Konjunktur: Deutsche Wirtschaft schrumpft erstmals seit vier Jahren

Konjunktur: Deutsche Wirtschaft schrumpft erstmals seit vier Jahren

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Bauarbeiter in Berlin

Der Aufschwung ist vorbei: Erstmals seit vier Jahren ist die deutsche Wirtschaft wieder geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal um 0,5 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Grund: Die Finanzmarktkrise, der starke Euro und der hohe Ölpreis bremsen zunehmend das Wachstum.

Einen so starken Rückgang hatte es zuletzt Anfang 2003 gegeben. Zuletzt war die Wirtschaft im Sommer 2004 geschrumpft (minus 0,2 Prozent). Im ersten Quartal hatte sie mit 1,3 Prozent noch das stärkste Wachstum seit knapp zwei Jahren geschafft. Die Statistiker revidierten damit den bisherigen Wert von 1,5 Prozent leicht nach unten.

Der private Konsum ging im Frühjahr ebenso zurück wie die Investitionen der Unternehmen. „Insbesondere die Bauinvestitionen waren deutlich niedriger“, hieß es. Experten hatten dies erwartet, nachdem wegen des milden Winters viele Bauprojekte bereits zu Jahresbeginn fertiggestellt werden konnten. Wachstumsimpulse kamen von April bis Juni lediglich vom Außenhandel - allerdings nicht, weil die Exporte so stark waren, sondern weil die Importe „signifikant“ fielen. Dadurch ergibt sich rein rechnerisch ein positiver Beitrag vom Außenhandel.

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Trotz des Rückschlags warnen Experten vor übertriebenem Konjunkturpessimismus. „Von Rezession zu reden, das ist nicht nur verfrüht, sondern völlig fehl am Platz“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben der „Passauer Neuen Presse“. Die Bundesregierung könne die Konjunktur mit Steuersenkungen stützen. Die meisten Experten erwarten auch in den kommenden Monaten eine schwache Konjunktur.

Regierung rechnet für 2008 mit Plus von 1,8 Prozent

Als wichtigste Gründe dafür gelten die geringere Nachfrage aus dem Ausland und die Kaufkraftverluste der Verbraucher durch die hohe Inflation. Für das Sommerquartal halten Analysten ein leichtes Wachstum für möglich. „Wir erwarten eine Stabilisierung, auch weil die Ölpreise deutlich gesunken sind und der Euro schwächer geworden ist“, sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. „Das sollte helfen.“

Die Bundesregierung erwartet nach wie vor für 2008 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, Bundesbank und Institute rechnen mit rund zwei Prozent. Allerdings dürfte sich dann 2009 auf rund ein Prozent halbieren. 2007 hatte die Wirtschaft noch um 2,5 Prozent zugelegt. 2006 waren es nach revidierten Angaben sogar 3,0 Prozent.

Am Arbeitsmarkt, der der Konjunktur hinterherläuft, verbesserte sich die Lage weiter. Die Wirtschaftsleistung wurde im zweiten Quartal 2008 von 40,2 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 566.000 Personen mehr als ein Jahr zuvor.

Der Eurokurs stieg nach Bekanntgabe der Daten vorübergehend wieder über die Marke von 1,49 Dollar.

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