Konjunktur: Deutschland als Sündenbock für Europas Schieflage

KommentarKonjunktur: Deutschland als Sündenbock für Europas Schieflage

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ARCHIV - Neuwagen des Typs Ford-Fiesta und Fusion, die in Köln produziert wurden, werden am10.09.2009 auf einem Binnenschiff über den Rhein in Düsseldorf gefahren.

von Mark Fehr

Die deutschen Exporte brechen im Januar unerwartet ein – neidische internationale Konkurrenten reagieren schadenfroh. Erst recht ein Grund, jetzt nicht nachzulassen, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Fehr.

Im Januar haben deutsche Unternehmen zwar 0,2 Prozent mehr Waren ins Ausland geliefert als im Vorjahresmonat.

Doch verglichen mit Dezember brachen die Ausfuhren überraschend um 6,3 Prozent ein. Einen Rückgang dieser Größenordnung hatte das Statistische Bundesamt zuletzt vor einem Jahr gemessen.

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Die momentane Schwäche des ehemaligen Exportweltmeisters dürfte besonders in wettbewerbsschwachen EU-Ländern Schadenfreude auslösen. Denn einige internationale Politiker und Ökonomen geben den traditionell hohen deutschen Überschüssen im Außenhandel die Schuld an den starken Ungleichgewichten in der europäischen Wirtschaft.

Deutschland wird damit indirekt sogar verantwortlich gemacht für die Schieflage notorischer Problemländer wie Griechenland.

Absurder geht es nicht. Es gibt andere Gründe für die geringe internationale Nachfrage nach Produkten aus Spanien, Portugal oder Italien, die neben den Griechen ebenfalls zu den sogenannten PIGS-Staaten gehören.

Absurder Vorwurf des Lohndumpings

Trotzdem fordert etwa der italienische OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan eine Umverteilung der europäischen Nachfrage – und meint damit die Deutschen.

Der bald anstehende Länderbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung soll den Druck auf Deutschland erhöhen, den Konsum und damit die Importe zu fördern, um Exportüberschüsse abzubauen.

In dieselbe Kerbe haut auch der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Die Deutschen sollten über eine Stärkung der Binnennachfrage nachdenken. Als Mittel zum Zweck bringt Juncker sogar Lohnerhöhungen für den Öffentlichen Dienst ins Spiel.

Juncker bedient sich dabei eines häufig strapazierten Feindbilds: Die Disziplin der deutschen Tarifpartner sei eine unfaire Exportsubvention zulasten internationaler Konkurrenten, vergleichbar etwa dem Währungsdumping der Chinesen.

Deutsche Produkte weltweit begehrt

Bei diesem unverschämten Vorwurf dürfen die Deutschen – ansonsten ja erfreulich selbstkritisch und sensibel – ausnahmsweise mal getrost auf Durchzug schalten und sich weiter auf ihren traditionellen Wettbewerbsvorteil konzentrieren.

Den aus eigener Schuld exportschwachen Konkurrenten wird es keinen Deut besser gehen, wenn man einen Starken schwächer macht.

Im Gegenteil: Die Rettung Europas und des Euros wird nur möglich sein dank wirtschaftlich einigermaßen solider EU-Mitglieder wie Deutschland.

Die Hoffnung, der Konsum könne angesichts sinkender globaler Nachfrage für den Export in die Bresche springen, hat sich hierzulande zerschlagen.

Von den deutschen Verbrauchern wird zumindest in diesem Jahr kein Wachstumsimpuls mehr ausgehen. Daher sollten wir unsere Industrie auf jeden Fall weiter in Ruhe daran arbeiten lassen, dass deutsche Produkte weltweit begehrt bleiben.

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