüber den Südeuropäern dürften in Wahrheit geringer ausfallen, als es die offizielle Statistik ausweist.

Warum taucht der Handel mit Vorleistungsgütern in den Exportstatistiken dann nicht auf?

Wegen der verfügbaren Daten. Informationen über den Zwischenhandel werden nur mit Verzögerung erhoben.

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