
Um 4,9 Prozent werde die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr schrumpfen, rund ein Prozentpunkt weniger als noch im Juni prognostiziert, schreiben die Kieler Forscher in ihrem Bericht. Im nächsten Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt dann sogar um ein Prozent steigen (bisherige Prognosen: plus 0,4 Prozent).
Auch für den Arbeitsmarkt erwarten die Forscher von der Förde keinen GAU mehr. Zwar werden bis Ende nächsten Jahres weitere 700 000 Beschäftigte ihren Job verlieren. Doch mit dann 4,2 Millionen Arbeitslosen wird die Horrormarke von fünf Millionen, deren Überschreiten manche Ökonomen bereits befürchtet hatten, in weiter Ferne bleiben.
Die milliardenschweren Konjunkturprogramme und Liquiditätsspritzen zeigen nun ihre Wirkungen
Haben die Kieler Ökonomen die rosarote Brille aufgesetzt und Stimmungsaufheller geschluckt, oder hat ihr aufkeimender Optimismus Hand und Fuß?
Schaut man sich die aktuellen Daten zur Konjunktur an, stellt man fest, dass die Zuversicht der IfW-Ökonomen durchaus begründet ist. Weltweit nehmen die Signale für eine Erholung der Konjunktur zu. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft aufgrund ihrer hohen Exportabhängigkeit überdurchschnittlich.
Zwar haben sich in der Vergangenheit Rezessionen, die mit Finanz- und Bankenkrisen verbunden waren, als besonders tief und hartnäckig erwiesen. Doch auf der anderen Seite hat es noch nie so kräftige Gegenimpulse von Seiten der Finanz- und Geldpolitik gegeben. Die milliardenschweren Konjunkturprogramme und Liquiditätsspritzen zeigen nun ihre Wirkungen. Zusammen mit der Wende im Lagerzyklus der Unternehmen erhält die Weltkonjunktur dadurch kräftige Impulse.
Noch eines ist wichtig: Ebenso wie die großen Länder gemeinsam auf Talfahrt gegangen sind, tauchen sie jetzt gemeinsam aus den Tiefen der Rezession wieder auf. Das löst sich selbst verstärkende Kräfte aus, die dem Aufschwung zusätzliche Dynamik verpassen. Allerdings wird es nicht ewig so weiter gehen. Spätestens, wenn die Impulse von den Konjunkturprogrammen auslaufen, die Unternehmen ihre Lager wieder aufgestockt haben und die Notenbanken sich daran machen, die Liquidität wieder einzusammeln, wird der Aufschwung einen Gang zurück schalten. Das dürfte wohl spätestens in der zweiten Hälfte nächsten Jahres der Fall sein.
Aber die wohl beste Botschaft aus Kiel lautet, dass die befürchteten Massenentlassungen ausbleiben werden.
Der Grund dafür: Die in den vergangenen Jahren deutliche Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer hat dazu geführt, dass die Lohnstückkosten bis zum Ausbruch der Krise in der Tendenz sanken und so die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbesserten.
Das gibt den Betrieben nun Spielraum, ihre Beschäftigten an Bord zu halten und abzuwarten, bis sich das wirtschaftliche Unwetter verzogen hat.
Die Sicherung der Arbeitsplätze mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Ernte, die die Arbeitsnehmer jetzt für ihre jahrelange Lohnzurückhaltung einfahren. Das nicht gering zu schätzen.








