Mario Draghi fordert Banken zu Reformen auf

Konferenz: Draghi fordert Banken zu Reformen auf

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EZB-Chef Mario Draghi

von Saskia Littmann

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht die Schuld an der schlechten Ertragssituation der Banken nicht nur bei sich und mahnt stattdessen, es gebe einfach zu viele Banken.

Mario Draghi wehrt sich gegen die immer lauter werdende Kritik der Banken an seiner expansiven Geldpolitik. „Einige Banken müssen ihr Geschäftsmodell überdenken“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) auf einer Konferenz des Europäischen Systemrisikorats (ESRB) in Frankfurt.

Der Italiener machte in seiner kurzen Rede deutlich, dass es längst nicht die niedrigen Zinsen allein sind, welche die Erträge der Banken belasten. Es gebe in vielen Ländern der Euro-Zone einfach zu viele Banken. „Overbanking spielt für die schlechte Gewinnsituation der Banken eine Rolle“, sagte der EZB-Chef.

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Vor allem Deutschland, wo die Kritik an der expansiven Politik der EZB traditionell sehr laut ist, gilt als „overbanked“. Der harte Wettbewerb in der Bundesrepublik verstärkt den Druck auf den Margen der Banken. Der ist allerdings sowieso schon hoch, denn der ultraniedrige Leitzins von null Prozent und die negativen Einlagezinsen von minus 0,4 Prozent belasten die Erträge der Geldinstitute.

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Auch Deutsche Bank-Chef John Cryan hatte vor kurzem auf einer Bankentagung weitere Zusammenschlüsse in der Bankenbranche gefordert. „Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse, auf nationaler Ebene und über Landesgrenzen hinweg“. In Deutschland gebe es einfach zu viele Banken, sagte Cryan und verwies darauf, dass Bankdienstleistungen in anderen Ländern wie den USA deutlich mehr kosten als in Deutschland. Das liege am hohen Wettbewerb unter den hiesigen Instituten.

Mario Draghi wurde von den Banken zuletzt immer stärker angegriffen und für die schwierige Situation der Branche verantwortlich gemacht. Immer häufiger mahnt er deshalb Reformen bei den Geldinstituten an.

Fortschritte bei Schattenrisiken

Gleichzeitig räumte der EZB-Chef ein, es gebe weiterhin systemische Risiken für das Finanzsystem, die über das reine Bankensystem hinausgehen. Der Risikorat habe große Fortschritte gemacht, das System widerstandsfähiger zu machen gegenüber Risiken aus dem Bereich der Schattenbanken.    

Geldpolitik der EZB: Entlastungen durch Niedrigzinsen

  • Kredite

    Verbraucher sparen bei Darlehen, ob für den neuen Fernseher oder für die eigenen vier Wände. Hausbauer können sich zu historisch günstigen Konditionen Geld leihen. Nach Angaben des Bankenverbandes BdB sind Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit zu Effektivzinsen von durchschnittlich etwa 1,4 Prozent zu haben. 2007 lagen sie noch bei mehr als fünf Prozent.

  • Dispozinsen

    Billiger ist es auch geworden, das eigene Konto zu überziehen. Vor fünf Jahren lagen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FMH im Schnitt noch bei 11,26 Prozent. Mittlerweile sind es demnach durchschnittlich 9,51 Prozent.

  • Aktionäre

    Seit Jahren ist günstiges Notenbankgeld der zentrale Treibstoff für die Börsen. Aktionäre können von steigenden Kursen profitieren. Zuletzt wagten sich die eher börsenscheuen Deutschen wieder stärker an den Aktienmarkt. Knapp 9,01 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds - das ist der höchste Stand seit 2012.

  • Der Staat

    Mit der Ausgabe von Anleihen finanziert die öffentliche Hand - neben Steuereinkünften - einen Großteil ihrer Ausgaben. Am Montag fiel die sogenannte Umlaufrendite, die ein durchschnittliches Maß für die „Verzinsung“ von Staatspapieren mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren ist, in Deutschland erstmals seit der Gründung der Bundesrepublik in den negativen Bereich. Der Bund „verdient“ in einer solchen Situation somit an seiner eigenen Schuldenaufnahme, anstatt den Gläubigern - den Käufern der Anleihen - einen Zins zu zahlen.

    Stand: 7. Juni 2016

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