Konjunktur-Daten : Chinas Wirtschaftswachstum „ist nicht gesund“

Konjunktur-Daten : Chinas Wirtschaftswachstum „ist nicht gesund“

, aktualisiert 19. Oktober 2016, 07:03 Uhr
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Ökonomen warnen, dass das derzeitige Wachstum wenig nachhaltig sei und vor allem von einem heiß laufenden Immobilienmarkt und einer massiven Ausweitung der Schulden getragen werde. 

Quelle:Handelsblatt Online

Das robuste Wachstum deutet auf eine Stabilisierung der zweitgrößten Volkswirtschaft hin. Experten warnen jedoch: Die Erholung ist vor allem durch neue Schulden erkauft. Auch der Immobilienmarkt läuft heiß.

PekingDie chinesische Wirtschaft ist im dritten Quartal wie erwartet um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahrszeitraum gewachsen. Zum Vorquartal legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA um 1,8 Prozent zu, wie das Statistikamt am Mittwoch in Peking mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten beide Werte vorausgesagt. Das Statistikamt erklärte, es blieben viele Unsicherheitsfaktoren in der Wirtschaft. Die Basis für ein anhaltendes Wachstum sei nicht solide.

Die chinesische Regierung peilt für das Gesamtjahr ein Wachstum zwischen 6,5 und 7,0 Prozent an und hat dafür Konjunkturprogramme aufgelegt. Nach Einschätzung der von Reuters befragten 59 Ökonomen dürfte die chinesische Volkswirtschaft in diesem Jahr um 6,6 Prozent und 2017 um 6,5 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr hatte es mit 6,9 Prozent das kleinste Plus seit einem Vierteljahrhundert gegeben.

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Ökonomen warnten jedoch davor, dass das derzeitige Wachstum wenig nachhaltig sei und vor allem von einem heiß laufenden Immobilienmarkt und einer massiven Ausweitung der Schulden getragen werde. 

„Die Entwicklung ist nach wie vor nicht gesund“, sagte der Pekinger Ökonom Hu Xingdou: „Die Regierung will ihr Wachstumsziel erreichen und nimmt deshalb qualitativ schlechtes Wachstum in Kauf.“  
Chinas Kreditwachstum sei zuletzt „sehr schnell“ gewachsen, warnte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangene Woche in einem Arbeitspapier. Ohne eine Strategie zum Schuldenabbau drohe eine Bankenkrise, langsameres Wachstum oder beides.

Nach den am Dienstag vorgelegten Zahlen der chinesischen Zentralbank weitete sich die Summe neu vergebener Kredite allein im September um 1,2 Billionen Yuan (rund 160 Milliarden Euro) aus. Vor allem Immobiliendarlehen machten einen kräftigen Sprung um umgerechnet 64 Milliarden Euro im September.

„Die Menschen fürchten weitere wirtschaftliche Probleme und eine Abwertung der Währung. Deshalb läuft der Häusermarkt heiß“, sagt der Ökonom Chen Donglin. Für die Regierung sei das ein „Dilemma“. 

Einerseits trägt der Immobiliensektor rund 15 Prozent zum Wirtschaftswachstum bei und hilft so, das Wachstumsziel zwischen 6,5 Prozent bis 7 Prozent für dieses Jahr zu erreichen. Andererseits hätte eine platzende Immobilienblase gravierende Folgen für China. Peking hat deshalb mit neuen Kaufrestriktionen begonnen, den Markt in den Großstädten des Landes abzukühlen. 

Sollten die Häuserpreise nun zurückgehen, dürfte das laut Chen Donglin aber auch dazu führen, dass die Wirtschaft im vierten Quartal und im kommenden Jahr langsamer wachsen wird. 

Nach einer Stabilisierung im Frühjahr sorgten zuletzt eine Reihe schwächere Daten erneut für Ernüchterung in Chinas Wirtschaft. Besonders der Außenhandel der zweitgrößten Volkswirtschaft hat sich zuletzt schwach entwickelt. In US-Dollar gerechnet waren die Exporte im September um 10 Prozent eingebrochen.

Chinas Wirtschaft, die lange von einem gewaltigen Heer an günstigen Arbeitern profitierte und so zur verlängerten Werkbank der Welt wurde, war im vergangenen Jahr mit 6,9 Prozent so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr gewachsen. 

Die Regierung strebt ein Wachstumsmodell an, das weniger abhängig von billigen Exporten ist und auf mehr Innovation und einem stärkeren Binnenkonsum basiert. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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