Kommentar: Das Geldsystem muss grundlegend reformiert werden

Kommentar: Das Geldsystem muss grundlegend reformiert werden

, aktualisiert 30. November 2011, 17:32 Uhr
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Norbert Häring

von Norbert HäringQuelle:Handelsblatt Online

Die Aktion der Zentralbanken zielt darauf ab, ein aufgeblähtes Bankensystem flüssig zu halten. Angesichts der derzeitigen Notlage gibt es dazu kaum eine Alternative. Langfristig muss unser Geldsystem reformiert werden.

FrankfurtDie koordinierte Aktion aller großen Zentralbanken, sich gegenseitig unbegrenzt die eigene Währung zur Verfügung zu stellen und den Preis dafür weiter zu senken, zeigt, wie kritisch sie die Lage des Bankensystems einschätzen. Kern der Verabredung ist, dass die schon bestehende Möglichkeit, jederzeit Dollar abzurufen, verlängert und für die Banken verbilligt wird. Bisher kostet  es die europäsichen Banken etwas über ein Prozent Zins, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihnen Dollar leiht, die sie von der Federal Reserve bekommt.

In Zukunft wird es einen halben Prozentpunkt billiger. Das bedeutet: eine Bank, der auslaufende Dollar-Kredite von ihren Geschäftspartnern nicht verlängert werden, kann künftig für etwas über ein halbes  Prozent Zinsen so viel Dollar wie nötig von der EZB holen. US-Banken können sich bei der Federal Reserve zu null bis 0,25 Prozent in Dollar refinanzieren.

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Bisher ist es allenfalls ein Dutzend europäische Banken, die zusammen rund zwei Milliarden Dollar von der EZB geliehen haben. Doch alles deutet darauf hin, dass die Kreditmöglichkeit künftig stärker in Anspruch genommen wird. Selbst die Banken, die reichlich Liquidität in Euro haben parken diese täglich verfügbar bei der EZB, offenbar, weil sie sich dagegen absichern wollen, im Bedarfsfall keine Liquidität zu bekommen. Ein Großteil der europäischen Banken bekommt selbst von anderen Banken des Euroraums  kein Geld mehr und ist allein auf die EZB angewiesen. Kurzfristige Dollar-Kredite sind für viele noch schwerer zu bekommen.

Durch den Schritt der Zentralbanken wird weitgehend ausgeschlossen, dass eine Bank ihren Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung nicht mehr nachkommen kann, weil sie sich – soweit sie noch über Sicherheiten verfügt – Kredit in jeder wichtigen Währung von der heimischen Notenbank holen kann. Der Schritt ist eine logische Fortsetzung der Politik, ein aufgeblähtes Bankensystem, in dem viel zu hohe Gewinne gemacht und viel zu hohe Gehälter bezahlt wurden, durch Drucken von immer mehr Geld flüssig zu halten. Weil im derzeitigen System jede Bankenpleite ein extrem hohes Ansteckungsrisiko birgt und die Wirtschaft in den Abgrund reißen kann, gibt es dazu kaum eine Alternative. Aber, wenn die Krise irgendwann einmal ausgestanden ist, muss dieses Geldsystem grundlegend reformiert werden.

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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