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Konjunktur: Aufkeimender Optimismus

von Malte Fischer

Na, also, es geht doch! Mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft hat heute das erste große deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut seine Konjunkturprognose für die globale und die deutsche Wirtschaft nach oben korrigiert.

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
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Um 4,9 Prozent werde die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr schrumpfen, rund ein Prozentpunkt weniger als noch im Juni prognostiziert, schreiben die Kieler Forscher in ihrem Bericht. Im nächsten Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt dann sogar um ein Prozent steigen (bisherige Prognosen: plus 0,4 Prozent).

Auch für den Arbeitsmarkt erwarten die Forscher von der Förde keinen GAU mehr. Zwar werden bis Ende nächsten Jahres weitere 700 000 Beschäftigte ihren Job verlieren. Doch mit dann 4,2 Millionen Arbeitslosen wird die Horrormarke von fünf Millionen, deren Überschreiten manche Ökonomen bereits befürchtet hatten, in weiter Ferne bleiben.

Die milliardenschweren Konjunkturprogramme und Liquiditätsspritzen zeigen nun ihre Wirkungen

Haben die Kieler Ökonomen die rosarote Brille aufgesetzt und Stimmungsaufheller geschluckt, oder hat ihr aufkeimender Optimismus Hand und Fuß?

Schaut man sich die aktuellen Daten zur Konjunktur an, stellt man fest, dass die Zuversicht der IfW-Ökonomen durchaus begründet ist. Weltweit nehmen die Signale für eine Erholung der Konjunktur zu. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft aufgrund ihrer hohen Exportabhängigkeit überdurchschnittlich.

Zwar haben sich in der Vergangenheit Rezessionen, die mit Finanz- und Bankenkrisen verbunden waren, als besonders tief und hartnäckig erwiesen. Doch auf der anderen Seite hat es  noch nie so kräftige Gegenimpulse  von Seiten der Finanz- und Geldpolitik gegeben. Die milliardenschweren Konjunkturprogramme und Liquiditätsspritzen zeigen nun ihre  Wirkungen. Zusammen mit der Wende im Lagerzyklus der Unternehmen erhält die Weltkonjunktur dadurch kräftige Impulse.

Noch eines ist wichtig: Ebenso wie die großen Länder gemeinsam auf Talfahrt gegangen sind, tauchen sie jetzt gemeinsam aus den Tiefen der Rezession wieder auf. Das löst sich selbst verstärkende Kräfte aus, die dem Aufschwung zusätzliche Dynamik verpassen. Allerdings wird es nicht ewig so weiter gehen. Spätestens, wenn die Impulse von den Konjunkturprogrammen auslaufen, die Unternehmen ihre Lager wieder aufgestockt haben und die Notenbanken sich daran machen, die Liquidität wieder einzusammeln, wird der Aufschwung einen Gang zurück schalten. Das dürfte wohl spätestens in der zweiten Hälfte nächsten Jahres der Fall sein.

Aber die wohl beste Botschaft aus Kiel lautet, dass die befürchteten Massenentlassungen  ausbleiben werden.

Der Grund dafür: Die in den vergangenen Jahren deutliche Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer hat dazu geführt, dass die Lohnstückkosten bis zum Ausbruch der Krise in der Tendenz sanken und so die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbesserten.

Das gibt den Betrieben nun Spielraum, ihre Beschäftigten an Bord zu halten und abzuwarten, bis sich das wirtschaftliche Unwetter verzogen hat.

Die Sicherung der Arbeitsplätze mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Ernte, die die Arbeitsnehmer jetzt für ihre jahrelange Lohnzurückhaltung einfahren. Das nicht gering zu schätzen. 

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.09.2009, 15:03 UhrAnonymer Benutzer: Hartz Fünf

    4 Mio. Arbeitslose finde ich weitaus schlimmer, als wie das hier so harmlos dargestellt wird. Allerdings hatte die Wirtschaftswoche einst eine Studie veröffentlicht, welche besagt: Zählt man alle, die keine Arbeit haben und welche suchen, so kommt man auf über 9 Mio. Und die WiWo ist ja eigentlich auch ein Optimistenblatt. ich persönlich schätze die Zahl derjenigen, die verzweifelt Arbeit suchen, zu jedem noch so geringen Lohn, auf annähernd 20 Mio.

  • 10.09.2009, 13:34 UhrAnonymer Benutzer: optiplus

    wäre doch erstaunlich, wenn es nicht gerade jetzt, wo alle vor der wahl hinschauen, wichtigtuer und hochbezahlte kaffeesatzleser gäbe, die eine den zeitgeist des vernebelns unterstützende prognose abgeben. die regierungsparteien hören es gerne.
    die nächsten 12-24 monate werden weitaus schlimmer, als das, was wir bis jetzt erlebt haben. überall laufen konjunkturprogramme aus. es gibt keinen finanziellen spielraum für neue. die arbeitslosigkeit steigt wie angekündigt dramatisch und führt zu konsumunvermögen bei den betroffenen und zu kaufzurückhaltung bei den veränstigten. wie gesagt öffentliche kassen bereits geplündert. riesenpleitewelle im anmarsch. das szenario trifft sowohl in der eu, als auch in den usa zu. der nächste schock steht mit 10 tausend opel-arbeitslosen vor der tür. wo waren eigentlich die \"prognosestarken \"wissenschaftler\", als die weltwirtschaft über jahre von den kriminellen mit duldung der politik gegen die wand gefahren wurde ? letztendlich ist es egal, ob minuswachstum 4,9 oder 5,5 % und ein lächerlicher aufschwung aus diesem niveau der 80er jahre um 0,5 oder 1% ist in wirklichkeit wirkungslos für die arbeitenden menschen. nur bei den bänkern steigt die stimmung, die dürfen weitermachen wie bisher. schliesslich sind sich kanzlerin und oberbänker herzlich zugetan.

  • 09.09.2009, 22:31 UhrAnonymer Benutzer: Rienzi

    Auch die Massentlassungen werden kommen, natürlich nicht vor Ende September. Die sind unumgänglich, schon allein deshalb, weil sich der Export auf schwachem Niveau einpendeln wird. Die US-Amerikaner konsumieren weniger, nicht nur wegen der Überschuldung, sondern auch weil die Konsumideologie nicht mehr so greift wie früher; es haben sich sogar Anti-Konsumbewegungen artikuliert. Chinas Strategie z.b. läuft darauf hinaus, immer autarker zu werden, um auf teure importe verzichten zu können. Die Welt verändert sich in dieser beziehung sehr deutlich. Mit "weiter so" oder "es wird schon wieder" werden nur hierzulande nur notwendige Veränderungen und neue Gesellschaftskonzepte aufgeschoben.

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