"Keine Gefahr einer Stagflation": EZB-Chefvolkswirt fordert moderate Lohnabschlüsse

"Keine Gefahr einer Stagflation": EZB-Chefvolkswirt fordert moderate Lohnabschlüsse

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EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark

Die Europäische Zentralbank EZB sieht derzeit keine Gefahr einer Stagflation in Europa, fordert allerdings moderate Lohnabschlüsse in der Euro-Zone, um den zuletzt kräftigen Preisanstieg nicht weitere zu verstärken.

„Von einer Stagflation sind wir noch weit entfernt“, sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark der WirtschaftsWoche. „Richtig ist, dass es erste Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung gibt und die Inflation zuletzt auf 3,2 Prozent gestiegen ist. Mit dieser Inflationsrate sind wir in hohem Maße unzufrieden. Sie ist aber ein temporäres Phänomen, verursacht durch stark steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise. Dieses Phänomen könnte sich als hartnäckiger erweisen, als wir es noch Ende vergangenen Jahres vermutet hatten. Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte die Inflationsrate wieder in der Nähe der Zwei-Prozent-Marke liegen, wenn sich die Nahrungsmittel- und Energiepreise wie erwartet zurückbilden.“

Allerdings empfiehlt Stark bei den anstehenden Lohnrunden moderate Abschlüsse nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Euro-Zone. „Unsere Appelle, Zweitrundeneffekte zu vermeiden, sind an alle Länder des Euro-Gebietes gerichtet. Denn moderate Lohnabschlüsse im Einklang mit der Produktivitätsentwicklung sind essenziell, um die Preise stabil zu halten. In den vergangenen Jahren hat die Lohnzurückhaltung in Deutschland entscheidend zur Lohnmoderation im Euro-Gebiet beigetragen.

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Wenn wir jetzt höhere Lohnabschlüsse in Deutschland bekommen, muss das durch niedrigere Abschlüsse in anderen Ländern kompensiert werden.“ Niedrigere Lohnabschlüsse erwartet Stark vor allem in den Ländern Europas, in denen der Immobilienmarkt ähnlich überhitzt ist wie in den USA und die nun vor einer Korrektur stehen. „Die Turbulenzen an den Finanzmärkten bremsen die Konjunktur vor allem in den Ländern, in denen Korrekturen an den Immobilienmärkten anstehen. Das könnte dort durchaus zu moderateren Lohnabschlüssen führen.“

Keine Gefahr sieht Stark, dass die gute Konjunktur in Europa aufgrund der Finanzmarktkrise und einer möglichen Rezession in den USA einbricht. „Die Wirtschaft des Euro-Gebietes ist heute widerstandsfähiger als 2001. Damals löste das Platzen der New-Economy-Blase eine mehrjährige Schwächeperiode aus. Jetzt wird die Wirtschaft Eurolands auch in 2008 ordentlich wachsen, allerdings nicht mehr so stark wie in den vergangenen beiden Jahren.“ Auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt sei „nach wie vor außerordentlich gut, und ich rechne damit, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht.“

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