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Konjunktur: Boom überrascht deutsche Unternehmen

von Christian Schlesiger

Deutsche Unternehmen produzieren wieder an der Kapazitätsgrenze. Doch viele trauen dem Aufschwung noch nicht.

Bruttoinlandsprodukt
Bruttoinlandsprodukt

Container sind das Symbol der Zeit. Im Abschwung 2008 stapelten sich die leeren Boxen in den Häfen, nun können die Reeder nicht genug davon bekommen. Viele Reedereien hätten ihre alten Boxen „in den vergangenen zwei Jahren verschrottet, aber keine neuen bestellt“, sagt Detthold Aden, Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe. Gäbe es mehr Container, käme der Welthandel noch schneller in Schwung.

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Doch der plötzliche Boom hat offenbar viele Unternehmen überrascht – auch in Deutschland. Im August könnte sich die Lage im Transportbereich noch zuspitzen. Dann beginnt Chinas Industrie, Weihnachtsartikel nach Europa zu verschiffen. Chinas Containerfabriken, die 70 Prozent des Weltmarkts beliefern, kommen mit der Produktion nicht nach.

Die Logistiksparte der Lufthansa erlebt ein Umsatzplus von fast einem Drittel gegenüber dem Vorjahr, die Piloten arbeiten länger als vor der Krise, ihre Einsatzzeiten sind jetzt schon nahe am gesetzlich Erlaubten. Daimler, BMW und Audi fahren Sonderschichten. Statt Kurzarbeit gibt es Kurzferien. An einigen Standorten enden die Sommerferien früher als geplant — vor allem aufgrund hoher Nachfrage aus China.

Davon profitieren auch die Zulieferer. Der Getriebehersteller ZF Friedrichshafen etwa arbeitet fast auf Vorkrisenniveau, der Reifen- und Elektronikzulieferer Continental nahezu wieder unter Vollbeschäftigung. Und bei ThyssenKrupp sinkt zumindest die Zahl der Kurzarbeiter – von 48.900 weltweit vor einem Jahr auf jetzt 3900, davon nur noch 960 in Deutschland. Insgesamt arbeiten 81.000 Menschen in Deutschland für den Stahlkonzern.

Bei der ThyssenKrupp-Werft HDW in Kiel sind aktuell von insgesamt 2000 Beschäftigten 150 in Kurzarbeit. Der U-Bootbau der Werft wird demnächst in ein Joint-Venture mit einer arabischen Investorengruppe ausgelagert. In der Thyssen-Stahlhütte in Duisburg-Bruckhausen gibt es kaum noch Kurzarbeiter, „nahezu alle der 19 500 Stahlwerker arbeiten wieder in Vollzeit“ heißt es im Konzern. Bei Presta, dem konzerneigenen Hesteller von Autolenkungen in Düsseldorf, sind es 300 von 1240. Am meisten Kurzarbeiter zählt der Konzern noch beim Maschinenausrüster Berco in Italien. Dort arbeiten von 2875 Beschäftigten noch knapp 2000 kurz. Richtig anschaulich wird der Aufschwung auf der Brücke der Duisburger Kaiser-Wilhelm-Straße – sie wölbt sich über den Auslieferungsbahnhof – dort, wo die Stahlrollen des größten deutschen Stahlkochers verladen werden. Bis zum Horizont blitzen die Stahlcoils aufden Waggons in der Sonne. Noch im Herbst sah es hier aus wie auf einer verlassenen Industriebrache.

Dennoch trauen Unternehmer und Manager dem Wachstum nicht. Der Optimismus sei „fragil“, sagt Seehafen-Präsident Aden. So fahren Reeder weiter mit reduzierter Geschwindigkeit, um Kraftstoff zu sparen. Auch anderswo herrscht Skepsis: Der Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn liegt zwar um fast 20 Prozent über dem Vorjahresvolumen. Aber die Kunden ordern Züge meist nur kurzfristig. Und statt das eigene Personal aufzustocken, heuern viele Unternehmen Zeitarbeiter an. Jeden Monat wächst die Zahl der Zeitarbeiter in Deutschland um bis zu 50.000. Schon im Sommer könnte die Branche ihren Vorkrisenrekord von 823.000 Beschäftigten erreichen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle glaubt an der Aufschwung. Den Deutschlandfonds, der Staatshilfen für Unternehmen bietet, will er nicht über 2010 hinaus verlängern.

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.07.2010, 21:33 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Zeitarbeit ist der letzte Mist! Die Unternehmen sollten mehr festes Personal einstellen und lieber mit Arbeitszeitkonten arbeiten - wenn berater und Zeitarbeiter wieder gehen, geht wertvolles know-how verloren und landet womöglich bei der Konkurrenz...
    Und billiger sind Zeitarbeiter oder berater keinesfalls...

  • 03.07.2010, 21:27 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    ich teile die Meinung von Hägar Schmidt. Der niedrigere Euro-Kurs kommt der Exportwirtschaft sehr gelegen. Die mehr als maßvollen Tarifabschlüsse sowie die aufgrund der Kurzarbeit-Subventionen reduzierten Personalkostenvolumina der Unternehmen werden für eine starke Stellung im Export sorgen. Weiterhin werden die großen Exportunternehmen regelmäßig Kostenoptimierungsprogramme laufen lassen, die diese Wettbewerbsposition halten oder sogar ausbauen wird. Die inlandskonjunktur wird durch steigende Steuern und Sozialabgaben weiterhin gedeckelt und hat keine Chance sich wirklich zu entfalten. Ökoabgaben als Alibi für den staatlichen Geldhunger werden auch weiterhin Hochkonjunktur haben.

  • 03.07.2010, 16:29 UhrAnonymer Benutzer: Marc

    Den unendlichen Hunger der Chinesen kann eben niemand mehr stoppen, selbst verrückte banker nicht!

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