Konjunktur 2012: Wirtschaftsexperten warnen vor Panik-Mache

Konjunktur 2012: Wirtschaftsexperten warnen vor Panik-Mache

von Rebecca Eisert

Mit großen konjunkturellen Sprüngen rechnet 2012 niemand, doch so düster, wie mancher das Bild zeichnet, sehen es führende Ökonomen nicht.

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Warnt vor Schwarzmalerei: Der Vorsitzende des Sachverständigenrates und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, mahnt zu Sachlichkeit bei der Bewertung der Konjunkturaussichten. Er rechne zwar im Jahr 2012 mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur in Deutschland, doch gebe es keinen „Anlass zur Panik“.

Franz, der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist, mahnte: „Vor allem warne ich davor, eine Rezession herbei zu reden.“ Er rechne derzeit damit, dass sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit „abschwächen“ wird. Im Durchschnitt des Jahres 2012 erwartet Franz rund 2,9 Millionen Arbeitslose und rund 41 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. Im November 2011 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei 6,4 Prozent. Mehr als 2,7 Millionen Männer und Frauen in den Bundesrepublik hatte keine Arbeit.

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Deutschland auf dem Weg der Besserung
Optimistischer zeigte sich der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, Klaus Zimmermann. Er sagte, der Arbeitsmarkt bleibe trotz der Unsicherheiten durch die Euro-Krise „auf Wachstumskurs“. Voraussetzung dafür sei, dass der private Konsum „weiterhin stabil bleibt“.

In diesem Fall hält Zimmermann „im Jahresdurchschnitt ein Absinken der offiziell gemeldeten Zahl der Arbeitslosen auf 2,7 Millionen für möglich“. Er sieht zudem Deutschland mittelfristig auf dem Weg zur „Vollbeschäftigung“. Die Zahl der Arbeitslosen könne nach Meinung des IZA-Direktors ab 2015 „angesichts der jetzt massiv einsetzenden demografischen Entlastungen unter die Zwei-Millionen-Grenze rutschen“.

Aufgrund der Altersentwicklung werde zum Beispiel im Jahr 2012 das Arbeitskräfteangebot um rund eine Viertel Million Menschen abnehmen. Zimmermann betonte, dieser Prozess werde „sich in den kommenden Jahren weiter forcieren“. Insofern könne Deutschland „in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts Vollbeschäftigung erreichen, also eine Arbeitslosenquote bei vier Prozent“.

Wie Vollbeschäftigung gelingen kann
Doch auch der Optimismus Zimmermanns kennt Grenzen, so schränkte er ein: „Ich gebe aber zu, dieses Ziel ist ehrgeizig und setzt voraus, dass Politik und Tarifparteien daran aktiv arbeiten.“ Franz sagte: „Auf jeden Fall steht und fällt die Konjunkturentwicklung im Jahr 2012 mit der Lösung der Schuldenkrise im Euro-Raum.

Sollte diese wider Erwarten nicht gelingen und der Welthandel daraufhin stagnieren, müssten wir mit einer Wachstumsrate von minus 0,5 Prozent für 2012 rechnen.“ Gleichwohl gehe er „nach derzeitigem Stand der Dinge nicht davon aus, dass es soweit kommen wird und wir in eine markante Rezession schlittern“.
Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen betonte ferner: „Die vom Sachverständigenrat Anfang November prognostizierte Wachstumsrate von 0,9 Prozent bewegt sich wohl am oberen Rand einer optimistischen Variante, realistischer sind wohl eher 0,5 Prozent für 2012.“ Beide Werte bewegten sich „allerdings in einem Prognose-Unschärfebereich, der diesmal angesichts einiger beachtlicher Risiken größer ausfällt als sonst“. (mit ap)

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