Konjunktur: Der freie Fall ist gestoppt

Konjunktur: Der freie Fall ist gestoppt

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Ein Containerschiff im Hamburger Hafen: Im März 2009 legte der Export erstmals seit September letzten Jahres leicht zu

Die globale Depression ist abgesagt. Weltweit zeigen wichtige Konjunktursignale wieder nach oben, die Stimmung hellt sich auf. Das nährt die Hoffnung auf ein Ende der Rezession. Steht die Weltwirtschaft vor einem neuen Aufschwung?

Manchmal sind es die kleinen, versteckten Nachrichten, die einen neuen Trend anzeigen. Wie die Nachricht vom Krefelder Industriegasehersteller Messer. Während immer neue Horrormeldungen aus der Autoindustrie auf die Bürger niederprasseln, blicken die Beschäftigten bei Messer zuversichtlich in die Zukunft. Vor wenigen Tagen erst legte das mittelständische Familienunternehmen den Grundstein für den Bau einer 50 Millionen Euro teuren Luftzerlegungsanlage auf dem Gelände von Salzgitter. Die Anlage soll den Stahlriesen in den nächsten 15 Jahren mit gasförmigem Sauerstoff für die Stahlerzeugung versorgen. Bereits im Oktober geht ein zweiter Luftzerleger auf dem Gelände der Deutschen Edelstahlwerke in Siegen in Betrieb: Investitionsvolumen: 35 Millionen Euro.

Messer ist auch im Ausland gut im Geschäft, trotz Wirtschaftskrise. 100 Millionen Euro investiert das Unternehmen in einen Luftzerleger für ein Gemeinschaftsunternehmen in China, das Eisenbahnschienen herstellt. „Von einem Einbruch der Geschäfte kann bei uns keine Rede sein“, heißt es bei Messer.

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Licht am Ende des Tunnels erkennt auch Hans-Jochen Beilke, Geschäftsführer des württembergischen Ventilatorenbauers EBM-Papst. Die Talfahrt bei den Bestelleingängen des Weltmarktführers im Ventilatorenbau geht zu Ende. „Ab dem späten Herbst dürfte es wieder aufwärtsgehen“, frohlockt Beilke. Der Unternehmenschef setzt auf die weltweiten Konjunkturpakete und deren ökologische Ausrichtung. „Energiesparen ist unser Thema“, sagt Beilke.

Überraschende Aufwärtsdynamik ist möglich

Noch gehen diese optimistischen Stimmen unter im Meer der schlechten Nachrichten. Doch sie bestätigen, was wichtige Frühindikatoren für die globale Konjunktur schon seit geraumer Zeit ankündigen: Der Tiefpunkt der Krise ist durchschritten. Ab Jahresmitte könnte die Wirtschaft sogar wieder den Vorwärtsgang einschalten.

Rund um den Globus hellt sich die Stimmung der Unternehmen auf. In Deutschland verzeichneten die Industrieunternehmen im März wieder steigende Bestellungen aus dem Ausland – das erste Mal seit August 2008. In den USA geht die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung wieder zurück – bisher war das immer ein sicheres Zeichen für das baldige Ende der Rezession. Als dann auch noch US-Notenbankchef Ben Bernanke Mitte März von ersten „grüne Sprossen“ der Erholung sprach, interpretierten die Finanzmärkte das als Startschuss für eine neue Rally. Seit März sind die Aktienindizes stärker gestiegen als in vielen guten Börsenjahren insgesamt: Frankfurts Dax, New Yorks S&P 500 und Tokios Nikkei kletterten um rund 30 Prozent. Die Börsenindizes der Wachstumsmärkte Brasilien und China sind zeitweise sogar um 50 Prozent gestiegen.

Welthandel beendet Schrumpfkurs

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Waren also all die Ängste vor einer großen Depression übertrieben? Steht uns nach dem kräftigen Abschwung gar ein ebenso kräftiger Aufschwung bevor?

Analysten, Banker und Konjunkturforscher zerbrechen sich derzeit genau darüber den Kopf. Selten war die Unsicherheit so groß. Hatten sie nicht gerade erst ihre Prognosen kräftig nach unten korrigiert? Und jetzt das! Steigende Frühindikatoren stellen die schönen Doomsday-Prognosen infrage. „Erst hat uns die Schwere des konjunkturellen Einbruchs nach der Lehman-Pleite überrumpelt, jetzt könnte uns die Aufwärtsdynamik überraschen“, beschreibt Elga Bartsch, Euroland-Chefvolkswirtin der US-Bank Morgan Stanley, die Ratlosigkeit in der Zunft.

Nach der kollektiven Pessimismuswelle melden sich auf einmal wieder die Konjunkturbullen zu Wort. „Der freie Fall der Wirtschaft ist gestoppt, der Kollaps des Finanzsystems abgewendet“, sagt der legendäre Investor George Soros. Die Erholung werde die Hälfte des vorherigen Abschwungs wettmachen, glaubt Soros.

Das könnte sogar eine konservative Schätzung sein, meint Andreas Rees, Chefvolkswirt für Deutschland bei UniCredit. Rees hat für Deutschland die Rezessionsphasen der vergangenen 40 Jahre untersucht. Das Ergebnis: „Eine V-förmige Erholung war nicht die Ausnahme, sondern die Regel.“ So schrumpfte die Wirtschaft nach der ersten Ölpreiskrise 1973 um knapp 2,5 Prozent. In den vier Quartalen nach dem Ende der Rezession erholte sich die Wirtschaft dann kräftig, das reale Bruttoinlandsprodukt legte um satte vier Prozent zu. Ähnliche Verläufe ließen sich auch nach den übrigen Rezessionen beobachten.

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