Konjunktur: Deutsche Wirtschaft verblüfft mit starkem Wachstum

Konjunktur: Deutsche Wirtschaft verblüfft mit starkem Wachstum

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Silhouette eines Arbeiters auf einer Baustelle: Der Boom in der Bauwirtschaft trug zu einem überraschend starken Wachstum der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal bei.

Finanzkrise, starker Euro und die maue US-Konjunktur können der deutschen Wirtschaft vorerst nichts anhaben: Im ersten Quartal hat das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent zugelegt - so stark wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Der überraschend gute Start könnte auch die Jahresprognosen wieder nach oben schrauben. Doch Ökonomen warnen vor verfrühter Euphorie.

Ungeachtet aller Risiken legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal kräftig um real 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu, meldete das Statistische Bundesamt heute. „Der wirtschaftliche Aufschwung des vergangenen Jahres hat sich damit unvermindert fortgesetzt“, schrieben die Statistiker. Die Wirtschaft habe sich trotz des starken Euro und der Rekordölpreise als „sehr robust“ erwiesen.

Konjunkturmotor war das Inland. Die Firmen investierten deutlich mehr, der Bau boomte und der Konsum legte Das überraschend hohe Plus ist nach Ansicht von Ökonomen aber durch Sondereffekte wie die milde Witterung überzeichnet. „Die Zahl von 1,5 Prozent darf man nicht wirklich ernst nehmen“, sagte Europa-Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Bank of America. „Sie sagt nichts über den zugrundeliegenden Trend aus und der geht nach unten.“ Dennoch wollen einige Ökonomen ihre Jahresprognosen wieder etwas anheben.

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Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2007 betrug das reale Wirtschaftswachstum nur 0,3 Prozent. Zudem hat ein Großteil der Ökonomen in letzter Zeit ein Abflauen der Konjunktur vorausgesagt. Im Frühjahrsgutachten der Bundesregierung, das Mitte April veröffentlich wurde, senkten Wirtschaftsforscher für 2008 ihre Wachstumsprognose von 2,2 auf nur 1,8 Prozent. Zudem soll die Inflation deutlich auf 3,6 Prozent zulegen. Zuvor gab auch der internationale Währungsfonds ein düstere Prognose ab. Jüngst hatte auch die Commerzbank für dieses Jahr eine deutliche Eintrübung  vorausgesagt.

Auch die Konjunkturexperten des Statistischen Bundesamts schlagen in die selbe Kerbe. Für das Frühjahr rechnen die Ökonomen mit dem Rückfall der Konjunktur in eine Stagnation. Die ungewöhnlich milde Witterung bescherte der Bauindustrie zu Jahresanfang einen Boom - diese Aufträge dürften im Frühjahr fehlen. Die Firmeninvestitionen fielen so hoch aus, weil nach Auslaufen von steuerlichen Vorteile zum Jahresende nicht alle Aufträge abgearbeitet werden konnten.

Auch der Konsum ist nach Meinung von Volkswirten überzeichnet. Die Exporte liefen zwar trotz des starken Euro gut, doch wegen des Anstiegs der Importe bremste der Außenhandel insgesamt das Wirtschaftswachstum. Wie die WirtschaftsWoche vor kurzem berichtete, dürfte auch der Exportmotor bald ins Stottern geraten, wie die WirtschaftsWoche vor kurzem berichtete

Stärker als im ersten Quartal dieses Jahres hatte die Konjunktur zuletzt im Frühjahr 1996 zugelegt. Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Wirtschaft zu Jahresanfang um 1,8 Prozent. Nach dem guten Start ins Jahr wird die Wirtschaft ihr Tempo wohl drosseln.

Ökonomen wollen Prognosen nach oben korrigieren

„Dennoch ist klar: Der Aufschwung ist noch da, wir werden unsere Wachstumsprognose für 2008 nach oben korrigieren“, sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Die Bundesregierung hatte jüngst ihre Vorhersage auf 1,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr gesenkt. Viele Ökonomen sind nun optimistischer und rechnen mit mehr als zwei Prozent.

2007 hatte die deutsche Wirtschaft trotz der Mehrwertsteuererhöhung das zweite Wachstumsjahr infolge mit einem Plus von 2,5 Prozent erzielt. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich gebessert. Im ersten Quartal wurde die Wirtschaftsleistung von 39,8 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ausführliche Ergebnisse gibt das Statistische Bundesamt am 27. Mai bekannt.

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