Kehrtwende: Schwarz-Rot befeuert die Schwarzarbeit

ThemaArbeitsmarkt

Kehrtwende: Schwarz-Rot befeuert die Schwarzarbeit

, aktualisiert 04. Februar 2014, 17:06 Uhr
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Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen veröffentlichte Zahlen zur Schwarzarbeit in Deutschland und anderen OECD-Ländern.

Schwarzarbeit lohnt sich in Deutschland seit Jahren immer weniger - bis jetzt. Denn mit ihren Plänen für einen Mindestlohn und die Rente mit 63 könnte die Bundesregierung diesen Trend einer Studie zufolge wieder drehen.

Die Bundesregierung schafft einer Studie zufolge neue Anreize, Geld mit Schwarzarbeit zu verdienen. Die Pläne für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Rente mit 63 führten dazu, dass in Zukunft mehr Geld am Staat vorbei verdient werde, heißt es in einer Studie der Universität Linz und des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält das für Stimmungsmache gegen bessere soziale Standards. Doch auch andere Arbeitsmarktexperten erwarten, dass bald wieder mehr Aufträge ohne Rechnung abgewickelt werden.

Nach der am Dienstag veröffentlichten Modellrechnung werden in der Schattenwirtschaft in diesem Jahr 338,5 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspräche 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wäre der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren. 2013 lag die Schattenwirtschaftsquote noch um 0,2 Prozentpunkte höher.

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Durchschnittsgehälter nach Bundesländern

  • Baden-Württemberg

    52.394 Euro

  • Bayern

    53.006 Euro

  • Berlin

    40.138 Euro

  • Brandenburg

    37.905 Euro

  • Bremen

    49.486 Euro

  • Hamburg

    50.933 Euro

  • Hessen

    54.120 Euro

  • Mecklenburg-Vorpommern

    35.660 Euro

  • Nordrhein-Westfalen

    50.159 Euro

  • Rheinland-Pfalz

    47.548 Euro

  • Saarland

    46.710 Euro

  • Sachsen

    34.712 Euro

  • Sachsen-Anhalt

    36.075 Euro

  • Schleswig-Holstein

    46.586 Euro

  • Thüringen

    36.283 Euro

Doch dieser Rückgang ist so schwach wie seit vielen Jahren nicht. Und während in den vergangenen Jahren Arbeitsmarktreformen wie die Einführung von Minijobs die Schwarzarbeit unattraktiver machten, gebe es allmählich eine Kehrtwende. In diesem Jahr habe die Politik schon keinen Anteil mehr an dem Rückgang, erklärten IAW-Direktor Bernhard Boockmann und der Linzer Schattenwirtschaft-Experte Friedrich Schneider. Der Rückgang sei ausschließlich eine Folge der stabilen Konjunktur: Weil die Chancen auf einen regulären Job gut sind, fehle den Menschen die Zeit und die Motivation für Schwarzarbeit.

In den kommenden Jahren werde die große Koalition der Schwarzarbeit voraussichtlich sogar wieder Vorschub leisten. „Das macht sie natürlich nicht absichtlich, aber indirekt, indem sie reguläre Arbeit teurer macht“, sagte der IAW-Direktor. Pläne wie der flächendeckende Mindestlohn, die Rente mit 63 oder die höheren Beiträge zur Pflegeversicherung machten legale Arbeit unattraktiver. Zusammengerechnet erwarten die Experten durch diese Maßnahmen ein Wachstum der Schattenwirtschaft um drei Milliarden Euro pro Jahr.

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